Bauen

Das Grüne Zentrum besteht aus mehreren Gebäudeflügeln. (Foto: Stefan Müller-Naumann)

10.04.2015

Multifunktionshaus – ganz aus Holz

Das neue Grüne Zentrum in Holzkirchen

Mit der Einweihung des Grünen Zentrums Holzkirchen am 22. März 2015 ist ein Gebäude seiner Bestimmung übergeben worden, das nicht nur optisch repräsentativ in Erscheinung tritt. Unter „einem Dach“ vereint, finden hier das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Holzkirchen mit Land- und Hauswirtschaftsschule sowie Almakademie, der Almwirtschaftliche Verein Oberbayern, die Waldbesitzervereinigung Holzkirchen w.V., die Kreishandwerkerschaft Miesbach-Bad Tölz-Wolfratshausen sowie der Bayerische Bauernverband mit seinen Dienstleistungsunternehmen eine neue Heimat.
Walter Heidl, Präsident des Bayerischen Bauernverbands (BBV), erinnerte in seinem Grußwort auch an die intensiven Standortdiskussionen vor Ort. Mit der größten Zahl an aktiven Betrieben im Kerngebiet rund um Holzkirchen und der guten Erreichbarkeit aus allen Winkeln der beiden Landkreise sei Holzkirchen der Favorit gewesen. „Wir können uns heute alle über das Grüne Zentrum freuen“, sagte er und verwies auf das Besondere des Neubaus: „Mit dem Bayerischen Bauernverband und dem BBV Beratungsdienst als Bauherren ist ein Dienstleistungszentrum entstanden, das den ländlichen Raum stärkt. An diesem Zentrum werden unsere Bäuerinnen und Bauern aus den Landkreisen Miesbach und Bad Tölz-Wolfratshausen gebündelt an einem Ort und auf kurzen Wegen umfassend und kompetent beraten und betreut“.
Gerade auch die Ausbildungseinrichtungen am Grünen Zentrum könnten dem bäuerlichen Berufsnachwuchs wichtige Impulse geben. Damit setze das Grüne Zentrum ein klares Zeichen: „Unsere Land- und Forstwirtschaft hat Zukunft!“ Landwirtschaftsminister Helmut Brunner hob hervor, dass der Zusammenschluss von Ämtern und Dienstleistern unter einem Dach ein Ausdruck für die Zukunftsfähigkeit der Agrarbranche sei. „Wir wollen zum Ausdruck bringen, dass die Land- und Forstwirtschaft modern ist“, sagte Brunner. Die Bündelung fachlicher Kompetenzen in Grünen Zentren wie in Holzkirchen sei ein deutliches Zeichen der Zusammenarbeit.
Zentraler Entwurfsgedanke der Architekten Wilfried Dederer und Gerhard Simson war, die unterschiedlichen Nutzungen in einer klaren Gliederung in mehreren Gebäudeflügeln unterzubringen. Dadurch wird den Besuchern eine gute Orientierbarkeit gegeben. Der zentrale Eingangsbereich mit angegliederter Mensa wurde mit vollverglasten Wänden transparent gestaltet. Von hier aus sind die beiden Flügel zugänglich, das dreigeschossige Amts- und Schulgebäude sowie der zweigeschossige „Verbändetrakt“. Lediglich das Internat für die Hauswirtschaftsschülerinnen wurde von den anderen Baukörpern abgerückt, um eine größere Privatheit zu bieten.

