Bauen

Die Flurzone ist über alle drei Geschosse geöffnet, sodass über die Oberlichtverglasung das LIcht bis in Eingangsebene gelangt. (Foto: www.krall-photographie.de)

22.06.2012

Natürlich belichtete Räume und Flure

Ersatz- und Erweiterungsneubau für die Grund- und Mittelschule Lenting

Die Grund- und Mittelschule Lenting besteht aus drei Bauabschnitten. Der Bauabschnitt 1 wurde 1959 bis 1965 errichtet, die Bauabschnitte 2 + 3 1969 und 1974. Die Bauabschnitte 2 + 3 hatten nur eine lose und umständliche Verbindung zum Bauabschnitt 1. Die Erschließung und Orientierung innerhalb der Schule war umständlich und behindertenfeindlich. Die Bauabschnitte waren zum Teil über lange und unbeheizte Flure und eine Vielzahl von Treppen miteinander verbunden. Eine Großzahl von Unterrichtsflächen fehlte.
Der Schule fehlte auch die Mitte in Form einer Pausenhalle/Aula. Schulische Großveranstaltungen waren in den Schulgebäuden nicht möglich. Der Pausenhof war eingeklemmt zwischen die Bestandsgebäude. Er war klein und dunkel und durch einen geschosshohen Versatz geprägt. Dieser Versatz war nur durch eine Außentreppe überwindbar. Der Pausenhof hatte keine Aufenthaltsqualität, schreibt das mit der Planung des Ersatz- und Erweiterungsneubaus für die Grund- und Mittelschule beauftragte Architekturbüro Obel und Partner, Donauwörth.
Die energetische Ertüchtigung der Bauabschnitte 2 + 3 war für das Konjunkturprogramm II angemeldet. Bereits im Rahmen der Antragstellung für das Konjunkturprogramm II (KP II) zeigte sich, so das Architekturbüro, dass der Erfolg der energetischen Ertüchtigung in einem unbrauchbaren Verhältnis zu den Kosten stand. Die energetische Ertüchtigung samt den erforderlichen Umbauten hätte nach Kostenberechnung rund 95 Prozent der fiktiven Neubaukosten betragen, berichten Obel und Partner.

