Bauen

Südwestansicht des neuen Hörsaalgebäudes. (Foto: Krabatsch)

28.09.2012

Mehr Platz zum Studieren

Neubau eines zentralen Hörsaalgebäudes der Hochschule Regensburg am Standort Seybothstraße

Der Standort Seybothstraße der Hochschule Regensburg bildet den nördlichen Abschluss eines seit den 1960er Jahren entlang einer zentralen Grünachse entstandenen Campusareals aus Klinikum, Universität und Fachhochschule.
Um einerseits die Auswirkungen des doppelten Abiturjahrganges in Bayern für das Jahr 2011 aufzufangen und andererseits den stetig steigenden Studierendenzahlen an ihrer Einrichtung mit weiteren räumlichen Kapazitäten zu begegnen, entschloss sich die Hochschule Regensburg im Jahr 2007, einen Bauantrag für den Neubau eines zentralen Hörsaalgebäudes mit insgesamt 1050 Sitzplätzen beim Wissenschaftsministerium zu stellen.
Der vom Regensburger Architekturbüro Manfred Blasch geplante Gebäudekomplex erweitert das bestehende Fakultätsgebäude für den Maschinenbau nach Süden und war bereits im Wettbewerbserfolg aus den frühen 1990er Jahren konzeptionell vorgedacht. Die Gesamtleitung für das Projekt mit seiner modernen Medienausstattung und der Barrierefreiheit für Studierende und Bedienstete hatte das Staatliche Bauamt Regensburg inne.
Die Baumassengruppierung des Entwurfs mit 21 562 Kubikmetern umbauten Raum und Gesamtkosten von acht Millionen Euro hatte sich an schwierigen städtebaulichen Vorgaben zu orientieren: Den Regensburger Hochschulcampus flankieren seitlich zwei Straßenzüge, die zukünftig durch eine tiefer gelegte Querspange verbunden werden sollen. Diese ursprünglich noch mit einem gekrümmten Verlauf geplante Trasse bedingte die gestaffelte südliche Front des 65 Meter langen neuen Gebäudes. Die drei Vollgeschosse und das Flachdach des Gebäudebestands waren als Vor-gabe ebenso zu berücksichtigen, wie die Freihaltung der zentralen Sichtachse auf dem Campus hin zu Dom und Altstadt.
Der Anfang 2011 rechtzeitig vor dem Semesterbeginn fertiggestellte Neubau mit 2125 Quadratmetern Hauptnutzfläche gliedert sich in zwei große Baukörper, wobei der östliche zwölf Hörsäle und Seminarräume sowie einen Besprechungsraum mit Nebenräumen, der westliche im Erdgeschoss drei große Hörsäle und in den oberen Geschossen Büros und Technikräume aufnimmt.
Während der östliche Teil direkt an den bestehenden Erschließungsgang des Maschinenbaugebäudes anknüpft, lässt die nach Süden verspringende Kontur des westlichen Hörsaalbaus genügend Platz für ein großzügiges, flexibel nutzbares Foyer. Dieses öffnet sich nach Westen – also zur zentralen Fußgänger- und Grünachse des Campus – mit einer vollständigen Aufglasung und schafft so großzügige Blickbeziehungen zwischen Innen- und Außenraum. Dies ist sowohl beim Herabsteigen der großen Foyertreppe erlebbar, als auch beim Betreten der schwebenden, den Luftraum des Foyers elegant kreuzenden Fußgängerbrücken, die zu den Büros über dem Hörsaaltrakt führen.
Das gestalterische Element der transparenten, baukörperhohen Glasfuge wiederholt sich noch einmal auf der Südseite und erlaubt so von Außen einen Durchblick durch das Foyer bis in einen der zahlreichen begrünten Bestands-Innenhöfe. Wo es möglich war, wurden auch bei den Hörsälen und den Bürofluren derartige Blickbeziehungen zwischen Innen und Außen geschaffen.
Der Hörsaaltrakt des flach gegründeten Neubaus wurde in Stahlbetonmassivbauweise als Linientragwerk mit frei spannenden Ortbetondecken konzipiert, wobei die Hörsaal- und Foyerwände in Sichtbeton Klasse 3 ausgeführt wurden.

Referenz an
die Bestandsbauten


Diese Qualität der Ausführung ist als eine gestalterische Referenzerweisung an die teilweise 40jährigen Bestandsbauten des Regensburger Universitäts- und Hochschulstandorts zu verstehen, deren Sichtbetonarchitektur geradezu ortsprägenden Charakter erlangt hat. Die Sichtbetonoptik der ebenerdig vom Foyer aus erreichbaren Hörsäle harmoniert in sich stimmig mit dem expressiven Blauton ihrer Klappbestuhlung.
Das Foyer überspannen Einfeldstahlträger mit Trapezblechen und Oberlichtern.
Die Fassade des westlichen Hörsaaltrakts besteht aus einer Betonwand mit Mineralfaserwärmedämmverbundsystem. Dieser Schicht ist eine Hülle aus demontierten Glasscheiben der ehemaligen Südfassade des Bestands-Maschinenbaugebäudes vorgeblendet. Zusätzlich wurden auf der Südseite optimal ausgerichtete, schräg gestellte Photovoltaikelemente über den horizontalen Fensterbändern integriert, die die Büros dahinter im Sommer zusätzlich verschatten.
Der nach Süden orientierte Seminartrakt ist ebenfalls überwiegend als Linientragwerk konstruiert, wobei die Trennwand-Schotten und die 28 Zentimeter dicken Decken als Betonfertigteile konzipiert wurden, deren massive Stärke als energetische Speichermasse herangezogen wird.
Die Fassade dieses Gebäudeabschnitts wurde als Stahl-Glas-Konstruktion in Sandwichbauweise mit Aluminiumjalousien realisiert, wobei die an hauchdünnen Stahlseilen abgehängten, vorgestellten filigranen Gitterroste den schwebenden Charakter des Foyers wieder aufgreifen.
Das Hörsaalgebäude, das über das Blockheizkraftwerk der Universität mit Fernwärme versorgt wird, besitzt Lüftungsanlagen mit effizienter Wärmerückgewinnung (mindestens 80 Prozent Wirkungsgrad) und erfüllt die Bauteilanforderungen der EnEV 2007 mit einer Unterschreitung um 30 Prozent, wodurch es sogar den Anforderungen der EnEV 2009 genügt.
Inzwischen haben unter der Federführung des Staatlichen Bauamts Regensburg die Bauarbeiten für eine Erweiterung der Hochschule im Norden des Maschinenbaugebäudes begonnen (so genannte Gebäude für die Technik), südlich – in Richtung Universität – entsteht ab 2013 ein Neubau für die Fakultäten Mathematik und Informatik.
So wird das Zentrale Hörsaalgebäude in Zukunft zu einem wichtigen strukturellen Bindeglied des expandierenden Hochschulstandorts Regensburg.
(Stefan Krabatsch)

(Im zentralen Hörsaalgebäude und der neue Hörsaal - Fotos: Hochschule Regensburg / Russ)

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