Bauen

In der ehemaligen Mainau-Kaserne ist die III. Bereitschaftspolizeiabteilung Würzburg untergebracht. (Foto: Gerhard Hagen)

26.09.2014

Nur die pittoreske Fassade blieb erhalten

Generalsanierung und Umbau der Polizeiunterkunft "Gebäude 16" in Würzburg

Die Polizeiunterkunft „Gebäude 16“ befindet sich in der denkmalgeschützten ehemaligen Mainau-Kaserne in Würzburg. Die Kaserne wurde 1907/1908 für das Königlich-Bayerische 11. Feld-Artillerie-Regiment in Gestalt einer historisierenden Gebäudegruppe erbaut. Die zum Teil kriegszerstörten Gebäude wurden in den 1950er Jahren wieder aufgebaut und 1954 erfolgte der Bezug der Liegenschaft durch die III. Bereitschaftspolizeiabteilung Würzburg. Die Dienststelle bildet heute vor allem junge Polizeibeamtinnen und Polizeibeamte aus und ist darüber hinaus Standort für Einsatzkräfte.
Das Gebäude 16 ist Teil einer zentralen Gebäudegruppe in städtebaulich prominenter Lage der Liegenschaft. Das Erscheinungsbild des dreigeschossigen Satteldachbaus mit den querstehenden viergeschossigen Kopfbauten ist geprägt von Putzmauerwerk mit sparsamen Sandsteingliederungen über einem Kalksteinsockel. Im Rahmen der Projektentwicklung wurde das Staatliche Bauamt Würzburg beauftragt, Varianten zur Ertüchtigung des Gebäudes – das seit seiner Errichtung durchgängig als Unterkunft genutzt wurde – aufzuzeigen, um den heutigen Anforderungen an ein zeitgemäßes Unterkunftsgebäude gerecht zu werden.
Untersuchungen der Bausubstanz zeigten gravierende Mängel in den Bereichen Brandschutz und Statik auf, die eine Sanierung unter Beibehaltung der inneren Gebäudekonstruktion ausschlossen. In Abstimmung mit dem Landesamt für Denkmalpflege wurde daher eine umfangreiche Totalentkernung des denkmalgeschützten Gebäudes unter Beibehaltung der historischen Fassade und Neuaufbau der gesamten inneren Konstruktion konzipiert. Im Oktober 2007 erhielt das Bauamt den entsprechenden Auftrag zur Erstellung der HU-Bau und im Oktober 2010 begannen die Bauarbeiten.
Im Rahmen der Rückbauarbeiten wurden rund 7500 Kubikmeter Bauschutt und Schadstoffe aus dem Bestandsgebäude abgetragen. Schließlich blieb vom Bestand nur noch die Fassade stehen, welche über eine aufwendige Fassadensicherung zusammengehalten werden musste. Sämtliche Innenwände, Geschossdecken, Dächer und Treppenhäuser wurden anschließend neu aufgebaut. In diesem Zusammenhang wurde auch eine barrierefreie Erschließung des Gebäudes realisiert.
Aufgrund funktionaler und wirtschaftlicher Überlegungen wurden die im Bestand ursprünglich einhüftig erschlossenen Geschosse mit sehr tiefen Räumen zur Südseite und Fluren entlang der nördlichen Außenwand so umstrukturiert, dass nun innenliegende Flure mit beidseitig angrenzenden Unterkunftszimmern die Grundrissstruktur prägen. Auch die früher ungenutzten Dachräume sind nun mit Unterkunftsräumen ausgestattet. Großzügige, moderne Dachgauben sorgen für den entsprechenden Raumgewinn sowie die Belichtung.
Nach der Generalsanierung finden nun 126 Wohneinheiten, vorwiegend als Doppelzimmer mit eigener Nasszelle konzipiert, in dem Gebäude Platz. Aufgrund der durch die Bestandsfassade vorgegebenen Geschossabmessungen sind verschiedene Zimmertypen entstanden, die in Größe, Ausrichtung und Belichtungssituation variieren. Zusammen mit der großzügigen Raumhöhe in den Regelgeschossen sind individuelle Unterkunftsräume entstanden, die sich wohltuend von der üblichen Addition gleichartiger Wohneinheiten in anderen Unterkunftsgebäuden abheben.
Gemeinschaftsflächen in Form von Teeküchen sowie eines Sozialraums und einer Dachterrasse ergänzen das Raumangebot und fördern die Kommunikation unter den Bewohnern. In den Spitzböden befinden sich die Lüftungszentralen und im Kellergeschoss die übrigen Technik- und Nebenräume. Im Planungsprozess wurde frühzeitig ein Musterzimmer einer Unterkunftseinheit errichtet. In enger Abstimmung zwischen Bauamt und Nutzer konnten so vor Baubeginn die Raumabmessungen, Materialien und Ausstattungen und somit auch die künftige Raumwirkung und Funktionalität in diesem 1:1-Modell überprüft und festgelegt werden.

