Bauen

Josef Poxleitner. (Foto: OBB)

28.02.2014

"Kommunen als Mobilisierer"

OBB-Kolumne: Josef Poxleitner, Leiter der Obersten Baubehörde (OBB), über das Erfolgsmodell "Ort schafft Mitte"

Am 28. November 2013 konnten wir im Rahmen der jährlichen Fachtagung der Städtebauförderung in Freyung den erfolgreichen Abschluss unseres Modellvorhabens „Ort schafft Mitte“ feiern. Vor rund 300 Teilnehmern stellte Staatsminister Joachim Herrmann persönlich den Abschlussbericht des Modellvorhabens der Öffentlichkeit vor. Er dankte dabei den Modellkommunen für ihr außerordentliches Engagement während der dreijährigen Laufzeit des Modellvorhabens. Ziel des im Jahr 2010 von der Obersten Baubehörde ins Leben gerufenen Modellvorhabens war es, Verfahren und Förderinstrumente zu entwickeln, um innerörtliche Leerstände und Brachflächen in ländlichen Gemeinden nachhaltig zu beseitigen. Zwölf Kommunen haben in zehn Modellprojekten erprobt, wie strategisches Leerstandmanagement in Ortsmitten gelingen kann. Fünf Handlungsfelder sind dabei für eine erfolgreiche Ortsmittenbelebung von besonderer Bedeutung:
– Konsequente Innenentwicklung: Angesichts der demographischen Entwicklung wird es zukünftig darauf ankommen, wichtige örtliche und überörtliche Funktionen in die Ortsmitte zurückzuholen. Eine konsequente Umsetzung der Planungsleitlinie „Innenentwicklung vor Außenentwicklung“ und eine zukunftsfähige Aufwertungsstrategie sind wichtige Schritte, um Investoren von der Konkurrenzfähigkeit innerörtlicher Standorte zu überzeugen. Der Modellkommune Schrobenhausen ist es mithilfe einer umfassenden Existenzgründungsberatung und einem Geschäftsflächenprogramm gelungen, zahlreiche leerstehende Einzelhandelsflächen in der Innenstadt durch Geschäftsgründungen neu zu beleben.

Aktivierung
brach liegender Flächen


– Städtebauliche Neuordnungskonzepte: Innerörtliche Brachflächen bieten neben Problemen auch immer die Chance, neue Qualitäten in unseren Ortsmitten zu schaffen. Städtebauliche Neuordnungskonzepte sind ein wichtiger Schlüssel, diese nutzbar zu machen. In einem kooperativen Planungsprozess mit den Grundstückseigentümern ist es beispielweise der Modellkommune Mertingen gelungen, große brachliegende Flächen in der Ortsmitte zu aktivieren. Ein örtliches Großunternehmen konnte für die Idee gewonnen werden, seinen Verwaltungssitz anstatt auf der grünen Wiese mitten im Ortskern zu errichten.
– Kommune als Vorbild: Struktureller Leerstand in Ortsmitten ist in der Regel eine Folge Nachfrage geschwächter Märkte. Kommunen sind deshalb gefordert, in eine lebendige Ortsmitte zu investieren. Neben Handel und Gewerbe braucht es auch kommunale Angebote wie zum Beispiel die „Spielscheune“ in Röttingen, die als neuer Treffpunkt für Kinder und deren Eltern zum Besuch in der Ortsmitte einlädt.
– Kommunen als Mobilisierer: Zur erfolgreichen Belebung der Ortsmitte ist es wichtig, dass sich Kommunen im Kontakt mit Eigentümern und potenziellen Investoren aktiv an der Entwicklung von Leerständen und Brachflächen beteiligen. Der im Rahmen des Modellvorhabens erstmalig erprobte kommunale Grundstücks- und Entwicklungsfonds bietet dabei die Möglichkeit, durch Zwischenerwerb und Grundstücksneuordnung den Eigentumsübergang wesentlicher Schlüsselimmobilien in Richtung investionsbereiter Investoren zu erleichtern.
– Investitionsmöglichkeiten in Ortsmitten schaffen: Gerade in nachfrageschwachen Räumen sind Lösungen für die Belebung der Ortsmitten von Investoren abhängig, für die Rendite nicht das einzige Anlagemotiv darstellt. Eine große Chance besteht darin, Bürgerinnen und Bürgern Möglichkeiten zu bieten, ihr Geld vor Ort in ihrer Heimatkommune zu investieren und dabei zugleich „sinnstiftend“ etwas für die Ortsmitte zu tun. Neben dem investitionsbereiten Einzeleigentümer kommen dabei auch Konzepte infrage, welche das Kapital Einzelner bündeln, wie zum Beispiel Stiftungen oder innerstädtische Immobilienfonds, wie sie in den Modellkommunen Kemnath oder Freyung erprobt wurden.
Der Erfolg von „Ort schafft Mitte“ ist eng mit dem außerordentlichen Engagement der Modellkommunen und ihrer Bürgerinnen und Bürger verbunden. Unser Modellvorhaben belegt, dass auch abseits prosperierender Räume mit Unterstützung der Städtebauförderung die städtebauliche Erneuerung von Ortsmitten gelingen kann.
Der Abschlussbericht des Modellvorhabens „Ort schafft Mitte“ und weitere Informationen zum Modellvorhaben sind im Internet unter www.ortschafftmitte.de abrufbar.

(Die "Spielscheune" in Röttingen - Foto: Stadt Röttingen)

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