Bauen

23.07.2010

Nachhaltiges Bauen mit Green Building

Silber, Gold oder Platin - das ist hier die Frage

„Die Nachhaltigkeit beim Bauen hat ein Nürnberger erfunden. 1368 pflanzte Peter Stromer im hiesigen Reichswald schnell wachsende Nadelbäume zur Bedarfsdeckung“, klärte Peter H. Richter, ENERGIEregion-Geschäftsführer, auf. Kein Wunder also, wenn auch „Green Building“ als wichtiges Zukunftsthema erkannt und vorangetrieben wird. Inzwischen ist bewiesen: GreenBuildings sind kein Modetrend. Die höheren Investitionskosten amortisieren sich in rund zehn Jahren; die Gebäude sind um 13 Prozent effektiver zu bewirtschaften und weisen einen um durchschnittlich zehn Prozent höheren Immobilienwert auf, so Richter im Rahmen der Fachtagung „Green Building in der Metropolregion“. Auch deshalb ist er sicher: „An Green Building, Zertifizierungen, nachhaltigem Bauen, Energieeffizienz oder Lebenszykluskosten kommt bald kein Immobilien-Profi mehr vorbei.“

Der südpunkt Nürnberg, der Veranstaltungsort, ist ein solcher Vorzeigebau, wenn auch nicht mit „Green Building-Zertifikat“ ausgestattet. An über 300 Tagen im Jahr gehen gut 1600 Menschen täglich ein und aus „und sorgen für viel Energieeintrag“, wie Architekt Martin Kuntz berichtete. Was in einem Passivhaus gerade im Sommer für Probleme sorgen könne: Wenn eine Fassade im Winter keine Kälte nach innen lässt, dann entweicht auch keine Wärme durch die Wände nach außen.
Lüftung und Kühlung müssen daher unterstützen: Im südpunkt Nürnberg hat das Planerteam dafür eine Wärmepumpe eingesetzt, die im Winter heizt und im Sommer Kühle schafft. Dabei zeigt der Betrieb: Lebenslanges Lernen muss auch für die Nutzer solcher Gebäude gelten. Denn wenn im Sommer eine Außentür ständig offen steht, ist mehr Kühlstrom nötig als geplant – was die südpunkt-Betreiber bereits als Problem erkannt haben.
„Monitoring“ ist ein Zauberwort, das andere heißt „Nutzereinbindung“ – bei Planung und Betrieb von Passivhäusern genauso wie bei zertifizierten Green Building, bestätigte Richard Weller. Der Geschäftsführer von makon, einer Tochterfirma der Nürnberger EB-Gruppe, erklärte die unterschiedlichen Zertifikate für Grüne Gebäude, von den aus den USA stammenden LEED, Breeam aus England, Green Star und anderen bis hin zum deutschen Siegel der DGNB, der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen.
Als Berater kann Weller die Kritik der Gebäudebesitzer an den oft unterschiedlichen Bewertungskriterien von Energie bis Flächenverbrauch nachvollziehen: „Ich freue mich auch nicht über den Zertifikatewust, aber über die Zertifikate und die steigende Zahl an zertifizierten Gebäuden: Damit wird Nachhaltigkeit geleistet“, zeigte er sich überzeugt von allen Green Building-Labels. Bestätigt wurde er durch Eduard Paul, langjähriges Vorstandsmitglied der deutschen Sektion des mit 150 000 Mitgliedern weltweit operierenden RICS-Verbunds von Immobilienbewertern. Zertifizierte Gebäude seien günstiger im Betrieb und erzielten höhere Renditen, weil sie unter anderem niedrigere Leerstandsraten aufwiesen.
Paul ist sicher: „Nachhaltige Gebäude sind derzeit interessant für Banken, Investoren, Immobilienentwickler, die immer noch auf Cash und Marktwert setzen. Doch genauso für Gebäudeeigner, denen der Nutzwert wichtig ist.“ Denn: „Green Buildings sind die Lösung für ökonomische, soziale und Umweltaspekte: Nachhaltigkeit ist ein Muss. Wer sich heute nicht damit befasst, ist später weg“, gab sich Paul überzeugt.

Nicht „weg sein“ wollen sowohl lokale Immobilienentwickler wie der Nürnberger Helmut Schmelzer als auch global agierende Konzerne. So erklärte Ludger Stenmans von Siemens Real Estate (SRE): Für 24 Millionen Quadratmeter Grundstücke und 12 Millionen Quadratmeter Gebäudefläche weltweit strebe SRE als „langfristiges, hehres Ziel den Null-Energie-Standard an“. Um das zu erreichen, seien „integrale Energiekonzepte mit Zielkorridoren für Planer und Architekten sowie Neubauten mit anderen Bauformen“ ebenso notwendig, wie die Betrachtung der Gebäudekosten über die Lebensdauer, auch „Life-Cycle-Costs“ genannt. Weshalb alles für GreenBuilding-Zertifizierung spreche, ob mit LEED- oder DGNB-Label.
„Wir streben bei Neubauten LEED-Gold-Zertifikate an“, stellte Stenmans klar. Einer von 15 LEED-Zertifizierungsprozessen bei SRE laufe an einem Neubau auf dem „Siemens Technopark Nürnberg“, dem früheren Siemens-Zählerwerk-Gelände, und zwar parallel zu Planung und Bau.
Neben dem Technopark sind im Nürnberger Umkreis zahlreiche weitere Gebäude in Zertifizierungsprozessen, darunter auch der Frankencampus in Nürnberg. Zertifikate besitzen unter anderem bereits ein großes Bürogebäude von Areva (DGNB Gold) oder „Röthelheimpark“ (DGNB Silber), beide in Erlangen.
Die meisten Fachleute der Tagung waren sich einig: Eine Zertifizierung mit „Silber“ sei heute schon fast zu erreichen, wenn deutsche Baustandards nach dem Baurecht eingehalten würden. Weshalb viele Investoren und Nutzer dafür plädieren, mindestens „Goldniveau“ anzustreben.
Jörg Hertwig, einer der ersten 60 Pilot-Auditoren für das DGNB-Siegel, war anderer Meinung. „Ist Silber in der Nachhaltigkeit nicht das wahre Gold?“, fragte er provozierend. Für Hertwig stellt das Paretoprinzip – also die Regel, unter ökonomischen Gesichtspunkten seien mit 20 Prozent Aufwand 80 Prozent des Maximal-Ergebnisses zu erzielen – das Nahziel dar. „Niedrige Früchte gezielt pflücken“, empfahl er, wie beispielsweise „Dachbegrünung oder Fahrradabstellraum – alles kaum investive Maßnahmen“. Und schon sei das DGNB-Silber-Zertifikat (Version 2008) erreichbar.
Statt sich hierzulande in Zertifikatedetails zu zerfleischen, solle man den Blick speziell auf die Bautätigkeit in Schwellenländern mit dem riesigen Investitionsvolumen von jährlich 7,5 Billionen Euro richten und dort für Nachhaltigkeitsstandards werben, empfahl Paul. Dort seien in großem Umfang Einsparungen zu erzielen – auf welchem Zertifikate-Niveau auch immer. Das so erzielbare ökologische Ergebnis beziehungsweise die Wirkung wäre wesentlich positiver für die globale Umwelt. (BSZ)

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