Bauen

Die Skiflugschanze in Oberstdorf hat Weltklasseformat. Ein Besuch lohnt sich nicht nur zu winterlichen Wettkampfzeiten. (Foto: Markt Oberstdorf)

01.09.2017

Lizenz zum Fliegen

Nach ihrem Umbau ist die Heini-Klopfer-Skiflugschanze bei Oberstdorf bestens gerüstet für die Skiflug WM 2018

Mit dem umfangreichen Umbau schließt die Heini-Klopfer-Skiflugschanze in Oberstdorf zu den weltgrößten Anlagen am Kulm (Österreich), in Vikersund (Norwegen), Planica (Solwenien) und Harrachov (Tschechien) auf. Ihre Kerndaten: 235 Meter Schanzengröße (Hillsize), 72 Meter Turmhöhe, 122,5 Meter Anlauflänge, Anlaufgeschwindigkeiten von über 100 Stundenkilometern.

Im Stillachtal, wo heute die Heini-Klopfer-Skiflugschanze steht, entstand erstmals 1950 eine Skisprung-Anlage nach dem Entwurf des Architekten und Skispringers Heini Klopfer. Die damalige Holzkonstruktion wurde 1973 durch eine moderne Anlage mit einem Sprungturm als frei auskragende Spannbeton-Konstruktion ersetzt. Bis heute gilt die architektonisch einmalige Schanze, die ausschließlich in Höhe des Absprungtisches mit Felsankern im Berg gehalten wird, als statische Meisterleistung. Architekt war der Oberstdorfer Claus-Peter Horle. Weitere Umbauten erfolgten 1997 bis 2007.

Der „schiefe Turm von Oberstdorf“ wie die Anlage auch liebevoll genannt wird, ist Imageträger nicht nur für das Allgäu, sondern auch für Bayern, ja für ganz Deutschland.

Im Juni 2014 erhielt Oberstdorf den Zuschlag für die Ausrichtung der FIS Skiflug Weltmeisterschaft 2018. Voraussetzung für die Durchführung der Wettkämpfe war der Umbau der Heini-Klopfer-Skiflugschanze. Das Zertifikat des Internationalen Skiverbandes FIS war 2013 ausgelaufen. Für eine Freigabe zum Skifliegen mussten das Schanzenprofil angepasst sowie Anlaufspur und Aufsprunghügel erneuert werden. Anstelle der alten Zweier-Sesselbahn sollte ein Schrägaufzug künftig für mehr Attraktivität sorgen. Zusätzlich gefordert waren ein neuer Kampfrichterturm und ein Aufwärmraum für die Athleten. Mit den Planungen zur Generalsanierung wurde der Architekt Hans-Martin Renn beauftragt.

Die ermittelten Baukosten beliefen sich auf rund 11,7 Millionen Euro. Die Spitzensportförderung von Bund und Land bezuschusste die Modernisierungsmaßnahme mit 90 Prozent. Für den Schrägaufzug als touristische Anlage gab es eine Förderung von 80 Prozent durch das Bayerische Wirtschaftsministerium. Den verbleibenden Eigenanteil tragen der Markt Oberstdorf und der Landkreis Oberallgäu je zur Hälfte.

Im April 2016 begann der Umbau der Skiflugschanze. Das Zeitfenster für die Arbeiten war knapp bemessen, denn im Februar 2017 trugen die besten Skispringer der Welt – sozusagen als Generalprobe zur Skiflug WM 2018 – bereits einen Weltcup in Oberstdorf aus.

Der untere Teil des Anlaufes und der Schanzentisch wurden auf einer Länge von 45 Metern abgebrochen. Der neue Schanzentisch ist 7,50 Meter zurück und fünf Meter höher gesetzt und als Stahlkonstruktion auf dem bestehenden Spannbetonbauwerk des Anlaufturmes aufgesetzt.

Am Schanzenkopf sind die Räumlichkeiten erweitert worden.

Das Profil des Aufsprunghanges ist neu modelliert und an die Anforderungen einer hangnahen Flugkurve angepasst. Der Auslaufbereich ist vergrößert und eine Tribünenanlage mit Geländestehplätzen errichtet worden. Für Großveranstaltungen kann diese temporär auf den umliegenden Geländeflächen erweitert werden. Die Baumaßnahmen umfassten zusätzlich Wasserversorgung und Beschneiung, Sprungrichterturm, Trainerpodest und Rettungswege.

Neu gebaut wurde ein moderner Panorama-Schrägaufzug, der die Sportler direkt an den Anlaufturm der Schanzenanlage befördert.

Bei den Arbeiten mussten viele Unwägbarkeiten bewältigt werden. So gab es geologische Schwierigkeiten bei den Arbeiten am Aufsprunghügel und am Schrägaufzug. Die Arbeiten an der frei auskragenden Spannbeton-Konstruktion waren eine statische Herausforderung.

