Bauen

Der Neubau an der Falkenbergerstraße. (Foto: www.Heinl-Foto.de)

07.11.2014

In Tirschenreuth entstand ein Neubau für das Amt für Ländliche Entwicklung

Wohltuender Kontrast zur Gewerbearchitektur

Nach der Revitalisierung von Brachflächen auf dem ehemaligen Bahnhofsgelände in Tirschenreuth werden zur Stärkung des ländliches Raums zwei Bauvorhaben des Freistaats Bayern realisiert, der Neubau des Amts für Ländliche Entwicklung (ALE) Oberpfalz und der Neubau der Polizeiinspektion Tirschenreuth. Die zuerst, am 6. Dezember 2012, fertiggestellte Baumaßnahme auf dem Gelände war das neue Amt für Ländliche Entwicklung Oberpfalz in der Falkenberger Straße.
Im Juni 2010 erhielt das Staatliche Bauamt Amberg-Sulzbach den Planungsauftrag zur Vorbereitung und Durchführung der Ausschreibung für den Neubau eines Verwaltungsgebäudes für 150 Mitarbeiter auf einer Bruttogeschossfläche von 5800 Quadratmetern für das Hauptgebäude und 330 Quadratmetern für das Nebengebäude. Auf dem 9000 Quadratmeter großen Grundstück waren außerdem die Außenanlagen mit 100 Kfz-Stellplätzen und zehn Garagen zu realisieren. Trotz der einschränkenden Vorgaben des Landwirtschaftsministeriums, das Gebäude mit einem Kostenrahmen in Höhe von 8,5 Millionen Euro in den wesentlichen Teilen als Holzbau zu errichten, konnte das Staatliche Bauamt Amberg-Sulzbach das Projekt erfolgreich realisieren.
Als Ausschreibungsverfahren wurde ein Verhandlungsverfahren mit vorgeschaltetem Teilnahmewettbewerb durchgeführt. Der Ausschreibung mit einer Leistungsbeschreibung mit Leistungsprogramm wurden ein detailliertes Raumbuch und eine ausführliche Beschreibung der Funktionszusammenhänge beigelegt. Um bei der Wertung größtmögliche Objektivität zu gewährleisten, hat das Bauamt die Beurteilung der beiden „weichen“ Kriterien „Gestaltung“ und „Funktionalität“ einem Gremium mit Beteiligung Nutzer, interner und externer Fachleute übertragen.
Der Preis wurde nur mit zehn Prozent und die übrigen Kriterien – wie technischer Wert, Ökologie, Gestaltung, Funktionalität – mit 90 Prozent der erreichbaren Wertungspunkte gewichtet. So entstand ein Qualitäts- anstatt eines reinen Preiswettbewerbs. Die Firma Markgraf aus Bayreuth überzeugte mit dem wirtschaftlichsten Angebot und erhielt den Zuschlag. Für den Holzbau arbeitete der Generalübernehmer mit der schwäbischen Holzbaufirma Gumpp & Maier zusammen. Die Planung oblag dem Architekturbüro SHL, Lehner, aus Weiden.

