Bauen

Aus dem "Hotel Bayern" wurde "Das Tegernsee" hotel & spa. (Foto: Hotel)

01.10.2010

Neue Ideen sind gefragt

Wie mit zeitgemäßem Design im Hotelbau die bayerische Wirtschaft angekurbelt werden soll

Urlaub machen in schönen Gebäuden – Österreichs kleinteilig strukturierte Hotelleriebranche hat es bereits vorgemacht. Nun will auch das nicht weniger beliebte Ferienland Bayern sich neu positionieren und verstärkt in die Modernität seiner Hotelbauten investieren: „Urlaub in Harmonie mit der Natur und im Einklang mit einer jahrhundertealten Tradition“. So lautet eine Variante des sich stets neu Erfindens, der sich beispielsweise auch das ehemalige „Hotel Bayern“, jetzt „Das Tegernsee“ hotel & spa, eingebettet in eine 42 Hektar große Parklandschaft mit atemberaubendem Blick auf den Tegernsee, verschrieben hat. Wenn jetzt formschöne Möbel aus gebürstetem Eichenholz, angefertigt von einheimischen Schreinern auf sardischen cremefarbenen Steinböden neue Akzente setzen, wird mit dem etwas altbackenem Charme der 1970er Jahre, der landläufig mit bayerischer Hotellerie assoziiert wird, radikal aufgeräumt.


Alpine Baukunst


Dahinter steht die puristische Handschrift des renommierten Münchner Architekten- und Innenarchitektenbüros landau + kindelbacher. Das 2008 umgebaute Haus Wallberg und die jüngst vollendeten neuen Sparäume sind ein Vorzeigeobjekt moderner alpiner Baukunst mit Bezug zur regionalen Architektur, das auch dem bayerischen Wirtschaftsminister Martin Zeil (FDP) gefallen könnte. Nach eigenen Angaben genießt er das bayerische Oberland und verbringt seinen nächsten Urlaub, der Ruhe wegen, im heimatlichen Gauting. Nicht nur privat zieht er die kleineren Hoteleinheiten den großen All-inclusive-Hotelketten vor. Durch die Förderung mittelständischer Unternehmen will er die Vielfalt im bayerischen Hotelleriewesen erhalten.
Und wo verbringt der braungebrannte Präsident der Bayerischen Architektenkammer Lutz Heese seinen Sommerurlaub? Mit derartigen launigen Fragen, die den Temperaturen geschuldet waren, amüsierte Moderatorin Sabine Reeh, Leiterin der Redaktion Kulturberichte und Kulturpolitik des Bayerischen Fernsehens, nicht nur ihre beiden Gesprächspartner Martin Zeil und Lutz Heese, sondern auch die Zuhörer. In der Reihe „Politik im Dialog“ stand im Haus der Architektur stand die Veranstaltung unter dem Motto: „Planen und Bauen – Konzepte für den wirtschaftlichen Erfolg“.
Zeil, der schon einige staatliche Konjunkturpakete geschnürt hat, will den Blick für die Zusammenhänge zwischen erfolgreichem Tourismus und gelungener, mutiger Architektur öffnen. Er sieht in der Tourismusarchitektur ein weites Feld, das noch zu beackern ist. „Bayern darf als Tourismusland Nummer eins in Deutschland nicht nur auf seine einmaligen Landschaften und kulturellen Besonderheiten setzten“, mahnte der Minister. Er unterstrich den Wirtschaftsfaktor Tourismusarchitektur, worin er zudem ein vielversprechendes Zukunftsthema sieht. Mit dem gemeinsam von seinem Haus und der Bayerischen Architektenkammer ausgelobten Tourismusarchitekturpreis sollen Anreize für zusätzliche Investitionen geschaffen werden.
Gleichzeitig hat der Minister mit Blick auf die Sünden der Vergangenheit – Staatsverschuldung und Über-die-Verhältnisse-leben – den Schuldenabbau auf dem Plan. Das allmähliche Anspringen der Wirtschaft teilweise durch staatliche Hilfe dürfe aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Krise noch nicht überwunden ist. „Wir müssen einen Weg finden, der von den staatlich initiierten konjunkturellen Impulsen wieder zu einem sich selbst tragenden Aufschwung führt – davon wird die Bauwirtschaft in unterschiedlicher Weise profitieren“, so Zeil.


Energieeffizienz


Den baulichen Bestand zu sanieren, gilt nicht nur für den Hotelbau. Auch der Wohnungsbau oder öffentliche Gebäude bieten eine Chance, insbesondere unter der Prämisse der Energieeffizienz einen Anreiz zu schaffen, werthaltig zu investieren. Heese gab zu Bedenken, dass hier auch das Mietrecht zu überdenken sei und knüpfte daran die Frage nach der Aufteilung der Kosten zwischen Eigentümern und Mietern. Letztere, die davon profitieren, dass sie Nebenkosten sparen, werden laut Heese derzeit zu wenig zur Kasse gebeten. Das konfliktbeladene Verhältnis zwischen Mieter und Vermieter hätte bislang nur Papierkram zutage gefördert. „Dem eigentlichen Ziel der Klimaverbesserung sei man damit nicht näher gekommen“, so die Einwände des Ministers.
Moderne Umwelttechnologien seien weltweit gefragt und ein Jobmotor. Nicht zuletzt, aufgrund der Marktführer in Oberbayern. Die schon lange entwickelte Idee von Bündnis 90/Die Grünen, in grüne Energie zu investieren, würde jetzt auch von der FDP als zukunftsträchtig erkannt und mehrheitsfähig. Dank des Qualifikationsvorsprungs im technologischen Know-how und des guten Rufs des German Engineering im Ausland sieht Zeil ein enormes Potenzial für die freien Berufe. Dabei könne die Politik ein Türöffner sein. Für den Kammerpräsidenten ist das erklärte Ziel, den Export der Architektur made in Bayern von derzeit sieben auf 20 Prozent zu steigern.
„Degressive Abschreibung“ lautet für Heese die Zauberformel beim Bauen. Die nicht lineare Abschreibung entspricht auch der finanzpolitischen Grundlinie des Ministers, der darüber hinaus für eine Steuervereinfachung plädiert.
Heese lobte die Anstrengungen des Kabinetts, Kontakte auch zum Ausland zu fördern. Gemeinsame Delegationsreisen, um Netzwerke aufzubauen, wie beispielsweise jüngst nach Moskau, seien da ein Schritt in die richtige Richtung.
(Angelika Irgens-Defregger)

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