Bauen

Der neue Rathausplatz bei Nacht. (Foto: Hans Lichtl)

13.12.2013

Licht als individuelles Merkmal der Gemeinde

Städtebauliche Entwicklung von Unterneukirchen

Man stelle sich vor: Eine langgezogene Gemeinde ohne Dorfzentrum wird von einer Bundesstraße in zwei Teile getrennt. Vor der Rathaustür rauscht der Verkehr vorbei und Kirche wie Friedhof liegen in einer unübersichtlichen Kurve. Dann wird die Straße in die Peripherie verlegt und plötzlich ergeben sich ganz neue Möglichkeiten der Dorfentwicklung.
So ist es in der Gemeinde Unterneukirchen geschehen. Die 3000-Seelen-Gemeinde, die auf halber Strecke zwischen Altötting und Trostberg liegt, hat die Chance genutzt und mit Hilfe der Städtebauförderung „Kleinere Städte und Gemeinden“, einem Projekt des Bundesverkehrsministeriums, auf einem ehemaligen Feld einen Dorfplatz errichtet, mit einem flankierenden Büro- und Geschäftshaus und einem ungewöhnlichen Lichtkonzept.
Mit der Rahmenplanung im Zuge der Verlegung der Straße befasste sich ein Ortsplanungsbeirat, mit der Gestaltung wurde der Architekt Gerhard Bichler beauftragt, die Lichtkonzeption stammt von Johann Lichtl. In der Leuchtenmanufaktur Bergmeister ist das Konzept der Solitärleuchten mit den flexiblen LED-Lichtbühnen entstanden.

Lichtkonzept mit vertikaler und horizontaler Gliederung  

Georg Heindl, Bürgermeister der Gemeinde, lässt an seiner Freude über die Dorfentwicklung keinen Zweifel: „Ein Ortszentrum ist was ganz Neues für uns.“ Erst vor wenigen Tagen wurde der letzte Stein verlegt. Heindl konnte jeden einzelnen Baufortschritt von seinem Dienstzimmer aus verfolgen, denn der neue, nahezu quadratische Dorfplatz liegt ausgebreitet vor dem Rathaus. „Am Abend strahlt der Platz in einem wunderbaren Licht“, so beschreibt der Bürgermeister den Ort, der als Fußgängerzone, kultureller Treffpunkt und Festplatz dem Gemeindeleben künftig eine innere Mitte geben soll.
Dass Heindl ausgerechnet die Lichtgestaltung hervorhebt, hat damit zu tun, dass ihm als gelernter Elektriker vor allem die Umsetzung einer modernen Stadtbeleuchtung am Herzen lag. Er wünschte sich für den neuen Platz eine LED-Beleuchtung, die sich funktionell an unterschiedliche Bedürfnisse anpassen lässt.
Der Architekt Gerhard Bichler entwarf den neuen Platz als viergeteiltes Carré mit einer Befestigung aus Natursteinen. Für die vertikale Gliederung sorgen der Brunnen, die von unten mit Hochleistungs-Bodenstrahlern beleuchteten Kastanienbäume und die vier Solitärleuchten der Manufaktur Bergmeister.
Auch bei der Lichtgestaltung des Platzes haben Architekt und Lichtplaner auf vertikale und horizontale Spielarten zurückgegriffen. Der vertikale Eindruck entsteht durch den Wechsel der Strahlrichtung des Lichts nach oben und nach unten, der horizontale Eindruck ergibt sich durch die Aufteilung der Platzfläche in hellere und dunklere Bereiche.
Dem optischen Gesamteindruck hatte sich die Gestalt der Solitärleuchten zu unterwerfen. „Wir wollten klare und einfache Leuchtkörper, die nachts ein hervorragendes Licht geben, die sich tagsüber aber keinesfalls in den Vordergrund drängen“, so beschreibt der Architekt die Funktion der vier Leuchten. Diese bestehen aus schlanken Masten mit Lichtbühnen, die von einem Lichtpunkt in zehn Metern Höhe asymmetrisches und direktes Licht nach unten strahlen.
Das Besondere sind die Lichtbühnen, die statisch so konzipiert wurden, dass sie ohne Streben am Mast befestigt werden können. In der Anbindung der Ausleger war man darum sehr flexibel. Anzahl, Höhe und Drehfunktion der Bühnen und die Neigungswinkel des LEDs stimmten die Leuchtenbauer mit dem Lichtkonzept von Johann Lichtl ab.
Die Lichtbühnen können mit unterschiedlichen LEDs in verschiedenen Lichtstärken und Ausleuchtungswinkeln bestückt werden, bei Bedarf kann später auch noch nachjustiert werden. Der Clou: Jede einzelne Leuchte wird vom Rathaus aus gesteuert. „So was kann nur in einer Einzelanfertigung gemacht werden. Die Industrie könnte auf diese Sonderwünsche gar nicht reagieren“, sagt Tobias Eder, einer der Geschäftsführer der Leuchtenmanufaktur. Für ihn sind Projekte dieser Art Alltagsgeschäft, denn die Manufaktur Bergmeister hat sich vor 30 Jahren auf Sonderlösungen im Leuchtenbau spezialisiert.
Bürgermeister Heindl ist vom positiven Effekt der Lichtgestaltung überzeugt: „Mit den technisch sehr anspruchsvollen Leuchten unterscheiden wir uns von anderen Gemeinden.“ (Maria Weininger)

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