Bauen

Eine Straßenleuchte mit LED-Leuchtmitteln. (Foto: Wraneschitz)

21.01.2011

LEDs liegen im Trend

Die Zukunft der Straßenbeleuchtung

Leuchtdioden: Fast allerorten werden in Pilotprojekten, Modellversuchen, einzelnen historischen Laternen von Gemeinden oder Hochschulen mit LED Straßenzüge oder große Plätze beleuchtet. Noch ist nicht immer und überall das elektronische Leuchtmittel die optimale Lösung aller Lichtprobleme. Doch die LED-Leuchte wird immer besser. Und mit Solarantrieb ist sie heute sogar schon eine echte Alternative – zumindest in Süddeutschland.
„In der Grillparzerstraße, einer Wohnstraße in Darmstädter Stadtteil Arheilgen, wurden LED-Straßenleuchten modernster Technik installiert.“ Genau zwei Jahre sind vergangen, seit die TU Darmstadt mit dieser Presseinfo große Resonanz erzeugte. Sogar die ZDF-Drehscheibe interessierte sich für diese kleine, mit Leuchtdioden bestrahlte Nebenstraße. Denn hier wurden „europaweit erstmals LED-Leuchten mit Leuchten bisheriger Technik messtechnisch und durch Testpersonen unter realen Bedingungen verglichen“, sagte TU-Projektleiter Professor Tran Quoc Khanh damals zum Sinn des Ganzen.

Ein Leuchtenkataster erstellen lassen


Und Dieter Wenzel, Darmstadts Bau- und Verkehrsdezernent erklärte vorsichtig: „Bei gutem Erfolg ist das für uns der Einstieg in eine Zukunftstechnologie der Straßenbeleuchtung.“ Doch noch wird nicht jede neue Darmstädter Leuchte mit LED bestückt. Denn Khanh fasste das Ergebnis so zusammen: Es „ist davon auszugehen, dass man in der nächsten Zeit ... den Durchbruch einer nachhaltigen LED-Straßenbeleuchtung ... erleben wird.“
Doch inzwischen wurden die zurückhaltenden Darmstädter links und rechts überholt von großen und kleinen Städten der gesamten Bundesrepublik. Denn Khanhs Projektstart fiel mit dem großen Weltwirtschaftscrash zusammen. Die meisten Kommunen bangen seither ums Überleben, weil die Steuereinnahmen ausbleiben. Bürgermeister, Kämmerer und Stadträte suchen krampfhaft nach Einsparmöglichkeiten.
Bei der Straßenbeleuchtung wurden sie allerorten fündig. Und LEDs gelten scheinbar als das Allheilmittel gegen hohe Stromrechnungen. Dabei konstatierte Khanh eine „derzeitige rasante Entwicklung der LED-Technologie“. Wer heute schon in Leuchtdioden investiert, müsse sich klar sein, die Lichtausbeute neuer LED-Generationen werde noch stark steigen.
Derzeit liegen serienmäßige LEDs mit etwa 100 Lumen pro Watt (lm/W) Lichtausbeute auf dem Niveau der auch im Haushalt bekannten Leuchtstoffröhren und Energiesparleuchten. Deshalb sind heute Natrium-Hochdruckdampflampen für Straßenleuchten noch eine echte Alternative: Ihre Lichtausbeute ist mit bis zu 140 lm/W noch wesentlich höher. Doch das theoretische Potenzial der LED von über 220 lm/W wird im Labor mit knapp über 200 lm/W bereits fast ausgeschöpft. Es wird ständig die Effektivität der LEDs verbessert, weshalb sich auch große Lichtanlagenbetreiber intensiv mit LED beschäftigen. Beispielsweise der Netz-Dienstleistungsvertrieb der Stadtwerke Düsseldorf, für Planung, Bau und Betrieb von 60 000 Leuchten in der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt zuständig, wie Jörg Halbach erläutert.
In Düsseldorf sei die alte Lampe mit „Quecksilberdampf eigentlich kein Problem mehr. Schon Ende der 1990er haben wir den größten Teil ausgetauscht.“ Doch oft wurden nicht die kompletten Leuchten erneuert, sondern nur Vorschaltgeräte eingebaut, um Natriumdampflampen zu betreiben. Ganz pragmatisch sein Ansatz, weiteres Einsparpotenzial zu finden: „Je besser die Reflektoren, desto weniger Lampenleistung ist notwendig“, erläutert Halbach. Grundsätzlich gelte in seiner Stadt: Leuchtenaustausch nur dort, wo es sich lohne, wie bei Straßenumbaumaßnahmen oder bei stark überalterten Leuchten.
Sogar bei „historischen“ Ständern aus Gusseisen und bis zu 150 Jahre alt, ersetzen in Düsseldorf LEDs die alten Leuchtmittel. Anders als Natriumdampflampen machen LEDs „weißes Licht, womit Ältere besser zu recht kommen“, sagt Halbach.
Fakt ist laut Elmar Große Ruse, Energiereferent des Naturschutzbunds (NABU): Von heute vier Milliarden Kilowattstunden (kWh) Strom, die in Deutschland jährlich zu Licht werden, ließe sich die Hälfte einsparen. Statistisch kommt auf zehn Einwohner eine Straßenlampe. Das ergibt alleine bei einer 500 000-Einwohnerstadt ein Einsparpotenzial an Stromkosten von etwa zehn Millionen Euro jährlich.
Den Kommunen empfiehlt Ruse: „Zuerst ein Leuchtenkataster erstellen lassen, zum Beispiel durch Bauhofmitarbeiter. Das geht relativ einfach: Man muss nur wissen, welche Leuchtmittel sind drin, wie alt sind die Masten und ähnliche Dinge. Dann sehen Sie ganz schnell, wo der größte Sanierungsbedarf ist.“

Keinen Strom verbraucht
die kleine Gemeinde Ascha


Schneller zu neuen Lampen und Leuchten geht’s per Contracting – da braucht die Gemeinde kein Geld in die Hand zu nehmen, zumal es öffentliche Finanzierungshilfen für die Umstellung nur dann gibt, wenn bislang ganz alte Lichttechnik eingebaut ist. „In der Regel müssen entweder mindestens 70 Prozent der CO2-Emissionen reduziert werden“, steht in der immer noch existierenden Richtlinie zum „Klimaschutzprogramm“ der Bundesregierung. Das klappt, wenn Quecksilberdampf- gegen Natriumdampflampen ersetzt werden. Doch warum der Bund für solche eindeutig wirtschaftlichen Maßnahmen auch noch 25 Prozent Zuschuss zahlt, bleibt das Geheimnis der Regierung.
Überhaupt keinen Strom verbraucht übrigens die kleine Gemeinde Ascha in Niederbayern an einer Dorfstraße. Sieben solar versorgte Leuchten, installiert von der bisher als Solargestellproduzent bekannten Metallbaufirma Krinner, leuchten dort seit 2009. „In Süddeutschland sind Solar-LED-Leuchten heute auch beim Austausch konventioneller wirtschaftlich“, betont die Firma. Kein Wunder, dass sich Bürgermeister Wolfgang Zirngibl gegenüber Solarthemen.kom zufrieden äußert. Deshalb kommt auch an eine Durchgangsstraße, die zurzeit umgebaut wird, ebenfalls „solar versorgtes, weißes LED-Licht. (Heinz Wraneschitz)

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