Relativ niedriger Baukörper

Durch die Verwendung von Holz als prägendem Baumaterial und die Anordnung der mit zwei bis drei Geschossen relativ niedrigen Baukörper fügt sich das Gebäude mit seinen Satteldächern in die ortstypische Bautypologie ein. Eine Ausgleichsfläche auf dem Südteil des Grundstücks wird mit Obstbäumen bepflanzt und dient zugleich als Lehr- und Versuchsgarten.
Auf einem Grundstück von rund 12 000 Quadratmetern am Rudolf-Diesel-Ring, an der Nahtstelle zwischen Gewerbegebiet und Wohnbebauung, setzten Minister Brunner und BBV-Präsident Heidl am 9. September 2013 den ersten Spatenstich. Das Gebäude hat eine Gesamtnutzfläche von etwa 5000 Quadratmetern. Es wurde komplett aus vorgefertigten Holzelementen errichtet, wodurch die knappe Bauzeit bis zum Einzug im Dezember 2014 eingehalten werden konnte.
Das Holz aus bayerischen Wäldern wurde auf vielfältige Weise eingesetzt. Für die tragenden Bauteile wurden Massivholzelemente aus Brettsperrholz verwendet, die im Gebäudeinneren zum großen Teil sichtbar sind. Sogar der Aufzugsschacht und die Treppenläufe wurden aus Holz gefertigt. Holz begegnet dem Besucher aber ebenso bei den nichttragenden Elementen wie der Fassadenschalung aus Lärchenholz, den Holz-Aluminium-Fenstern und Türen, den Akustikdecken in Weißtanne und der Holzweichfaserdämmung. Mit dem holzvertäfelten Tannenstüberl bietet der BBV den Nutzern des Grünen Zentrums zudem noch ein besonderes „Schmankerl“.
Das Grüne Zentrum wurde als Passivhaus mit geringstem Energieverbrauch geplant. Dafür wurde bei den Hüllflächen des Gebäudes auf optimale Wärmedämmung Wert gelegt. Die Beheizung erfolgt über Wärmepumpen mit Erdsonden. So können die Räume über die Fußbodenheizung im Winter beheizt und im Sommer umweltfreundlich gekühlt werden. Der Heizwärmebedarf liegt unter 15 kWh/m²a. Alle Räume werden mit einer zentralen Be- und Entlüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung versorgt. Durch die konsequente Bauweise als Passivhaus mit modernster Technik und durch die Verwendung von viel Holz hat das Grüne Zentrum Holzkirchen Vorzeigecharakter.
Die Nutzer der Gebäude mit den Tätigkeitsbereichen in einem kurzen Überblick:
– Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Holzkirchen: Abteilung Förderung, Bildung und Beratung, Fachzentrum Almwirtschaft, Fachzentrum für Rinderzucht, Berufsausbildung Landwirt/in, Landwirtschaftsschule mit den Abteilungen Landwirtschaft und Hauswirtschaft, Internat und Mensa, Almakademie, Bereich Forsten.
– Almwirtschaftlicher Verein Oberbayern: unter anderem Vertretung der Interessen der Alm- und Bergbauern, Durchführung des Almbauerntags, almwirtschaftliche Lehrgänge.
– Bayerischer Bauernverband: Geschäftsstelle Holzkirchen – Kompetenz aus einer Hand, große Spannbreite an Dienstleistungsangeboten, individuelle Beratung, berufsständische Interessenvertretung, Ansprechpartner für Soziales, BBV Buchstelle, BBV Beratungsdienst, Treukontax Steuerberatung.
– Waldbesitzervereinigung Holzkirchen w.V.: unter anderem zuverlässiger Dienstleister für Waldbesitzer, Interessenvertretung, Beratung in Fragen Wald und Holz, Holzeinschlag und Vermarktung.
– Kreishandwerkerschaft Miesbach-Bad Tölz-Wolfratshausen: unter anderem Betreuung der zehn Innungen im Dienstbereich, Beratung der Mitgliedsbetriebe in arbeits-, sozial-, tarif- und handwerksrechtlichen Angelegenheiten.
Rund 120 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden am Grünen Zentrum tätig sein und den Besuchern als Ansprechpartner zur Verfügung stehen.
Zum 70-jährigen Jubiläum des Bayerischen Bauernverbands wird das Grüne Zentrum am 6. September 2015 seine Türen öffnen. Dann besteht für die Öffentlichkeit eine gute Gelegenheit, sich über die vielfältigen Dienstleistungsangebote im Grünen Zentrum zu informieren und mit den Mitarbeitern der verschiedenen Einrichtungen ins Gespräch zu kommen. (BSZ)

Abbildungen (Fotos: Stefan Müller-Naumann):

Ein Schulungsraum.
Holz ist das prägende Baumaterial.
Blick in die Küche der Hauswirtschaftsschule.

 

 

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