Beim Zeitplan gelang eine Punktlandung, beim Finanzplan nicht. Die Mehrkosten von rund zwei Millionen Euro kamen zustande durch zusätzlich erforderliche Maßnahmen am Aufsprunghang, zeitliche Verzögerungen und die extrem angespannte Lage am Bausektor – für diverse Ausschreibungen gingen durch die hohe Auslastung der Firmen keine oder extrem hochpreisige Angebote ein. Über eine mögliche Nachförderung wird derzeit verhandelt.

Neues Betreiberkonzept

Um die Heini-Klopfer-Skiflugschanze das ganze Jahr über zu einem Besucherziel zu machen, wurde ein Konzept erarbeitet. Geplant sind dafür eine neue Gaststätte, Skiflugerlebnis mittels Virtual-Reality-Technik, Fotopoints, ein Themenweg und eine Zip-Line (Seilrutsche). Der Panorama-Schrägaufzug ist ebenso Teil dieses Konzepts.; die barrierefreie Kabine bietet 50 Personen Platz. (BSZ)

Abbildung: Die Skiflugschanze in Oberstdorf hat Weltklasseformat. Ein Besuch lohnt sich nicht nur zu winterlichen Wettkampfzeiten.    (Foto: Markt Oberstdorf)

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Kommentare (1)

  1. Oberstdorfer vor 2 Wochen
    Es ist nicht alles Gold was glänzt.
    Dass es beim Umbau dieser Millionenmaßnahme (Steuergelder) auch zu fragwürdigen Situationen kam, kann man beispielsweise hier nachlesen: http://www.uol-oberstdorf.de/aktuell/

    Keine Transparenz bei Mehrkosten für Skiflugschanze

    Augenwischerei im Rathaustelegramm

    Wer die Gemeinderatssitzung am 16.03.2017 im Sitzungssaal verfolgt hat, wird beim Lesen des Oberstdorfer Rathaustelegramm schnell zu dem Schluss kommen, dass auch diese Berichterstattung nicht vollständig ist und die sogenannte transparente Bürgerinformation auch hier deutliche Abstriche erfahren muss, da kritische Inhalte komplett verschwiegen werden.
    Diverse Gemeinderäte haben schon seit längerem einen offenen und transparenten Sachstandbericht zum Millionenprojekt „Skiflugschanze“ eingefordert. Dieser sollte in der Sitzung von den verantwortlichen Planern, Projektmanagern und Verantwortlichen der Verwaltung abgegeben werden.
    Im Rathaustelegramm wurde hierzu u. A. veröffentlicht:
    „Hier kam es im Zuge der Abwicklung zu unvorhersehbaren und unvermeidbaren Mehrkosten: Geologisch nicht erkennbare Bodenverhältnisse, statische Notwendigkeiten und einer angespannten Marktsituation in der Bauwirtschaft, was zu teilweise sehr hohen Submissionsergebnissen führte. Dies ergab eine Kostenüberschreitung von derzeit 1,6 Mio. Euro.“
    Tatsächlich wurde nur durch das Nachfragen weniger Ratsmitglieder in der Sitzung jedoch klar, dass u. A. Planungsfehler (die durchaus vermeidbar gewesen wären) zu diesen deutlichen Mehrkosten geführt haben, beispielsweise bei der Planung und Umsetzung des neuen Kampfrichterturms, welcher einen Flut-Lichtmasten zur Hangausleuchtung fast vollständig verdeckt. Niemand möchte hier Verantwortung übernehmen und somit werden auch diese Kosten beim Markt Oberstdorf hängen bleiben.
    Im Rathaustelegramm wird auch zur vollen Gänze verschwiegen, dass in der Sitzung deutlich gemacht wurde, dass zusätzlich noch eine „Mängelliste“, welche ein Ausfluss aus der Skiflugweltcup-Veranstaltung 2017 ist, aufgearbeitet werden muss. Die Kosten, welche hier z.B. zur Verbesserung des Sicherheitskonzepts entstehen werden, sind noch nicht abschätzbar!
    Obwohl dieser Maßnahmenkatalog zur Verbesserung der Anlage nicht bekannt gegeben wurde und der finanzielle und zeitliche Umfang der Maßnahmen noch gar nicht bekannt sei, verkündet Bürgermeister Mies im Rathaustelegramm: „Bis Mitte 2017 wird die Anlage fertig gestellt sein…“

    Die Gemeinderäte haben vor der Sitzung keinerlei Informationen zum Sachstand der Schanze bekommen, und konnten sich wieder nicht auf das Thema vorbereiten. In der Sitzung gab es lediglich ein DIN-A4-Blatt mit winzig kleinen Balkendiagrammen, welche jedoch keinen Aufschluss über die tatsächlichen Mehrkosten gaben. Eine detaillierte Aufschlüsselung, an welcher Stelle die Mehrkosten wirklich entstanden sind, blieb den Gemeinderäten vorenthalten

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