Bauen

O´Brien Kaserne, Schwabach. Der Quartiersplatz wird eingerahmt von den denkmalgeschützten Stallungen, in denen attraktive Wohnungen für Familien realisiert wurden. (Foto: Lemke Architekten, Schwabach)

17.07.2015

"Neupositionierung der Ortsentwicklung"

Helmut Schütz, Leiter der Obersten Baubehörde (OBB), über die Unterstützung der Kommunen bei der Konversion von Brachflächen

Ein wesentliches Ziel der städtebaulichen Erneuerung ist es, Brachflächen sinnvoll zu nutzen. Um den Verbrauch unbebauter Flächen so gering wie möglich zu halten, ist die Nachnutzung von bestehenden Arealen und Gebäuden immer einer Entwicklung in die freie Landschaft vorzuziehen. Brachflächenkonversion erfordert von den Gemeinden oft eine Neupositionierung ihrer Ortsentwicklungspolitik, bietet aber auch ein enormes Potenzial. Die Städtebauförderung ist das wichtigste staatliche Instrument, um Städte und Gemeinden bei diesen Veränderungen zu unterstützen.
Seit dem Niedergang der Glas-, Porzellan- und Textilindustrie liegt ein Schwerpunkt der industriellen Brachflächenkonversion vor allem in Nord- und Ostbayern. Die Auswirkungen des wirtschaftlichen Strukturwandels zeigen sich hier besonders deutlich.
Durch die Schließung von Militärstandorten der Bundeswehr und der US-Armee ergab sich ein weiteres Handlungsfeld der Städtebauförderung. Auf vielen ehemaligen Kasernenarealen in Bayern sind seit den 1990er Jahren neue attraktive Wohn- oder Gewerbegebiete, Stadtteilparks, Kultureinrichtungen, Hochschulen und Dienstleistungszentren entstanden. Die Wohnungen der Streitkräfte wurden an zeitgemäße Standards angepasst, im Umfeld wurden soziale Infrastruktureinrichtungen und Nahversorgungsangebote geschaffen.
Ein besonders gelungenes Beispiel für die erfolgreiche Umnutzung eines Militärstandorts sind die „O’Brien-Barracks“ in Schwabach. Mit dem Ziel, einen lebendigen Stadtteil zu entwickeln, hat die Stadt hier zunächst Kultur- und Bildungseinrichtungen in markanten, erhaltenswerten Kasernengebäuden untergebracht. Mit Mitteln der Städtebauförderung haben wir die Stadt bei der Anlage eines zentralen Quartiersplatzes und eines Museumsparks sowie bei der Erweiterung des Stadtmuseums unterstützt. Durch diese Investitionen und durch die Verkehrsanbindung des neuen Stadtteils wurde das ehemalige Kasernenareal als Wohngebiet zunehmend attraktiv. Auch in den historischen, denkmalgeschützten Stallungen konnten inzwischen Wohnungen eingebaut werden.
Die 2011 bekannt gegebene Reform der Bundeswehr führt zu einer Schließung weiterer Militärstandorte. Hinzu kommt ein vollständiger Abzug der amerikanischen Streitkräfte aus Bamberg und Schweinfurt. Bei den Standortentwicklungskonzepten werden die betroffenen Kommunen im Rahmen der Städtebauförderung fachlich und finanziell unterstützt. Seit 2012 stellt der Freistaat für die Vorbereitung städtebaulicher Militärkonversionen jährlich drei Millionen Euro staatliche Finanzhilfen bereit.

Zeugnisse
herausragender Baukunst


Auch die Weiterentwicklung von Bahnarealen ist für Städte und Gemeinden eine besondere Herausforderung. Bahnhöfe sind aufgrund der historischen Entwicklung meist Bindeglieder zu den Ortskernen und Innenstädten. Wegen der oft zentralen Lage bieten sie sich, zusammen mit den zur Verfügung stehenden freien Flächen, für eine attraktive Nachverdichtung mit Geschäften, Arbeitsplätzen und Wohnungen an. Durch die Neuordnung und -gestaltung der Verkehrsflächen lässt sich auch das Bahnhofsumfeld aufwerten.
Bahnhofsgebäude sind vielfach auch Zeugnisse herausragender Baukunst. Hier können sich völlig neue Nutzungen ergeben, bei denen die wertvolle Bausubstanz erhalten bleibt. Die in Bayern bereits umgesetzten Beispiele reichen vom Fahrradparkhaus in Bamberg, das aus einem ehemaligen Bahnbetriebsgebäude entstanden ist, über ein Kulturzentrum in Eckental im Landkreis Erlangen-Höchstadt bis hin zum Proberaum für den örtlichen Musikverein in Farchant im Landkreis Garmisch-Partenkirchen. Größere, für den Bahnbetrieb nicht mehr benötigte Flächen eignen sich zur Gestaltung von Parkanlagen, wie Beispiele in Lindenberg im Landkreis Lindau (Bodensee) und in Mitterteich im Landkreis Tirschenreuth zeigen.
Die Städtebauförderung unterstützt Kommunen in Bayern schon seit vielen Jahren bei den vielfältigen Konversionsmaßnahmen. Von den gesammelten Erfahrungen mit bereits umgesetzten Projekten können andere Städte und Gemeinden profitieren.
Zu den Themen Militärkonversion und Bahnflächenkonversion hat die Oberste Baubehörde Arbeitshilfen für die Kommunen veröffentlicht, die ein Anreiz zum Erfahrungsaustausch und Vorbild für die anstehenden Aufgaben sein können. Auf der Internetseite http://www.stmi.bayern.de/buw/staedtebaufoerderung/veroeffentlichungen/ lassen sich die Dokumente im PDF-Format herunterladen oder als kostenlose Print-Exemplare bestellen.

(Helmut Schütz, Leiter der Obersten Baubehörde - Foto: Friedrich H. Hettler)

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