Bauen

22.05.2015

Mehr Platz, besserer Workflow

Die Umbauarbeiten am Klinikum Aschaffenburg sind abgeschlossen

Freude und Erleichterung ließen sich fast mit Händen greifen: Mit einem fröhlichen Fest feierte das Aschaffenburger Klinikum im März 2015 den Abschluss der größten Baumaßnahmen in der 25-jährigen Geschichte des Hauses – nach fünf Jahren Bauzeit.
Auf einer Nutzfläche von fast 4000 Quadratmetern wurde in insgesamt fünf Einzelmaßnahmen erweitert, modernisiert und im Bestand umgebaut. Mit der Fertigstellung stieg die Bettenzahl im Gesamthaus von 685 auf 727 Betten und 26 teilstationäre Plätze. Verdoppelt hat sich die Zahl der Erwachsenen-Intensivplätze von vorher 32 auf 64. Davon finden sich 28 Betten in der neuen Intermediate Care Station, die es so vorher nicht gegeben hatte. „Damit sind wir gerüstet für die Aufgaben der Zukunft“, sagt die Geschäftsleiterin des Klinikums, Katrin Reiser.
Auslöser der umfassenden Erweiterungsbauten war die eklatante Raumnot auf den drei Intensivstationen und in der Notaufnahme. Über Jahre hinweg hatte das größte Krankenhaus in der Region Bayerischer Untermain im westlichen Unterfranken ein gutes Drittel mehr stationäre Patienten versorgt als im Jahr 1989, beim Einzug in den neu gebauten Klinikkomplex am Rand des Spessarts, vorgesehen waren.
Deutlicher noch zeigt sich der Patienten-Zuspruch im ambulanten Bereich. Im Nadelöhr Notaufnahme – geplant für 10 000 ambulante Patienten im Jahr – konnte auch mit der ausgegliederten Chirurgischen Ambulanz der Ansturm von 30 000 Patienten nicht länger in der erforderlichen Qualität bewältigt werden.
Der Ausbau hat die getrennten Bereiche wieder vereint. In der interdisziplinären Zentralen Notaufnahme stehen nun auf 1150 Quadratmetern Grundfläche zwei Schockräume, zwei Eingriffsräume und 18 Behandlungsplätze zur Verfügung, viele davon tageshell. Das großzügige Raumangebot und die dezente Farbgestaltung der Station in gedecktem Blau tragen zur professionell-ruhigen Atmosphäre bei.

Eins der Bettenhäuser
wurde aufgestockt


Mit dem Neubau einher ging eine Verbesserung der Abläufe. Erstmals wird die Notaufnahme durch einen eigenen Chefarzt geleitet. Zudem verfügt sie jetzt über zwölf eigene Aufnahmebetten. Nächtlich eingelieferte Notfall-Patienten werden hier bis zum nächsten Morgen versorgt, bevor sie endgültig auf eine Station verlegt oder nach Hause entlassen werden. Das verhindert Fehlbelegungen und multimorbide Patienten befinden sich während der Nacht unter ärztlicher Überwachung.
Vom Wartebereich für Patienten und Angehörige sind es nur wenige Schritte bis ins Freie oder zur Service-Zone in der völlig neu gestalteten Klinik-Eingangshalle. Vor dem Eingang locken Sitzbänke zu einem Sonnenbad, Brunnengeplätscher und eine moderne Stelengruppe laden ein, die Gedanken fließen zu lassen. Im Inneren bieten Kiosk, Kaffeebar und Frischetheke des Bistros und ein Restaurant Imbiss und Ablenkung.
Faktisch war, um Platz für die neue Notaufnahme zu schaffen, zunächst das ehemalige Klinikfoyer mit dem Charme der 1980er Jahre zu verlegen. Dafür wurde eines der vierstöckig in den Hang gebauten Y-förmigen Bettenhäuser aufgestockt. Neu entstanden ist so eine repräsentative Eingangshalle. Ein großzügiger Empfang heißt Besucher willkommen. Helle Holzwände mit opaken Glasfronten, dunkler Hartsteinzeugboden, gemütliche Sitzgruppen für Besucher erinnern eher an eine Hotellobby, denn an ein Krankenhaus. Fernseher und öffentliches W-Lan verbessern den Komfort. Vom Restaurant und dem Wartebereich vor den Ambulanzzimmern aus schweift der Blick weit bis zu den Häusern Aschaffenburgs und in die Hügellandschaft des Spessarts. Neu entstanden ist hier der rege genutzte Konferenzraum mit moderner Vortragstechnik, der bei Bedarf erweitert werden kann.
Auch beim Neubau der Pathologie paaren sich die Verdoppelung der Grundfläche auf 700 Quadratmeter und die deutliche Verbesserung des Workflows. Um die ursprüngliche Fläche der Pathologie den Intensivstationen zuzuschlagen, musste im ersten Obergeschoss neu gebaut werden. Nun gruppieren sich die Räume entsprechend der Arbeitsabläufe um zwei zentrale Flure. Das erlaubt den organischen Arbeitsablauf von der Entgegennahme der Gewebeproben bis zu deren Versendung. Helle, grün akzentuierte Wände schaffen auch hier eine angenehme Arbeitsatmosphäre.
Terracotta und freundliches Orange prägen optisch die neuen Intensivstationen. Von den funktionell ausgestatteten Stützpunkten sind die Einzel-Beatmungsplätze zentral zu überwachen. Besucher warten in bequemen Sitzmöbeln, bis sie zu ihren Angehörigen eingelassen werden.
17 Betten hält die Anästhesiologische Intensivstation vor, zehn die neurologisch-neurochirurgische und neun die medizinische Intensivstation. Den größten Bereich mit 28 Betten nimmt die neu eingerichtete Intermediate Care-Station ein; IMC-Betten fanden sich vorher über das Haus verteilt. 16 IMC-Plätze werden interdisziplinär genutzt, zwölf bilden die Stroke Unit, die Schlaganfalleinheit. Zusätzlich in den Ausbauplan mit aufgenommen und als letzte Maßnahme inzwischen auch abgeschlossen ist die Erneuerung des Herzkatheterlabors samt Komplettrenovierung der Medizinischen Intensivstation.

Umbau bei
laufendem Betrieb


„Ein Umbau im Bestand in den sensibelsten Bereichen und während des laufenden Klinikbetriebs ist eine große Herausforderung“, sagt der Technische Leiter des Klinikums, Hermann Kunkel. Zusätzlich hatten Untergrundprobleme zu Beginn der Arbeiten und Wetterkapriolen die Bauzeit spannend gemacht. Auch die, aufgrund der Dringlichkeit des Baus, sehr kurze Vorlaufzeit machte sich bemerkbar.
Bei ersten Planungen zum Jahresende 2007 begann schon im April 2008 die europaweite Architekten-Ausschreibung. Mit der Planung für die große Baumaßnahme beauftragt wurde das Architekturbüro Plischke-Lühring aus Aachen. Vier Wochen nach der fachlichen Billigung und der Förderzusage aus München wurde der erste Spatenstich gefeiert, durchgestartet wurde im Frühjahr 2010.
Dass derart umfangreiche Baumaßnahmen bei 54 beteiligten Firmen dennoch zu einem guten Ende führten, lag mit an der Konstanz, die neben den Projektsteuerern und der Geschäftsleitung das Team der Kliniktechniker einbrachte. „Auf das Ergebnis können wir richtig stolz sein“, sind sich die Aschaffenburger einig. (Dora Lutz-Hilgarth)

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