Die Haupterschließung erfolgt über die Pausenhalle


Die funktionalen Mängel, die Behindertenfeindlichkeit wären trotz Instandsetzung und Umbau ungelöst geblieben. Der Bauherr entschied sich daher, den Bauabschnitt 2 aus dem Jahr 1969 durch einen Neubau zu ersetzen. Der Neubau ist jetzt mit dem Bauabschnitt 1 unmittelbar und behindertengerecht zu einer schulischen Einheit zusammengefasst.
Die Haupterschließung erfolgt heute über die zentrale Pausenhalle. Die Pausenhalle/Aula ist zweigeschossig gestaltet. Durch die großzügige Öffnung der Geschossdecke werden die Funktionsebenen miteinander verbunden und die Orientierung und Vertikalkommunikation entscheidend gesteigert, erklärt das Donauwörther Planungsbüro. Die Lage des Mehrzweckraums unmittelbar an der Pausenhalle/Aula ermöglicht alle schulischen Großveranstaltungen in bester Weise. Der Mehrzweckraum ist ebenfalls zweigeschossig gestaltet. Die musischen Fächer profitieren laut Obel und Partner von dieser Gestaltung sehr stark, was sich auch in der Qualität, Vielfalt und der zunehmenden Anzahl von Aufführungen zeigt. Die anschließende Flurzone ist über alle drei Geschosse geöffnet, sodass über die großzügige Oberlichtverglasung das Licht bis in die Eingangsebene gelangt.
Bereits bei Planung und Ausführung legten Obel und Partner größten Wert auf die natürliche Belichtung, auf die Raumluftqualität, das Raumklima und die Akustik. Die Flure sind so konzipiert, dass sie gleichzeitig als Schullandschaft, als Lernwerkstatt, als flexibles Klassenzimmer in den Unterrichtsaufbau integrierbar sind. Der erste und zweite Rettungsweg wurden nach außen verlegt. Vorgehängte Fluchtbalkone nehmen diese Funktion in allen Geschossen auf. Sie dienen gleichzeitig als stationärer Sonnenschutz. Durch die Herausnahme des 1. und 2. Rettungswegs aus den vorbeschriebenen Flurzonen ist die Brandlast kein Thema und ermöglicht so die Integration der Flurflächen in den Unterrichtsbetrieb, betont das Donauwörther Architekturbüro.
Die Beheizung der Schule erfolgt über Bauteilaktivierungen – im Winter warm, im Sommer kühl. Zu diesem Zweck wurden die tragenden Wände als auch die Decken in Stahlbeton ausgeführt. Geheizt wird über eine Geothermieanlage in Form von Erdsonden. Eine dezentrale Belüftungsanlage sorgt für eine angenehme Luftqualität. Die dezentrale Belüftungsanlage (zwei Geräte pro Unterrichtsraum) ist laut Obel und Partner CO2 gesteuert. Die Einzelgeräte sind in die Fassade integriert und von außen als solche nicht wahrnehmbar.
Die lichtdurchfluteten Unterrichtsräume als auch Verkehrszonen, der Einsatz von Holz im Innenbereich als auch die Farbgestaltung der Fassaden sorgen für eine heitere Atmosphäre. Bei Bauteilaktivierungen ist die Beherrschung der Akustik ein besonderes Thema, das aber zu aller Zufriedenheit gelöst wurde, erklären die Planer. So nehmen auch Wandverkleidungen und Schränke neben Deckenfriesen diese Aufgabe wahr.

Die Dächer werden
nach außen entwässert


Der Pausenhof konnte durch die veränderte Lage des Ersatzneubaus wesentlich vergrößert werden. Die unterschiedlichen Niveaus wurden weitestgehend angeglichen und durch die Integration eines Amphitheaters miteinander verbunden. Wie die gesamte Schule (Bauabschnitt 1 + 2) ist auch der Freibereich behindertengerecht gestaltet.
Der felsige Untergrund (ehemaliger Steinbruch) wurde als Besonderheit in die Gestaltung des Pausenhofs, des Verkehrsübungsplatzes und der Zuwegungen einbezogen und besonders herausgearbeitet, erklärt das Architekturbüro. Die Fassaden haben eine außenliegende Wärmedämmung mit einer hinterlüfteten und vorgehängten Verkleidung aus Faserzementplatten. Die Dächer werden nach außen entwässert. Am Dachüberstand sind die Fluchtbalkone aufgehängt. Durch die gänzliche Aufhängung der Fluchtbalkone an dem Dachüberstand werden Wärmeausleitbrücken vermieden.
Im krassen Gegensatz zum Bestandsgebäude des Bauabschnitts 2 mit seiner zerklüfteten Fassadengestaltung wurde beim Neubau auf eine so gering wie mögliche Hüllfläche geachtet, betonen Obel und Partner. Mit den Abbrucharbeiten wurde in den Sommerferien 2010 begonnen und die Gesamtmaßnahme rechtzeitig für das Konjunkturprogramm II 2011 komplett abgerechnet. Die letzten Klassen sind im Januar 2012 in das neue Schulgebäude eingezogen.
Die Gesamtkosten waren auf 10,8 Millionen Euro berechnet, werden aber mit rund 10,5 Millionen Euro um 300 000 Euro unterschritten. Die Architekten wiesen zudem darauf hin, dass die Schule vor allem auch unter dem Gesichtspunkt geringster Betriebs- und Unterhaltskosten konzipiert wurde.  (FHH)

(Das in den Pausenhof integrierte Amphitheater und ein Blick in die Schulbibliothek - Foto: www.krall-photographie.de)

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