Bauen

Nostalgisch gestaltet sind die allgemeinen Treffpunkte. (Foto: Schwenger)

11.02.2011

Haus mit Modellcharakter

Der Sonnenhof in Ebenhausen - ein Pflegezentrum für Demenzkranke

Der Sonnenhof in Ebenhausen ist ein völlig neuartiges Demenzzentrum. Der Name des Hauses für beschützende Pflege nimmt Bezug auf einen Vers des 113. Psalms, der jetzt rings um die Glaskuppel über dem zentralen Marktplatz im Inneren des Hauses steht: „Vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Niedergang sei gelobet der Name des Herrn.“
Die rund fünf Millionen Euro teure Einrichtung ist eine Erweiterung des differenzierten und vernetzten Pflege- und Betreuungsangebots des Evangelischen Alten- und Pflegeheims Ebenhausen. Der Betreiber ist „Hilfe im Alter“, gemeinnützige GmbH der Inneren Mission München. Geschäftsführer ist Gerhard Prölß. Die Einrichtung richtet sich als so genannter beschützender Bereich mit 48 Plätzen an Personen, die nach Sozialgesetzbuch 11 pflegebedürftig sind und ein gerontopsychiatrisches oder dementielles Krankheitsbild aufweisen.
Fast auf den Tag genau ein Jahr nach dem ersten Spatenstich für das neue Demenzzentrum – ein Gesamtentwurf des Münchner Architekten Otto Hartmann – konnten die ersten Bewohner einziehen. Die Einweihung fand Anfang Dezember im Beisein von Sozialministerin Christine Haderthauer statt. Mit seiner Bauart und einer speziell an die Bedürfnisse dementer Menschen angepassten Inneneinrichtung dürfte das Haus bayernweit Modellcharakter besitzen.
Das beschützende Haus, unmittelbar hinter dem bestehenden Pflegezentrum am Hang gelegen, bietet auf zwei Geschossen Platz für 48 Bewohner. Ihnen werden – dem Krankheitsbild angemessen – 40 Einzelzimmer und vier Doppelzimmer angeboten. Räumlich gleichen die Appartements dem herkömmlichen stationären Pflegebereich.
Die Gestaltung wurde so vorgenommen, dass sich der Bewohner trotz kognitiver Defizite zurechtfinden kann. Der Innenbereich erstreckt sich über zwei durch barrierefreie Laufwege verbundene Stockwerke. „So können die Bewohner ihren krankheitstypischen Bewegungsdrang ungehindert ausleben, wie Heimleiterin Ulrike Prölß erläutert. „Wir wollen diesen Bewohnern in der Einrichtung ein Zuhause bieten, in dem sie sich so frei wie irgend möglich bewegen können.“

Helle und
lichte Zimmer


Das ganze Haus wurde mit viel Liebe zum Detail ausgestattet. Der Neubau, in dem sich auch kleinere Therapieräume für Gruppenarbeiten befinden, ist an vielen Stellen bewusst nostalgisch gestaltet, so in beiden Stockwerken die zentralen „Marktplätze“, die zum Essen und als allgemeine Treffpunkte dienen. Hier finden sich zum Beispiel eine uralte Kirchenbank aus Eichenholz, ein Klavier, ein Leiterwagen aus Holz, Parkbänke und auch zahlreiche alte Bilder. Teile der Wände sind mit Klinker oder Naturstein verblendet. An diesen zentralen Punkten befinden sich auch die Stationszimmer, versteckt hinter einer Hausfassade oder dem Restaurant „Zum Löwen“ haben die Pflegefachkräfte einen Überblick über das Geschehen.
Die Einrichtung in den hellen und lichten Zimmern sowie in den Gemeinschaftsräumen soll ein heimisches Gefühl vermitteln. Die Schreinerei Max, Bad Rappenau, fertigte speziell dafür Tische und Stühle mit geschwungenen Beinen und gelbem Samtbezug, eine halbhohe Kommode und einen dunkelbraunen Kassettenschrank, der aussieht, als wohne darin schon der Holzwurm.
Auf Flohmärkten fand der Schreiner zudem authentische alte Dinge: etwa die wettergegerbte Tür eines Heustadls, einen antiken Briefkasten oder gusseiserne Gitter aus Frankreich. Auch die Heimleiterin hat bei der Innenausstattung mitgeholfen: Im Leonhard-Henninger-Haus im Westend fand sie auf dem Speicher alte Möbelstücke. Eine alte Anrichte, eine Frisierkommode von anno dazumal und ein alter Sekretär sind Spenden von Angehörigen. Zudem ermöglichten Spenden der Dr. Adolf Rupp- und der Alex Danhuber Stiftung weitere Anschaffungen.
Selbst die hochmodernen Küchen mit Dunstabzug und Warmhaltestation sind im Antikdekor gestaltet. Der PVC-Boden im Stammtischbereich und dem „Heiligen Eck“ ist einem alten Holzboden nachempfunden. Ulrike Prölß: „Damit möchten wir eine Art Wiedererkennungseffekt bei den alten Menschen erreichen und ihnen Sicherheit und Geborgenheit vermitteln.“
Das Farbkonzept im Innern des Baus hat Ulrike Prölß ausgearbeitet. Die Böden in den Fluren leuchten in einem warmen, marmorierten Beigeton, die Bewohnerzimmer im Erdgeschoss haben terracottafarbige Böden, im ersten Geschoss ist es ein sattes Grün. Und im Flur hat der Maler die passenden Farbtöne unterhalb des Handlaufs in Schwammtechnik wie in alten Münchner Treppenhäusern angebracht. Beide Wohlfühlbäder bekamen eine Wandbemalung: Im Erdgeschoss zaubern Muscheln, Seesterne, ein Leuchtturm und ein echter Strandkorb norddeutsches Flair herbei, im Obergeschoss ist der Eindruck mediterran. In den Fluren hängen Aquarelle der Schäftlarner Künstlerin Christel Knab, die sie der Einrichtung geschenkt hat.
Ein kleiner Innenhof mit ungehindertem Zugang im Erdgeschoss sowie der Gartenbereich im Untergeschoss, der nur in Begleitung zugängig ist, sorgen dafür, dass die Bewohner in der Sonne sitzen und die Natur genießen können. (Sabrina Schwenger)

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