Bauen

11.03.2011

Modernste Technik auf engem Raum

Neubau Restaurant und Kioske an der Olympiahalle München

Der Olympiapark ist seit 1972 ein Wahrzeichen Münchens. Die harmonische Verschmelzung von Architektur und Landschaft wird seit 40 Jahren bewundert. Und der Park ist ein Musterbeispiel nacholympischer Wertschöpfung: Bis heute werden die Anlagen genutzt und bereichern so die kulturelle Vielfalt Münchens. Allerdings: Die Anforderungen zum Beispiel an die Olympiahalle sind seit 1972 drastisch gestiegen.

Bei Großveranstaltungen sind inzwischen folgende Leistungen Pflicht: Schnellstmöglicher Auf- und Abbau, maximale Hängelasten, bestmögliche Infrastruktur und variable Nutzung der Zuschauerbereiches. Die Stadtwerke München (SWM) wenden für den Umbau der Olympiahalle ein hochvernetztes Projektmanagement an.
Den ersten Abschnitt haben die SWM unter der Leitung von Franz Walz, Bauten (S-PG-BA), nahezu geschafft: Ein neues Restaurant wurde eröffnet, ein moderner Logistikbereich ist eingerichtet, eine Großküche installiert und die abgehängte Decke komplett erneuert. Zudem sind neue VIP-Bereiche geschaffen. Dank zusätzlicher Teleskoptribünen finden in der Olympiahalle in Zukunft zusätzlich 2000 Besucher Platz.
Rainer Borger von den Immobilien (K-KS-IM), der zuständige Objektmanager der SWM, fasst zusammen: „Die SWM haben die Olympiahalle innerhalb von drei Jahren so verbessert, wie es der Betreiber, die Olympiapark München GmbH, seit Jahren fordert. Allerdings bleibt noch viel zu tun. Das Schwierige dabei: All die kleinen und großen Maßnahmen müssen wir unter laufendem Betrieb umsetzen. Das erfordert eine äußerst umfassende Koordination.“ Die nächsten Maßnahmen sind: Verlängerung des Beleuchterstegs, innere optische Aufwertung der Halle, Erneuerung der Videoanzeigetechnik sowie Sanierung der Eisfläche und der kompletten Gebäudetechnik.
Ein neues Restaurantgebäude mit zwei Gasträumen und einem neu angelegten Biergarten sowie eine Reihe fest installierter Kioske im Umgangsbereich der Olympiahalle heben die gastronomische Versorgung im Inneren und im Umfeld der Halle auf ein zeitgemäßes Niveau an, betont das mit der Planung beauftragte Stuttgarter Architekturbüro Auer + Weber + Assoziierte. Das Restaurant kann zudem vor Veranstaltungsbeginn in der Olympiahalle als temporäres Foyer mit bis zu 600 Stehplätzen auf Restaurantebene und bis zu 400 Stehplätzen auf der Dachterrasse benutzt werden.
Der zum Halleninneren orientierte Restaurantteil (rund 200 Sitzplätze) bietet als raumhoch verglaste „Kanzel“ über der Tribüne weite Einblicke in die Arena, während der zum Coubertinplatz orientierte Teil (etwa 100 Sitzplätze) mit vorgelagerter Terrasse (rund 100 Sitzplätze) Bezug nimmt zum zentralen Bereich mit Olympiasee, Olympiaberg und Stadionvorbereich, erklären die Stuttgarter Planer. Beide Gasträume werden über eine Treppenrampe vom Coubertinplatz über das dazwischengeschaltete Foyer erschlossen und durch die ebenfalls dazwischen liegende gemeinsame Regenerationsküche versorgt. Die Versorgung aus der Zentralen Küche sowie Entsorgung erfolgt über ein Untergeschoss.
In der Fußgängerebene sind die Biergartenausgabe und der Nebeneingang zum Restaurant mit WC-Anlagen angeordnet.
In Anlehnung an das architektonische Konzept der Olympiabauten erfolgte laut Auer + Weber die Konstruktion des Restaurants als Stahlbau mit leichten Einbauten, auf Platzniveau durchlässig für den Fußgänger und in der Anmutung das Bild eines „Schiffs“ mit begehbaren Aussichtsdecks vermittelnd. Die Dachterrasse des Restaurantbaukörpers wird über den zentralen Erschließungskern begangen. Der Erschließungskern setzt sich architektonisch zu den horizontalen Decks ab, so das Architekturbüro. Seine Materialität und Farbigkeit steht im Kontrast zu den Gasträumen und bildet die Hintergrundfunktion ab. Hell und behaglich stellen sich hingegen die beiden Gasträume dar. Die raumbegrenzenden Flächen werden durch die raumhohe Verglasung aufgelöst, die Umgebung des Restaurants – der Olympiapark – gerät in den Fokus der Besucher.
Um einen ökonomischen Betrieb des neuen Restaurants zu ermöglichen, wurden Anlieferung, Lager- und Müllbereiche im rückwärtigen Bereich der Kleinen Olympiahalle zusammengefasst und zwei Ebenen darüber eine neue zentrale Regenerationsküche mit zugehörigen Tageslager- und Kühlräumen installiert, die über ein Untergeschoss an das neue Restaurant anbindet. Die bestehende Küche im Bereich der Olympiahalle wird als neue Spülküche umgenutzt, eine Ebene darunter wurden neue Umkleidebereiche für das gesamte Küchen- und Restaurantpersonal geschaffen.
In der Eingangsebene und im Besucherumgang eine Ebene darunter wurden acht Kioske fest installiert sowie ein großer Kiosk im Restaurantbereich. Ein Kiosk auf der Südostseite ermöglicht den Verkauf nach Außen in Richtung Olympia-Schwimmhalle und ersetzt das freistehende Kiosk-Provisorium. Die Kioske sind laut Auer + Weber mit silberfarbenen Metallpaneelen bekleidete Stahlkonstruktionen als „Aggregate“ in die Hallenfassadenkonstruktion integriert, um den Bewegungs- und Ausstellungsraum der Umgänge nicht einzuschränken. Die bestehenden provisorischen Kasseneinbauten neben den Eingängen Ost und West wurden entfernt und stattdessen in die Windfanganlage integriert.

