Bauen

Die Fassade des Neubaus mit dem Firmenlogo. (Foto: S+P Samson)

25.04.2014

Markante Metall-Glas-Fassade

Neubau von S+P Samson in Kissing

Das Unternehmen S+P Samson wurde 1978 als Hersteller von Etiketten für Produktauszeichnung gegründet. Die erste Maschine wurde in einem Mietgebäude in Puchheim bei München in Betrieb genommen. Einhergehend mit der Internationalisierung der Vermarktung führte das zu stetigem Ausbau des Standorts Puchheim. Dem waren durch die Größe und Beschaffenheit des Gebäudes Grenzen gesetzt. Langjährige Überlegungen in Richtung Standortwechsel konkretisierten sich durch die Teilnahme an einer Versteigerung von Maschinenteilen in Kissing bei Augsburg. Das nach einer Insolvenz einer Formulardruckerei leerstehende Gebäude war eine Chance für S+P, sich neu aufzustellen.
2001 zog die Firma in das vorher instandgesetzte Gebäude. Die Eckdaten: 10 000 Quadratmeter Grund, davon 5000 Quadratmeter überbaute Fläche mit Produktion als Hauptbestandteil, zwei Lagerhallen und einem Bürogebäude von rund 700 Quadratmetern Grundfläche.
Großzügigkeit in allen Räumlichkeiten war für die kommenden Jahre eine neue Erfahrung, die dankbar angenommen wurde. 2011 kamen verschiedene Diskussionen in Gang. Eine Werkstatt in einer Halle untergebracht, die Halle sanierungsbedürftig, zu wenig Büroraum – es galt eine Vorgehensweise zu entwickeln. Der Kontakt mit dem Planungsbüro T&O in München zeigte den Weg auf. Die Analyse der Firmenentwicklung bis zum Jahr 2021, der Entwicklung der verschiedenen Abteilungen, der Kommunikationswege und der Logistik war die Grundlage für ein Szenario 2021.
Die Anforderungen wurden in Workshops ermittelt und T&O übersetzte das in verschiedene Modelle, wie sich die Entwicklung in der Gebäudefrage widerspiegelt. Die Bewertung der Vorschläge nach Vor- und Nachteilen ergab ein Punkteraster, das eine Variante klar als Favoriten klassifizierte. Als umfassendes Layout für eine Gebäudeentwicklung wurde das noch nach Prioritätsstufen gegliedert und fertig war die Grundlage für ein neues Bürogebäude. Ein Nebeneffekt war, dass die Befragung zu den Kommunikationswegen das eine oder andere Konstrukt aufzeigte, wo sich Strukturen evolutionär entwickelt hatten, die zu überdenken waren.