Langgestreckte,
ruhige bauliche Anlage


Der Entwurf zeigt einen zweigeschossigen Baukörper mit 73 Metern Länge und 40 Metern Breite. Die langgestreckte, ruhige bauliche Anlage stellt einen wohltuenden Kontrast zur Gewerbearchitektur der näheren Umgebung dar und schafft es, dem öffentlichen Raum entlang der Falkenberger Straße Kontur zu geben. Der Zugang zum Gebäude im Osten wendet sich dem Stadtzentrum Tirschenreuths zu.
Die innere Struktur des Verwaltungsgebäudes basiert auf dem zentral durchgesteckten Bereich Haupteingang mit zweigeschossigem Foyer, Innenhof und großem Sitzungs- beziehungsweise Speisesaal. Die Büros werden über Mittelflure an den parallelen Längs- beziehungsweise Querstangen der Anlage erschlossen. Die Fassaden des Gebäudes zeigen eindeutig den Holzbau, der das Selbstverständnis des Amts für ländliche Entwicklung als Teil einer „grünen“ Verwaltung mit der Zielsetzung des vitalen ländlichen Raums unterstreicht. Geschosshoch, versetzt angeordnete Holzstelen rhythmisieren die Fassade, stilisieren den Bezug zum Bauen im ländlichen Raum und geben der einfachen Struktur Licht und Schatten, Tiefe und Plastizität.
Die in einem warmen Rotton gehaltene Fassadenfarbe ist an die Farbgebung historischer Holzfachwerkhäuser der Region angelehnt. Bei der Wahl der Materialität und Farbgestaltung wurde insgesamt auf die Reduktion gesetzt: Böden im Hauptzugangs- beziehungsweise Sauberlaufbereich in Naturstein, Treppenläufe in Stahl mit Natursteinauflage, Nottreppen in Beton mit Kunststein, sämtliche Flure sowie Sitzungs- und Speisesaal in geöltem Industrieparkett, die Büros mit anthrazithfarbenem Linoleum und die Sanitärbereiche schlicht weiß und grau mit Fugenschnitt gefliest. Schließlich die Wände in den Büros weiß, holzsichtige, konstruktive Brettstapeldecken und Flurwände wiederum in Nadelholz.
Ökologie war bereits bei der Ausschreibung als wichtiges Wertungskriterium definiert worden. Der ausgeführte Entwurf verwendet den Baustoff Holz in seinen konstruktiven Teilen und auch in den Oberflächen. Das verbaute Holz stammt ausschließlich aus zertifizierter Forstwirtschaft. Durch die Beachtung des konstruktiven Holzschutzes bei der Fassade und die neuartige Beschichtung der Holzoberflächen auf mineralischer Basis wird erwartet, dass sich der Pflegeaufwand der Fassade im Bauunterhalt minimiert.

Auf dem Dach eine Photovoltaikanlage


Die Beheizung des Gebäudes erfolgt über eine Biomasseheizung mit Holzpellets. Der im Energieausweis errechnete Primärenergiebedarf liegt mit 82,2 KWh/m2a um etwa 32 Prozent unter den Anforderungen der Energieeinsparverordnung 2009. Eine PV-Anlage auf dem Dach mit einer Leistung von 10 kWp leistet darüber hinaus einen Beitrag zur Produktion erneuerbarer Energie. Schließlich wurde bei der Gestaltung der Außenanlagen auf die Versickerungsfähigkeit besonderer Wert gelegt.
Der Neubau des Amts für ländliche Entwicklung Oberpfalz wurde von Seiten der Staatlichen Bauverwaltung mit einem Generalübernehmer durchgeführt. Das angewendete Verfahren ist nach der Erfahrung an bestimmte Rahmenbedingungen gebunden, wenn es erfolgreich eingesetzt werden soll: Die Projektgröße muss in einer angemessenen Relation zu der für die Baufirmen aufwendigen Angebotsbearbeitung stehen. Um wirtschaftliche Potenziale auf Bieterseite auszuschöpfen, muss einerseits der Fokus des Projekts auf der Funktionalität des Gebäudes, den Kosten und den Terminen liegen. Aspekte der Gestaltung laufen sonst Gefahr, ins Hintertreffen zu geraten. Im Fall Tirschenreuth ist dieser Spagat gelungen, was zum einen am initiierten Qualitätswettbewerb und zum anderen am großen Engagement und Teamgeist der beteiligten Personen auf Firmen-, Planer- und Bauherrenseite gelegen hat. (BSZ)

(Die Stahlskulptur Hand in Hand von Jeff Beer am Haupteingang; das Foyer am Eingangsbereich und der Flur zum Sitzungssaal; aus dem Innenleben des Neubaus - Fotos: www.Heinl-Foto.de)

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