Bauen

Die generalsanierte Sommerresidenz. (Foto: Prokschi)

08.11.2013

Mit viel Augenmaß modernisiert

Generalsanierung der ehemaligen Kurfürstbischöflichen Sommerresidenz Eichstätt

Die Generalsanierung der ehemaligen Kurfürstbischöflichen Sommerresidenz Eichstätt – seit 1974 Verwaltungsgebäude der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt – ist nach mehrjähriger Bauzeit nun abgeschlossen, das Gebäude wieder seinem Nutzer übergeben.
Das barocke Gebäude wurde 1735 bis 1737 vom Graubündener Baumeister und Direktor des „Fürstbischöflich Eichstättischen Hofbauamtes“, Gabriel de Gabrieli, erbaut und gehört zu den bedeutendsten Denkmälern Eichstätts. Auf dem großzügigen, stadtauswärts liegenden Gelände ließ Franz Ludwig Schenk von Castell die Sommerresidenz sowie den südlich davon angegliederten Hofgarten errichten. Das spätbarocke Gebäude zeigt im Inneren – neben dem wertvollen Deckenfresko von Evangelist Holzer im Festsaal – bei der räumlichen Ausgestaltung elegante und filigrane Stuckarbeiten des frühen Rokoko.
Nach der Säkularisation im Jahre 1803 blieb das Gebäude zunächst im Besitz des damaligen Fürstbischofs, fiel dann an die Leuchtenbergs und danach an die Stadt Eichstätt. Von 1872 bis 1899 diente es als Kaserne und hatte bis zur Generalsanierung in der ersten Hälfte der 1970er Jahre eine bewegte Geschichte und war in einem teils veränderten und verwahrlosten Zustand.
Das Diözesanbauamt mit seinem Leiter Karljosef Schattner sanierte das Bauwerk von 1971 bis 1974 umfassend und übergab der damals noch jungen Universitätsstadt Eichstätt ein Verwaltungsgebäude mit klar ablesbarer Architektursprache der neuen Einbauten. Charakteristisch sind aus dieser Zeit die als kleine Büroeinheiten in beiden Seitenflügeln des Obergeschosses befindlichen „Raumkabinen“, die Podest- und Galerieeinbauten im Erdgeschoss sowie die Alu-Glas-Fassade in den ursprünglich offenen Wandelhallen der beiden Seitenflügel des symmetrisch aufgebauten Gebäudes.
Die 2008 zunächst nur wegen des als mangelhaft erkannten baulichen Brandschutzes betreffenden Eingriffe zeigten sich schnell als unzureichend und im laufenden Verwaltungsbetrieb nicht umsetzbar. Nach dreieinhalb Jahrzehnten intensiver Nutzung des Gebäudes entschloss sich der Bauherr – das Bischöfliche Seminar – und dessen Vertreter in bautechnischen Belangen – das Diözesanbauamt Eichstätt – das Gebäude umfassend zu sanieren und den zeitlichen Erfordernissen anzupassen.