4250 Quadratmeter Nutzfläche


Für die energetische Optimierung wurden alle Obergeschosse mit einer mineralischen Innendämmung versehen. Zur Beheizung ist das Gebäude an das Fernwärmenetz der Liegenschaft angeschlossen. Die Unterkunftseinheiten sind mit einer kontrollierten Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung ausgestattet. Die Beleuchtung ist in allen Räumen präsenzgesteuert. Eine moderne Gebäudeleittechnik verknüpft die Komponenten Heizung, Lüftung, Sonnenschutz und Beleuchtung miteinander. Alle Raumfunktionen sind nach Jahreszeit und Witterung vorprogrammiert, was zu einem energetisch optimierten Betrieb mit reduzierten Verbrauchskosten führen soll.
Zur Erhöhung der Nutzerzufriedenheit besteht in den Unterkunftseinheiten die Möglichkeit, in gewissem Maße die voreingestellten technischen Raumfunktionen zu steuern.
Für die Kunst am Bau konnte Christian Irmler aus Ravensburg gewonnen werden. An mehreren Stellen in den Geschossfluren des Gebäudes wurden großformatige Foliendrucke installiert, die grafisch bearbeitete Fotografien von Szenarien aus dem Einsatz- und Übungsbetrieb der III. Bereitschaftspolizeiabteilung darstellen. Die Motive wurden in enger Abstimmung zwischen Nutzer und Grafiker entwickelt und durch Polizeipersonal der Liegenschaft nachgestellt, was zu einer hohen nutzerseitigen Identifikation mit der Kunst am Bau führte.
Im Juli 2014 konnte das Unterkunftsgebäude an die III. Bereitschaftspolizeiabteilung zur Nutzung übergeben werden und im August 2014 fand die offizielle Einweihung statt. Die Gesamtbaukosten belaufen sich auf rund 15,8 Millionen Euro. Nach der Sanierung stehen dem Nutzer etwa 4250 Quadratmeter Nutzfläche zur Verfügung. Sämtliche Architektenleistungen von der Projektentwicklung bis zur Überwachung der Bauausführung sowie die komplette Projektsteuerung wurden von Mitarbeitern des Staatlichen Bauamts Würzburg bearbeitet.
Die Bayerische Bereitschaftspolizei hat mit diesem Projekt ein individuelles Unterkunftsgebäude von hoher städtebaulicher und architektonischer Qualität erhalten, das sich im Spannungsfeld zwischen Denkmalschutz sowie heutigen bautechnischen und gestalterischen Ansprüchen positioniert und den Anforderungen des Nutzers in hohem Maße Rechnung trägt. Die Maßnahme wertet den Ausbildungsstandort Würzburg erheblich auf und ist landesweit betrachtet ein positives Signal für die Optimierung der Rahmenbedingungen der Polizeiausbildung in Bayern, indem die Neueinstellung junger Polizeibeamten durch die Bereitstellung zeitgemäßer Unterkünfte begleitet wird. (Alexander Sieg)

(Rund 15,8 Millionen Euro wurden in die Generalsanierung der Polizeiunterkunft investiert - Fotos: Gerhard Hagen)

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