Bauen

Das Kultur+Kongress Forum wurde in nur 25 Monaten Bauzeit fertiggestellt. (Foto: Hans Baumgartner)

08.02.2013

Luftige Architektur

Neues Kultur+Kongress Forum in Altötting eröffnet

Alle pilgerten nach Altötting – sogar Vertreter aus den Partnerstädten in Italien und Polen kamen, und Ministerpräsident Horst Seehofer reiste gar aus dem fernen München an, als am 10. Januar 2013 das ehrgeizige Projekt der Stadt, das neu errichtete Kultur + Kongress Forum, seiner Bestimmung übergeben wurde. Mit einem Festakt und 300 geladenen Gästen aus Politik, Verwaltung, Kirche und Gesellschaft wurde die Fertigstellung gefeiert. Bei einer ersten Konzertveranstaltung begeisterten LaBrassBanda-Chef Dettl und das Grassauer-Blechbläser-Ensemble mit einer gelungenen Kombination aus Rock- und Blasmusik das Publikum im ausverkauften Raiffeisensaal, der damit auch seine Feuertaufe als Konzertsaal bestand. Ein umfangreiches Programm mit 200 lokalen Akteuren lockte am Tag darauf beim Tag der offenen Tür 5700 Besucher an.
Das Forum ist mit Kosten von rund 16 Millionen Euro das größte Bauvorhaben der jüngeren Geschichte Altöttings und bietet mit großzügigem Foyer und Multifunktionssaal Raum für Tagungen, Messen, Konzerte, Ausstellungen – und das örtliche Vereinsleben. Das Projekt gilt als „Leuchtturm für die Region“ und „zeugt vom Willen der Staatsregierung, die Regionen außerhalb der Ballungsräume nachhaltig zu stützen und zu fördern“, so Ministerpräsident Seehofer bei seiner Festrede. Sieben Millionen Euro steuerte der Freistaat aus Mitteln der Wirtschaftsförderung (RÖFE) für eine „touristische Infrastruktureinrichtung“ bei, eine Million kam aus dem Bund-Land Städtebauförderungsprogramm „Aktive Zentren“; eine weitere Million stellte die „VR meine Raiffeisenbank Altötting-Mühldorf“, weitere 600 000 Euro ein nicht namentlich genannter, privater Spender zur Verfügung.
Der Weg hin zu diesem Event war zwar kurz, aber nicht einfach. Bürgermeister Hofauer, sein Stadtrat und die anderen Akteure bewiesen Mut, Kraft und Durchsetzungsvermögen. Es war ein wahrer Glücksfall, dass die Stadt 2006 eine innerörtliche Brachfläche erwerben konnte und damit die langjährige Standortsuche für eine Versammlungsstätte ein Ende fand. Die Problematik dieses zentral gelegenen Areals, wie auch des Wallfahrtsorts selbst, wird seitdem auf verschiedenen Planungsebenen bearbeitet und über Fördertöpfe der EU, der Bundesrepublik Deutschland und des Landes Bayern unterstützt und gefördert.
Durch die Aufnahme in ein passendes EU-Förderprogramm (EFRE) im Jahr 2008 wurde es möglich, die Brachfläche freizumachen und über einen Architektenwettbewerb ein städtebauliches Leitbild und eine geeignete Nutzung dafür zu entwickeln. Ein EU-weit ausgeschriebener Architektenwettbewerb zur Realisierung einer Stadthalle ergab im Januar 2009 bei 75 Teilnehmern als Siegerentwurf „Das stattliche Haus“ vom Münchner Architekturbüro Florian Nagler und der Berliner Landschaftsarchitektin Christina Kautz. Die Förderung dieser Baumaßnahme von Seiten der Wirtschaftsförderung resultierte aus der Überzeugung, dass die Stadt aufgrund ihres Bekanntheitsgrades die Chance nutzen solle, mit einem erweiterten Angebot in attraktiver Lage ihr Spektrum an touristischer Infrastruktur zu erweitern.
Mittlerweile war die Stadt 2008 in das neue Bund-Land-Programm der Städtebauförderung „Aktive Zentren“ aufgenommen worden. So konnten andere Vorschläge aus dem Wettbewerb, eine Tiefgarage und eine Parkanlage im Umfeld des historischen Panoramas, einer Art frühem Kino zur Schöpfungsgeschichte, baulich umgesetzt werden.

Mit dem Ensemble Kapellenplatz verknüpft


Mit wenigen gekonnten Eingriffen wurde das zentral gelegene Areal in denkmalgeschütztem Kontext gestaltet und mit dem Ensemble Kapellplatz verknüpft. Von der damit verbunden Aufwertung dieses innerstädtischen Bereichs profitieren nicht nur Touristen, sondern auch die Bevölkerung.
Mit der Beauftragung eines „Integrierten städtebaulichen Entwicklungskonzeptes“ wurden die vielschichtigen Themen der Kreisstadt Altötting, Wallfahrt – Tourismus – Einzelhandel – Denkmalschutz – Identität... von diversen Fachleuten bearbeitet und auch über verschiedene Aktivitäten in der Bürgerschaft und bei den Gewerbetreibenden verankert.
So betrachtet, ist das neue „Kultur + Kongress Forum“ nur ein Baustein in einem Gesamtkonzept, das gemäß dem bayerischen Modellvorhaben „Leben findet Innenstadt“ eine Stärkung der Innenstadt verfolgt. Es gilt nämlich, für den international renommierten Wallfahrtsort und die Bürgerstadt eine nachhaltige und zukunftstaugliche Perspektive zu schaffen. Andere, bereits realisierte Bausteine sind die Sanierung der Bahnhofsstraße (barrierefrei und mit Blindenleitsystem), die Umfeldgestaltung des Panoramas und die Gestaltung des Zuccalliplatzes vor dem Forum – weitere Bausteine sollen noch folgen.
„Das stattliche Haus“ wurde in nur 25 Monaten Bauzeit und unter Einhaltung der veranschlagten Kosten fertiggestellt. Unter dem großen Schindeldach findet sich ein multifunktionaler Veranstaltungsraum mit maximal 935 Quadratmetern. Seine luftige Architektur, die sichtbare Dachkonstruktion und der lichthelle Charakter vermitteln ebenso wie das einladend gestaltete Foyer ein besonderes Raumerlebnis. Hohe Flexibilität der verschiedenen Räumlichkeiten sowie die akustische Raumausbildung garantieren eine Eignung für Veranstaltungen jeglicher Art und Größenordnung.
Für einen Beitrag zum Thema „Kunst am Bau“ konnte die Stadt Franz Ackermann gewinnen. Der international wirkende Künstler, der einst im Landkreis geboren wurde, hat sich die vier Treppenaufgänge des „weißen Hauses“ vorgenommen und mit Assoziationen eines fiktiven Stadtspaziergangs farbenfroh gestaltet.
Es scheint, dass Altötting um eine Sehenswürdigkeit reicher geworden ist: Unweit der schwarzen Madonna am Kapellplatz ist nun ein stattliches, weißes Haus zu besichtigen, zu besuchen und zu buchen. (Eva Steinkirchner)

(Der Eingangsbereich, der Raiffeisen-Saal und Fahnen vor dem Neubau - Fotos: Iven Matheis / Sepp Niederbuchner / Hans Baumgartner)

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