Der Aufzug wurde unauffällig integriert


Wegen der hohen Auslastung des planenden Bauamts beauftragte man das ortsansässige Architekturbüro Collegiat Architekten, das seinen Schwerpunkt in der Sanierung denkmalgeschützter Bauwerke gesetzt hat, mit der kompletten Planung und Umsetzung der Maßnahme. Ein Vertrauensbeweis, der sich auch in der ausgesprochen guten Zusammenarbeit zwischen Bauherrenvertretung und Planungsbüro widerspiegelte.
Ausgangspunkt der Sanierung war das von dem Planungsbüro erstellte Brandschutzkonzept, das mit viel Augenmaß und Realitätssinn – wegen dem Sachverhalt eines zu prüfenden Sonderbaus – von dem darauf spezialisierten Ingenieurbüro PHIplan begleitet und geprüft wurde. Weitere Grundlagen bildeten die raumlufttechnischen und baubiologischen Untersuchungen, eine umfangreiche Bestandsuntersuchung und Berechnungen zur Energieeinsparung durch die beabsichtigten Maßnahmen.
Belange der Denkmalpflege und des Brandschutzes waren, um das Gebäude auch zukünftig weiterhin in gewohntem Umfang nutzen zu dürfen sowie Nutzerwünsche – die gewisse Veränderungen mit sich führen – zu berücksichtigen und mit allen Beteiligten abzustimmen. Es liegt in der Natur der Sache, dass alle Interessen und Anforderungen oft nur schwer und zur Zufriedenheit Aller umzusetzen sind. Als Konfliktpunkt mit dem Landesamt für Denkmalpflege erwies sich der gewünschte Einbau eines Personenaufzugs, der das Verwaltungsgebäude barrierefrei und behindertengerecht machen sollte, um auch das komplett neu gestaltete Dachgeschoss und den im Obergeschoss befindlichen Festsaal für Behinderte zugänglich zu machen.
Während sich der eingebaute Aufzug gänzlich zurückhält und sich in den Bestand unauffällig und nicht störend integriert, wurden mit der als zweiten baulichen Rettungsweg geforderten Treppe, dem neuen Dachausbau und mit der Wahl der eingebauten Brandschutztüren zeitliche wie gestalterische Akzente gesetzt. Vieles – das ist dem Denkmal geschuldet – ist jedoch im fertigen Zustand nicht, oder nur auf den zweiten Blick zu erkennen. So wurden zum Beispiel die kompletten und energetisch nicht mehr tragbaren Fenster aus den 1970er Jahren ausgebaut und erneuert, die Alu-Glas-Fassade in den beiden Arkadenbereichen in enger Abstimmung mit Karljosef Schattner durch eine neue und nahezu identische Konstruktion ersetzt und die Büroräume in diesem Bereich mit einer Fußbodenheizung versehen.
Komplett neu ist generell die gesamte Elektroinstallation inklusive der elektronisch gesteuerten Brandmeldeanlage, die Beleuchtungstechnik, das Datenleitungsnetz mit seinen rund 35 Kilometern Länge sowie die Heizungs-, Lüftungs- und Sanitärtechnik des Gebäudes. Von dem neuen Belüftungssystem für die bei den Angestellten nicht ganz beliebten und unter Denkmalschutz stehenden Raumkabinen erhofft man sich nun verbesserte Arbeitsbedingungen, die weiter durch Schallschutzfenster und Akustikdecke gefördert werden sollen.

Das Dachgeschoss
wurde ausgebaut


Einen Gewinn stellt sicherlich auch das neu ausgebaute Dachgeschoss dar. Das von Schattner bei der Sanierung in den 1970er Jahren eher stiefmütterlich behandelte Dachgeschoss mit seinen dunklen und akustisch wie energetisch schlecht abgegrenzten Büroräumen wurde gänzlich rückgebaut. Der Rückbau war auch wegen der umfangreichen Reparaturarbeiten im Dachstuhlbereich sowie wegen der brandschutztechnischen Ertüchtigung der Holzbalkendecken im Dachraum vonnöten.
Den Planern war es wichtig, das wenige und durch das auf die bestehenden Dachgauben begrenzte einfallende Tageslicht so gut als möglich zu nutzen. Man entschloss sich zu einer Glaswandlösung mit zwischen den Büroräumen Rücken an Rücken liegenden Schrankzonen. Die Schränke sind dreiseitig von der Glaswandkonstruktion umfasst, die für eine wechselseitige natürliche Belichtung der Büroräume sorgt. Die gewissermaßen als Solitär wirkenden Schrankzonen fungieren zusätzlich als Abgrenzung und Sichtschutz zu den benachbarten Büroräumen.
Erschlossen wird das Dachgeschoss neben dem neu eingebauten Aufzug nun von einem durchgehenden, vom Erdgeschoss bis ins Dachgeschoss reichenden Treppenraum, der alle Geschosse in einem Zug miteinander verbindet. Die beengte räumliche Situation an dieser Stelle forderte Architekten, Tragwerkplaner wie auch die ausführende Metallbaufirma gleichermaßen. Das Kirschholz der furnierten, nicht brennbaren Wandscheibenverkleidung der Treppe findet sich bei den Büroschränken im Dachgeschoss, wie bei den in Holz gefassten Brandschutztüren aus Glas wieder und ist deutliches und bauzeitlich gut einzuordnendes Erkennungsmerkmal der soeben abgeschlossenen Sanierung. (Werner Prokschi)

(Eine Fluransicht; Blick in ein Büro und der Festsaal - Fotos: Prokschi)

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