Bauen

Haus 7 des Klinikums Schwabing wurde umgebaut und saniert. (Foto: KBO-Isar-Amper-Klinikum)

29.11.2013

Moderne kubische Architektur

Umbau und Sanierung von Haus 7 des Klinikums München Schwabing

Auf dem Areal des Städtischen Klinikums München wurde mit dem Umbau und der Sanierung von Haus 7 die Errichtung einer psychiatrischen Vollversorgungsklinik mit 126 psychiatrischen Pflegebetten umgesetzt (Planung: Ludes Generalplaner, Berlin/München). Die kbo-Isar-Amper-Klinikum gemeinnützige GmbH ist zuständig für die psychiatrische Versorgung der Stadt München und der umgebenden Landkreise. Bisher wurde diese Versorgung überwiegend am Standort Haar erbracht, zukünftig ist im Rahmen eines Gesamtversorgungskonzepts der Aufbau von wohnortnahen Regionalkliniken geplant. Für diese Regionalkliniken ist es krankenhausplanerisch erwünscht, dass sie möglichst in unmittelbarer Nähe zu somatischen Kliniken angesiedelt werden.
Für die Versorgung der nördlichen Stadtgebiete und Landkreisgemeinden ist deshalb das Klinikum Schwabing als Standort ausgewählt worden. Hier betreibt das kbo-Isar-Amuper-Klinikum bereits ein Zentrum für Abhängigkeitserkrankungen (ZAK) mit 20 Betten und acht Plätzen. Derzeit sichert das Klinikum an sechs Standorten die psychiatrische Versorgung für München und das Umland.
Das von Richard Schachner entworfene Klinikum München Schwabing hat vor rund 100 Jahren seinen Betrieb aufgenommen. Das Gelände weist in seiner Gesamtstruktur eine starke Mittelachse auf, an der die Bettenhäuser pavillonartig angegliedert sind. Die ursprüngliche Gebäudesubstanz und damit die überwiegende Mehrzahl der Gebäude erfährt von Seiten des Denkmalschutzes eine besondere Würdigung. Darüber hinaus weist das Gelände einen beachtlichen Baumbestand auf. In den 1970er und 1980er Jahren wurde die Bestandsstruktur durch den Neubau von zunächst Nothilfe Kinderchirurgie, Zentraler Notaufnahme, später von Küche und nördlichem Funktionsbau ergänzt. Mit dem südlichen Funktionsbau (Haus 16) wurde 1999 die letzte Erweiterung des Geländes getätigt.
Der Altbau Haus 7 besteht aus fünf Ebenen, einem Untergeschoss, einem Erdgeschoss, einem 1., 2. und 3. Obergeschoss (Dachgeschoss), das im Mittelrisalit ausgebaut ist. Die daran anschließenden Bereiche sind nicht ausgebaut, hier sind die notwendigen haustechnischen Anlagen der Lüftungstechnik untergebracht. Die Sanierungsmaßnahmen des Dachgeschosses wurden auf ein Minimum beschränkt. Die Kellergeschossflächen werden voll genutzt.