Drei Vorschläge


Aller Anfang ist schwer und die erste Aufgabenstellung war, ein Konzept für ein neues Bürogebäude zu entwickeln. Ohne eine Auswahl unter verschiedenen Möglichkeiten ist eine Meinungsbildung nicht sinnvoll – und so wurde ein Architekturwettbewerb ausgelobt. Drei Vorschläge wurden erarbeitet, die so unterschiedlich waren, dass die Auswahl leicht fiel. Die Form sollte der Funktion folgen und der praktische Nutzen im Vordergrund stehen. Der Symbolhaftigkeit und der „fantastischen“ Formgebung in der äußeren Darstellung waren nicht zuletzt durch die Umgebung und den begrenzten Platzverhältnissen Grenzen gesetzt. Der pragmatische Ansatz und die Ausnutzung der Höhe mit vier Stockwerken gaben den Ausschlag für das Modell der Dobler Consult GmbH.
Im Vorfeld der Detailklärungen gab es mit dem Partner Dobler und durch verschiedene Kontakte durch die Hausbank und Partner eine Reihe von Besichtigungen, die helfen sollten, die Vorstellungen zu konkretisieren. Der Ansatz einer Pfosten-Riegel-Fassade und die voraussichtliche Nutzung von Grundwasser und Wärmetauscher für die Energieversorgung bildeten die Vorgabe, die es zu hinterfragen galt.
Als kritische Punkte in der Umsetzung moderner Gebäudetechnik wurden folgende Punkte festgestellt: Die Akustik im Gebäude und in den Räumen wird zu wenig beachtet; ineinandergreifende Techniken wie Lüftung und Heizung/Kühlung ist nicht konsequent ausgeführt. Die Folge: Nachbesserungen und ungenügende Zustände wie Temperaturen bis zu 30 Grad Celsius im Sommer trotz Kühlung.
Die Eindrücke der Besichtigungen bildeten die Basis für die Klärung der technischen Ausstattung. Eckpunkte für die technische Ausstattung waren große, helle und angenehme Büros, geringstmöglicher Energieverbrauch ohne Vernachlässigung der optimalen Arbeitsbedingungen, sowie die Trennung der Bereiche durch ein Sicherheitskonzept entsprechend der Zertifizierung nach AEO.
Durch die Metall-Glas-Fassade wurde eine Betonkernaktivierung als nicht ausreichend beschieden. Abgehängte Decken mit Wasserdurchführung und eine Lüftungsanlage sowie die moderne Beschattung in den Scheiben bildeten somit das Gerüst, die Versorgung mit Elektro- und Datenkabel durch Bodentank die Ergänzung. Entscheidende Fragen waren die getrennte Steuerung der Räume für die Heizung/Kühlung und die Art der Deckengestaltung aus Metallelementen oder Gipskarton. Die Lösung der Firma Rehau über Thermo-Gipskarton-Elemente bildete den optimalen Kompromiss in Zusammenhang mit der Schallabsorption und dem Energieeintrag. Der Verzicht von Decken-Beleuchtungselementen in den Büros schaffte die notwendige Fläche. In der aktuellen Übergangszeit zeigt sich, dass gleichzeitiges Kühlen an der Südfassade und Heizen an der Nordfassade unerlässlich für eine adäquate Raumtemperatur ist.
In der Phase der Ausstattungsverhandlungen zeigte sich in Diskussionen, dass es für die Fassade und für die Bodenbeläge und Wände kein übergreifendes Farbkonzept gab. Die Ausgestaltung und Farbgebung war im Prinzip durch den Architekturplan abgedeckt. Um auch hier Entscheidungsvarianten zu erarbeiten, wurde ein Fachberater für Gebäudegestaltung herangezogen – das Atelier Benad, München. Benad erarbeitete für alle Teilbereiche unter Einbeziehung des Corporate Images von S+P, der Umgebung und dem Erscheinungsbild Gestaltungsvorschläge.
Letztendlich führten die unterschiedlichen Konzepte nur vor Augen, dass eine schlüssige Berücksichtigung der genannten Parameter nur eine Auswahl zuließ, die es aber zu erarbeiten galt. Was mit der Fassade anfing, ging über die Wandfarben für verschiedene Bereiche und Farbkonzepte für Büros, mit Farbgestaltung der Büromöbel bis hin zu den Toilettenausstattungen. Im Nachhinein betrachtet ist es die Einmaligkeit, Durchgängigkeit und Stimmigkeit, die dem Gebäude die Identität geben. Und der Aufwand ist absolut vertretbar.

Gut Ding will Weile haben


Für die Inbetriebnahme gibt es eine einfache Gesetzmäßigkeit. Je komplexer die Technologie, umso länger dauert die Inbetriebnahme und umso mehr Zeit und Geduld ist erforderlich, um ein gutes bis sehr gutes Ergebnis zu bekommen. Gut Ding will Weile haben und das Bauen ist mit dem Einzug hier nicht erledigt.
Ein entscheidender Faktor ist die Automation essentieller Funktionen wie zum Beispiel der Beschattung. Die unterschiedlichen Befindlichkeiten der Mitarbeiter und der individuelle Umgang mit der Technik gilt es mit Automation so zu kombinieren, dass das Gebäude als Ganzes funktioniert.
Die Planung und die Inbetriebnahme sind heutzutage Schwerpunkte beim Bauen. Das Erstellen des Gebäudes an sich geht schnell vonstatten. Die Inbetriebnahme ist noch nicht abgeschlossen. Bereits jetzt lässt sich sagen, dass das geschilderte Konzept mit seinen Teilaspekten 100 Prozent der Erwartungen erfüllt hat. Die Ausrichtung auf ein Zeitfenster von mindestens zehn Jahren spiegelt sich in der Realität wieder. (BSZ)

(Der Neubau aus verschiedenen Perspektiven und der Blick in ein Büro - Fotos: S+P Samson)

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