Neue Teleskoptribüne
in der Ostkurve der Arena

Der bestehende Ehrengastbereich ist größtenteils entkernt und mit neuen mobilen Trennwänden, variabel für einzelne Sponsorenräume oder große zusammenhängende Flächen, ausgestattet. Dadurch wird eine flexible Nutzung und Bewirtung dieses Bereichs für bis zu 1200 Ehrengäste ermöglicht. Der Zugang zum Ehrengastbereich wurde verlegt und in einem neuen gemeinsamen gläsernen Foyer mit dem Zugang zum bestehenden Verwaltungsgebäude zusammengefasst.
In die Ostkurve der Arena wurde eine neue Teleskoptribüne ( eine Tribüne, die sich schnell ein- und ausfahren lässt) eingebaut. Die Geometrie der neuen Teleskoptribüne folgt der Arenageometrie. Die vorhandenen Mobiltribünen an den beiden Längsseiten werden durch weiter in die Hallenebene vorrückende Mobiltribünen mit je rund 380 Sitzplätzen ersetzt. Die Bühne wurde um etwa 10 Meter nach Westen verlegt.
Neben einer ansprechenden optischen Gestaltung des neuen Restaurants und der Kioske galt es vor allem auch die technischen Vor- aussetzungen sicher zu stellen, um den reibungslosen Betrieb zu garantieren. Die Münchner Planungsgesellschaft Obermeyer erbrachte die Elektroplanung für den Umbau und hatte während der Ausführungsphase die Überwachung der gesamten technischen Gebäudeausrüstung inklusive der Gewerke Heizung, Lüftung und Sanitär sowie der Fördertechnik inne. Für die Maßnahme musste die Zufuhr der elektrischen Energie um insgesamt zwei Megawatt erweitert werden.
Bei der Beleuchtung im Restaurant und in den Kiosken kamen verschiedene Sonderleuchten zum Einsatz, die Treppenanlagen und der Außenbereich wurden mit energiesparender LED-Technik ausgestattet. Eine flächendeckende Brandmelde- und Sprachalarmierungsanlage garantiert die frühzeitige Gefahrenmeldung.
Beim gesamten Bauvorhaben wurde auf den Einsatz modernster Technik geachtet. Dabei war vor allem die umfangreiche Sicherheitstechnik aufgrund geringer Aufbauhöhen nicht immer leicht im Fußboden und in der Decke zu integrieren. Letztere ist als Kühldecke ausgebildet, die an ein Kaltwassernetz angeschlossen ist. Dieses speist sich aus mehreren Tiefbrunnen innerhalb des Olympiageländes. Unterstützt wird die Kühlung von einer Kältemaschine. Eine Fußbodenheizung sorgt bei den Restaurantbesuchern für ein behagliches Klima während der kälteren Jahreszeit.
Unabhängig von der Versorgungstechnik des Restaurants sind die Kioske innerhalb der Halle als einzelne Verkaufsstände an dezentrale Lüftungsanlagen angeschlossen. Da die Halle während der Ausführung in Betrieb blieb, musste über die gesamte Dauer der Arbeiten hinweg die Funktionsfähigkeit der technischen Gebäudeausrüstung inklusive des Brandschutzes sichergestellt werden. Neben der eigentlichen Überwachung der Ausführung der genannten Gewerke lag hierauf ein besonderes Augenmerk der Bauleitung von Obermeyer.  (FHH)

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