Bauen

28.01.2011

Neubau statt Umbau

Zentrum für Kinder und Familien in Vaterstetten

Die ursprüngliche Bauaufgabe lautete eine Generalsanierung des Pfarrzentrums in Vaterstetten unter Beibehaltung der bestehenden Nutzungseinheiten durchzuführen. Die Defizite des Brandschutzes, der Unfallsicherheit und des Wärmeschutzes waren erheblich. Eine in allen Teilen des Gebäudes behindertengerechte Erschließung war nicht möglich. Der Wunsch eine zweite Hortgruppe und Räume für Mutter-Kind-Gruppen unterzubringen sollte berücksichtigt werden.
Nach diversen Konzeptstudien und Kostenschätzungen zeigte sich sehr deutlich, dass all diese Gesichtpunkte unter dem Aspekt der Wirtschaftlichkeit nicht zu realisieren waren. Es wurde beschlossen das Bestandsgebäude abzubrechen und durch einen Neubau zu ersetzen. Der Bauraum war sehr begrenzt, so dass eine Stapelung der unterschiedlichen Funktionsbereiche als eigenständige Einheiten erforderlich war.
Im Erdgeschoss des Zentrums für Kinder und Familien befindet sich der 3-gruppige Kindergarten, im 1. Obergeschoss der Hort mit zwei Gruppen. Im Untergeschoss wurde gegen Ende der Bauzeit nachträglich eine Kinderkrippe mit zwei Gruppen untergebracht. Das Dachgeschoss nimmt zwei Pfarrsäle mit Foyer, Küche und Nebenräumen auf. Verbindendes Element ist das zylindrische Treppenhaus, mit einer sich über alle Geschosse erstreckenden Lichtinstallation.
Erd- und Obergeschoß sind gleichermaßen gegliedert, betont das mit der Planung beauftragte Münchner Architekturbüro strunz_architekten. Die Gruppenräume von Kindergarten und Hort mit ihren Nebenräumen auf der Südseite, zum Freibereich orientiert, die Funktionsräume auf der Nordseite. Beide Raumzonen sind über die ganze Gebäudelänge über einen offenen Bereich verbunden. Dieser dient nicht nur der notwendigen Raumerschließung, sondern fungiert auch als Foyer für Veranstaltungen, Elterntreffpunkt oder Spielstraße.

Differenzierte Raumerlebnisse


Die verglaste Flurwand des Mehrzweckraums ermöglicht von hier aus einen optischen Bezug zum Vorplatz mit Kirche und Rathaus. Asymmetrisch eingestellte Kuben für die Sanitärräume und die Küche ermöglichen differenzierte Raumerlebnisse.
Wichtig war von Anfang an, so das Münchner Architekturbüro, eine klare Tragstruktur für den Neubau: Ein Stahlbetonskelett für das Unter-, Erd- und Obergeschoss, 3-bündig in Nord- Südrichtung sowie eine Stahlrahmenkonstruktion als Dachtragwerk, die die gesamte Gebäudebreite überspannt.
Im Gegensatz zum eher kleinräumig gegliederten Kindergarten- und Hortbereich ist das Dachgeschoss aufgrund seiner raumhaltigen Dachkonstruktion in seiner ganzen Dimension erfahrbar. Bei geöffneten Saaltüren entsteht hier vom Foyer und der Dachterrasse ein Raumkontinuum über die gesamte Geschossfläche, schreiben strunz_architekten. Für Pfarrfeste sicher ein willkommener Veranstaltungsort.
Kriterien des nachhaltigen Bauens wurden vom Planungsbüro bei diesem Projekt wie folgt berücksichtigt:
– Tragende und aussteifende Bauteile wurden auf ein Minimum reduziert und so geordnet, dass spätere Umbauten ohne weiteres ermöglicht werden.
– Es wurden elementierte Bauteile verwendet und additiv eingesetzt, um bei deren Austausch eine leichte Baustofftrennung und somit die Recyclebarkeit zu gewährleisten.
– Als bevorzugter Baustoff wurden Holzwerkstoffe – CO2-Speicher – verwendet. Insgesamt wurden im Bereich der Fassade und des Innenausbaus rund 80 Tonnen Holz verbaut. Das entspricht etwa 152 Tonnen CO2-Bindung.
– Holz als nachwachsender Rohstoff aus lokalen Ressourcen dient auch als Heizenergieträger in Form von Pellets oder Hackschnitzeln.
– Die Dachform wurde unter dem Gesichtspunkt eine Fotovoltaikanlage zu installieren entwickelt. Eine möglichst große nach Süden geneigte Dachfläche konnte durch die asymmetrische Dachteilung von 1/3 zu 2/3 hergestellt werden. 315 Quadratmeter Fotovoltaikmodule liefern durchschnittlich 42 000 Kwh/a. Damit wird nicht nur der Eigenbedarf gedeckt, sondern ein erheblicher Anteil in das öffentliche Netz eingespeist.
– Mit einer durchgängigen rollstuhlgerechten Erschließung entspricht das Gebäude den Anforderungen an behindertengerechtes Bauen.
Städtebaulich bildet der Neubau des Pfarrzentrums das Pendant zum Rathaus und definiert die südliche Kante des Ortszentrums von Vaterstetten. Mit der abschließenden Neugestaltung des gesamten Platzes zwischen Kirche, Neubau, bestehendem Jugendheim und Pfarrhaus wurde das Pfarrzentrum zu einer Einheit verbunden. (BSZ)

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