Bauen

Josef Poxleitner, Leiter der Obersten Baubehörde. (Foto: OBB)

05.07.2013

"Hochmotivierte Helfer in Orange"

OBB-Kolumne: Josef Poxleitner, Leiter der Obertsen Baubehörde (OBB), über die Herausforderungen, die Hochwasser, Blow-ups und Winterdienst mit sich bringen

Jederzeit problemlos befahrbare Straßen gelten in unserer Gesellschaft als Selbstverständlichkeit. Nur selten wird wahrgenommen, welcher Aufwand erforderlich ist, und wer dafür sorgt, die bayerischen Autobahnen, Bundes- und Staatsstraßen Tag für Tag in einem sicheren und funktionsfähigen Zustand zu halten.
Die Bayerische Straßenbauverwaltung gibt jedes Jahr rund 300 Millionen Euro für den Betriebsdienst aus, ein Viertel davon allein für den Winterdienst. Der Freistaat Bayern beschäftigt derzeit 2500 Straßenwärterinnen und Straßenwärter, die jeden Tag für einen reibungslosen Verkehrsablauf auf mehr als 25 000 Kilometern Straßen und 6000 Kilometern Radwegen, auf 14 000 Brücken und in 60 Tunneln sorgen. Wie wichtig diese Arbeit für den Autofahrer ist, merkt dieser deshalb oftmals erst, wenn eine Straße einmal nicht befahrbar ist – zum Beispiel bei extremen Witterungsverhältnissen im Winter.
Auch das jüngste Hochwasser im Süden Bayerns und die unmittelbar anschließenden Hitzeschäden an unseren Autobahnen haben an die Beschäftigten der Straßen- und Autobahnmeistereien höchste Anforderungen gestellt. Der Dauerregen Anfang Juni hat zu einer der größten Hochwasserkatastrophen geführt, die Deutschland und speziell auch Bayern in den letzten Jahrzehnten erlebt hat. Innenminister Joachim Herrmann hat anlässlich seines Besuchs in Deggendorf gesagt: „Wir spüren im Moment, wie stark wir auf unser Straßennetz angewiesen sind.“ So wichtig ein intaktes Straßennetz schon in „normalen Zeiten“ ist, im Katastrophenfall zeigt sich die Bedeutung der Straße umso mehr: Als Rettungsweg, zur Versorgung der Menschen vor Ort, zum Anliefern von Sandsäcken oder zum Abtransport von Sperrmüll oder Schlamm.
Die Mitarbeiter der betroffenen Straßen- und Autobahnmeistereien haben für sichere Umleitungsstrecken gesorgt und dafür, dass die überfluteten Autobahnen, Bundes- und Staatsstraßen schnellstmöglich wieder für den Verkehr freigegeben werden konnten. Sie waren tagelang im Dauereinsatz und teilweise auch selbst vom Hochwasser betroffen – weil beispielsweise der eigene Keller oder der von Familienmitgliedern oder Freunden vollgelaufen war.
Alle Straßen sind mittlerweile wieder freigegeben – teilweise nach rekordverdächtigen Sanierungsleistungen. Wir müssen uns aber darauf einstellen, dass sich in den kommenden Monaten erhebliche weitere Schäden an unseren Straßen zeigen. Momentan lässt sich nur schwer absehen, wie stark tagelange Überschwemmungen den Straßenunterbau, die Asphaltdeckschicht oder auch die Bauwerke geschädigt haben. Unser Betriebsdienst wird in der nächsten Zeit ein besonderes Augenmerk auf die betroffenen Straßen legen müssen.

Gefährliche „Sprungschanzen“


Auf das Wasser folgte die Hitze. Die alten Betonfahrbahnen auf den bayerischen Autobahnen hielten den enormen Temperaturunterschieden nicht stand, an mehreren Stellen auf der A 92, der A 93 und der A 3 kam es zu Blow-ups, bei denen sich in Sekundenschnelle der Beton aufwölbt und gefährliche „Sprungschanzen“ bildet. Für viele Mitarbeiter der Autobahnmeistereien, die gerade erst einen mehrtägigen Hochwassereinsatz hinter sich hatten, erforderte dies eine erneute Zusatzbelastung. Innerhalb weniger Stunden musste auf 220 Kilometern Autobahn eine durchgehende Geschwindigkeitsbegrenzung auf 80 km/h eingerichtet werden. Außerdem wurde versucht, durch eine Verstärkung der Kontrollfahrten mögliche Gefahrenstellen frühzeitig zu erkennen und abzusichern. Festgestellte Schäden an den Betonfahrbahnen mussten schnellstmöglich provisorisch instand gesetzt werden.
Die Bayerische Straßenbauverwaltung und ganz speziell die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Straßenbetriebsdiensts beweisen zu allen Jahreszeiten, dass sie gut aufgestellt und hoch motiviert sind. Dies verdient großen Dank und Anerkennung. Gut ausgebaute Straßen, die schnell und sicher befahren werden können, und einen Betriebsdienst, der im Winter für freie Straßen und im Katastrophenfall wieder schnell für befahrbare Verkehrsverbindungen sorgt, gibt es aber nicht zum Nulltarif.
Um auch künftig für alle Herausforderungen gerüstet zu sein, sind ausreichende finanzielle und personelle Kapazitäten erforderlich. Dieser Umstand sollte auch künftig bei allen Einsparbemühungen berücksichtigt werden.

(Blow-ups können zu gefährlichen Sprungschanzen werden; mittlerweile sind alle überschwemmten Straßen wieder freigegeben - Fotos: OBB)

Einen Online-Kommentar verfassen - so geht's

Scrollen Sie einfach ans Ende des Artikels, den Sie kommentieren wollen und geben Sie Ihre E-Mail-Adresse und einen nickname an. Die Nennung Ihres Namens ist freiwillig. Für die Nutzer sichtbar ist in jedem Fall NUR der nickname. Sie müssen sich auch nicht auf unserer Homepage anmelden. Aber unsere Netiquette akzeptieren. Und schon können Sie loslegen!

Kommentare (0)

Es sind noch keine Kommentare vorhanden!

Neuen Kommentar schreiben

Die Frage der Woche

Frage der Woche KW 49 (2017)

Paragraf 219a: Soll das Werbeverbot für Abtreibungen abgeschafft werden?

Umfrage Bild
 

Lesen Sie dazu in der Bayerischen ­Staatszeitung vom 8. Dezember 2017 auch die Standpunkte unserer Diskutanten:

Simone Strohmayr, Vize-Vorsitzende der SPD-Fraktion im Landtag

(JA)

Winfried Bausback (CSU), bayerischer Justizminister

(NEIN)

arrow
Facebook
Vergabeplattform
Vergabeplattform

Staatsanzeiger eServices
die Vergabeplattform für öffentliche
Ausschreibungen und Aufträge Ausschreiber Bewerber

E-Paper
Unser Bayern

Die kunst- und kulturhistorische Beilage der Bayerischen Staatszeitung

Unser Bayern

LesenNachbestellen

Nur für Abonnenten

eaper
E-Paper
ePaper
zum ePaper
Abo Anmeldung

Benutzername

Kennwort

Bei Problemen: Tel. 089 – 290142-59 und -69 oder vertrieb@bsz.de.