Bauen

Das umgebaute Exerzitienhaus. (Foto: Bistum Regensburg)

14.08.2014

Im Stil eines Dorfs erbaut

Sanierung und Umstrukturierung des Exerzitienhauses Johannisthal in Windischeschenbach

Nach sieben Jahren Planung und Umbau wurde das Exerzitienhaus Johannisthal im vergangenen Juli offiziell seiner Bestimmung übergeben. Rudolf Voderholzer, Bischof von Regensburg, weihte die neue Kirche und segnete den geistlichen Ort im Norden des Bistums Regensburg.
Wie ein Dorf ist die Anlage des umgebauten Exerzitienhauses Johannisthal in Windischeschenbach gegliedert: Um den offenen Platz herum gruppieren sich Kirche, Speisesaal und Wohntrakte sowie die Seminarräume. Das Ensemble besteht aus vier Häusern, die zwischen 2010 und 2014 in zwei Bauabschnitten modernisiert und renoviert wurden. Die Bruttogeschossfläche beträgt 8300 Quadratmeter, der Bruttorauminhalt 31 800 Kubikmeter. Die Gebäude der ehemaligen Glasschleife und die Zweckbauten des 20. Jahrhunderts bilden nach dem Umbau einen zukunftsfähigen Beherbergungsbetrieb.
2007 waren die Planungen zu dem geistlichen Zentrum des Bistums Regensburg in der nördlichen Oberpfalz angelaufen. Die Maßnahme hat insgesamt knapp 18 Millionen Euro gekostet. Die Diözese setzt mit dem Exerzitienhaus ein bewusstes Zeichen für die Region und die Menschen, die dort leben und arbeiten. 14 Menschen haben hier einen Arbeitsplatz. Andreas Meier, Landrat des Landkreises Neustadt an der Waldnaab, spricht von einer „ganz tollen Einrichtung“. Vor seiner Wahl ins Amt des Landrats hatte er bereits als Bürgermeister von Windischeschenbach die Planung und den Bau über Jahre hinweg begleitet. „Das Geld ist gut angelegt, weil es den Menschen zugutekommt“, sagt der Landrat.

Baumaterial aus der Gegend


Nicht nur die Anordnung im Stil eines Dorfs der Oberpfalz verdeutlicht die Verbundenheit mit der Region. Ein erheblicher Teil der Baumaterialien wie der Granit und das Holz kommen aus der Gegend. Granit, Holz, Putz und Glas weisen auf die Zugehörigkeit des Ensembles zur Oberpfalz hin. Architekt Peter Brückner erklärt: „Die Materialien sind einfach, aber wertig, schlicht, aber präzise gefügt. Sie sprechen wie die Architektur eine einfache Sprache und können vor dem Morgen bestehen.“
Die Typologie der Architektur entspreche der von Bauernhäusern oder Scheunen der nördlichen Oberpfalz. Brückner weiter: „Diese Gebäude sind unsere unverwechselbare architektonische Antwort für diesen speziellen Ort.“
Allein die Fassade der Kapelle besteht aus 600 Quadratmetern Naturstein. Die Oberflächen sollen den einfachen und klaren Charakter der Anlage unterstreichen. Die größtmögliche Anzahl, konkret 80 Prozent der am Bau beteiligten Firmen und fast alle Planer bei diesem Bauvorhaben, stammt aus der Oberpfalz. Die Architekten sind Peter und Christian Brückner aus dem gleichnamigen Büro in Tirschenreuth und Würzburg.
Haus Johannisthal liegt im Naturschutzgebiet Waldnaabtal an einem stillen Ort der Schöpfung. Auch deshalb wurde auf eine gute Energiebilanz geachtet, ein Nebenarm der Waldnaab betreibt das hauseigene Wasserkraftwerk. Bis ins 20. Jahrhundert hatte die gewonnene Wasserenergie dazu gedient, das Glas zu schleifen und zu polieren. „Heute kommen Menschen hierher, die intensiver geistlich begleitet werden wollen, weil sie vielleicht mehr Fragen haben, was ihren persönlichen Lebensweg angeht, weil sie sich intensiver mit Gott auseinandersetzen wollen, weil sie auf der Suche sind.“ Das sagt der für die Einrichtung zuständige Regensburger Domkapitular Thomas Pinzer.
Ein Schwerpunkt des geistlichen Hauses wird die Seelsorge sowie Begleitung der Eheleute und Familien sein. Und Bischof Voderholzer nennt die Vorzüge eines solchen abgeschiedenen Ortes: „Man kann sich auf das Wesentliche konzentrieren.“ Außerdem werde durch die umgebende Natur, die Schöpfung Gottes erfahrbar. Architekt Brückner stellt in diesem Zusammenhang fest: „Die Menschen, die nach Johannisthal kommen, sollen die Natur bewusst erleben können und von der Natur begleitet werden. Die Architektur in Verbindung mit der Natur soll den Menschen Halt geben.“

Teile wurden abgetragen


Bereits 1848, im deutschen Schicksalsjahr des 19. Jahrhunderts, waren die zwei Gebäude errichtet worden, zwischen denen sich bis heute der Mühlgraben erstreckt. 100 Jahre später, 1948, wurde die Glasschleife in eine Stätte des geistlichen Lebens umgewandelt. Bis vor kurzem wirkten Mallersdorfer Schwestern an diesem Ort. Diese Epoche ist nun allerdings zu Ende gegangen. Seit der Zeit kurz nach dem Zweiten Weltkrieg sind viele Tausend Menschen hierher gekommen, um Besinnung zu finden, aber auch ihren katholischen Glauben zu stärken.
In den 1960er und 1970er Jahren waren dann die weiteren Bauten entstanden, die massiv in den Charakter des Orts eingriffen. 2007 schließlich begannen die Planungen für die Umgestaltung des Orts, der vielfältige Begegnungen mit Gott, Mensch, Natur und mit sich selbst ermöglichen soll. Teile der Anlagen wurden abgetragen, neue Gebäude sind entstanden. Die Häuser gruppieren sich um eine imaginierte Dorfmitte, die von der neugebauten Kirche überragt wird. Sie ist das Herz des Orts und ein weiterer Kirchenneubau im Bistum. Patron der Kapelle ist, passend zum Ortsnamen, der heilige Johannes der Täufer. Als Bischof von Regensburg hatte Gerhard Ludwig Müller den Ausbau des Exerzitienhauses Johannisthal als Beitrag zur Stärkung der Oberpfalz beschlossen. (Veit Neumann)

(Blick in einen Aufenthaltsraum, ein Zimmer und einen Seminarraum - Fotos: Bistum Regensburg)

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