Dreigeschossiges Bettenhaus


Das Schwabinger Krankenhaus steht unter Denkmalschutz. Das Gebäude Haus 7 wird auch zukünftig mit dem erfolgten Umbau für die Unterbringung der Pflegeeinrichtungen vorgesehen. Das dreigeschossige Bettenhaus mit einem Untergeschoss und einem teilweise ausgebauten Dachgeschoss wurde 1904 bis 1913 errichtet.
Das Gebäude wurde als verputzter Mauerwerksbau konstruiert. Die Decken wurden über dem Untergeschoss als Stahlbetondecke, über den weiteren Ebenen als Stahlbetonrippendecke mit Zwischenbauteilen aus Ziegeln errichtet. Die Sattel- und Walmdächer des Altbaus wiesen, entgegen einiger auf dem Gelände befindlicher Altbauten, eine einfache Holzkonstruktion und Ziegeldeckung auf.
Das Dach und die Dachdeckung wurden Ende der 1990er Jahre durch das Klinikum Schwabing saniert. Eine Wärme- und Kälteisolierung der Dächer wurde jedoch nicht umfassend ausgeführt (lediglich eine Isolierung der Bodenplatte mit lose aufgelegter mineralischer Wärmeisolierung). Als besonderes denkmalpflegerisches Merkmal wurden die Dachaufbauten der Lüftungskamine wahrgenommen. Diese waren zu schützen.
Das Haus befand sich allgemein in einem schlechten baulichen Zustand. Insbesondere mussten bei der optimierten Konzeption der Grundrisse in Teilbereichen die Decken ertüchtigt werden. Dies erfolgte im Wesentlichen durch den Einsatz von Stahlträgern, welche gegen Brand zu schützen und zu schotten waren.
Aufgrund einer vorliegenden statischen Voruntersuchung und dem Sachverhalt der unveränderten Nutzungen konnte der Bestandsschutz erhalten bleiben.
Im Zuge der fortgeführten brandschutztechnischen Untersuchungen und der geführten Abstimmungen mit der Branddirektion München, konnten unter der Maßgabe der deutlichen Verbesserung der Brandfrüherkennung und einer Verbesserung der Vorkehrungen zur Brandbekämpfung, einige unveränderbare bauliche Schwächen eindeutig kompensiert werden.
 Nachfolgend die wesentlichen notwendigen Sanierungsmaßnahmen des Bettenhauses: Sanierung der Putzfassaden durch Reinigung der Fassade; Verschließung vorhandener Risse und ein neuer Farbanstrich; Sanierung der Holzkastenfensterelemente durch Aufarbeiten und Neulackierung der äußeren sprossengeteilten Fensterfassade; Austausch der innenliegenden Flügel durch ein bestandsschonendes Demontieren und Ersetzen mit isolierglasgedämmten Flügeln. Hierbei wurden zuzüglich Sicherheitsaspekte einer psychiatrischen Einrichtung durch den Einsatz von bruchsicheren Gläsern berücksichtig.

Ertüchtigung
der Massivdecken


Erforderlich waren ferner: Optimierte Anpassung der Grundrisse an die zukünftigen Pflege- und Funktionsabläufe; Wahrung der vorhandenen tragenden baulichen Strukturen; Einbau von krankengerechten und teilweise behindertenfreundlichen Bädern in den Pflegezimmern; teilweise Ertüchtigung der Massivdecken; Einbau von zwei weiteren Treppenhäusern (2. Flucht- und Rettungsweg); Erneuerung der Boden- und Wandbeläge; Erneuerung der Innentüren sowie Erneuerung der gesamten technischen Gebäudeausstattung
Die Grundrisse beinhalten die Ausformung überschaltbarer Doppelstationen je Geschoss. Die aus den 1960er Jahren stammenden Erweiterungen der Bettenhäuser an der Ostfassade, wurden grundrisstechnisch optimiert. Das statische System mit zwischen der Außen- und der Flurwand gespannten Decken, ermöglichte einen weitestgehenden Ausbau mit Trockenbau. Die Erweiterungsbauten wurden ebenfalls unterkellert. Die vorhandene Böschungssituation wurde erhalten, um die Räume im Untergeschoss vollwertig zu nutzen. Der Anbau wurde gestalterisch vom Altbau farblich abgesetzt und nuanciert. Die Fassade erhielt an dieser Stelle einen Vollwärmeschutz. Die Fassade des Altbaus wurde auf seinen Ursprung zurückgeführt. Die in Teilbereichen gestörten Fensteröffnungen wurden wieder hergestellt.
Die bestehenden giebelseitig vorgesetzten Betonbalkone aus den 1960er Jahren waren baufällig und wurden abgetragen. Hier entstanden an der Nord- und Südseite je ein gläserner Wintergarten mit dahinterliegenden Patientenaufenthaltszonen, auch mit einem Bereich für Raucher.
Die mit Glas- und Holzlamellenelementen sowie textilen Behängen ausgestatteten neuen Aufenthaltsräume verfügen so über eine maximale Transparenz und die gewünschte optische Tiefe. Die großzügigen verglasten Fensterelemente wurden mit moderner Wärmeschutzverglasung mit Sicherheitsanforderungen versehen.
Die moderne kubische und sachliche Architektur setzt sich bewusst und klar vom Stil des Altbaus ab, begegnet ihm jedoch mit Respekt. Farbe, Gliederung und Materialität des Neubaus lehnen am Wettbewerbsergebnis und dem Gestaltungskonzept des Gesamtensembles.
Das Freianlagenkonzept orientiert sich maßgeblich an der bestehenden Erschließungs- und Grünstruktur. Im gesamten Areal wird der waldartig anmutende Baumbestand als prägendes Hauptelement des Klinikgeländes verstanden und erhalten. (BSZ)

(Mit dem Umbau und der Sanierung wurde die Errichtung einer psychiatrischen Vollversorgungsklinik mit 126 psychiatrischen Pflegebetten umgesetzt - Fotos: KBO-Isar-Amper-Klinikum)

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