Bauen

Das Ludwig-Ferdinand-Palais. (Foto: Hettler)

20.08.2010

Nur Klenzes Fassade bleibt

Das Ludwig-Ferdinand-Palais in München soll umgebaut werden

Das Ludwig-Ferdinand-Palais mit dem Siemens-Hauptquartier am Wittelsbacherplatz in München, eines der bedeutendsten Bauwerke Leo von Klenzes, steht vor einer gründlichen Veränderung. Von dem Bau bleibt nur die historische Fassade stehen, da sie Denkmalschutz genießt.
Der Palast, der den Wittelsbacherplatz nach Norden abriegelt, war von vornherein ein Spekulationsobjekt. 1824 sicherte sich ein höherer Beamter der Staatschuldentilgungs-Commission das Areal, auf dem Klenze eigentlich zunächst eine evangelische Kirche platzieren wollte. Der Beamte verkaufte das Grundstück gleich wieder an einen Golddrahtfabrikanten und dieser gab den interessanten Baugrund ebenso gewinnbringend an den Maurermeister Franz Xaver Widmann weiter. Für diesen baute Klenze. Er bezog auch gleich für 25 Jahre einen Teil der ersten Etage als Stadtwohnung. 1868 wurde das ohnedies sehr breite Palais, das durch mehrere Hände ging, noch um drei Fensterachsen, einen Flügelbau und einen Balkon vergrößert. Zehn Jahre später erwarb es Prinz Ludwig Ferdinand von Bayern, nach dem es dann auch inoffiziell benannt wurde.
Der in Madrid geborene Neben-Wittelsbacher und seine Familie residierten dort lange Tür an Tür mit der süddeutschen Holzindustrie. Als Ludwig Ferdinand von Bayern 1949 im Alter von 90 Jahren starb, wurde das inzwischen wiederaufgebaute Haus von der Firma Siemens & Halske angemietet. Untergebracht wurden aber zunächst nur der Fuhrpark und ein Kasino. Außerdem hatte Prinz Konstantin von Bayern noch eine Untermietwohnung. 1957 verkaufte sein Vater, Prinz Adalbert, das Palais an die Siemens-Grundstücksgesellschaft.
Die neuen Herren ließen eine Freitreppe und eine große Eingangshalle einpassen, die repräsentativsten Räume durch den Wiener Stararchitekten Hans Hollein mit Rosenpalisander, Marmor und Messing wie einen Luxusliner verkleiden, andere in den Farben Weiß-Blau ausmalen und ab 1973 auch die schöne Fassade sanieren, wobei der originale rosa Farbton wieder zum Vorschein kam. Heute ist das Ludwig-Ferdinand-Palais das Hauptquartier dieses Wirtschaftsimperiums. Hinter den spätklassizistischen Fassaden verbirgt sich eine Bürowelt in Weiß.


Baukastenprinzip


Über die große Freitreppe gelangt der Besucher von einem Gebäude ins andere. Sie alle sind nach dem Baukastenprinzip montiert und raffiniert ineinander verschachtelt. Man wird geführt über Treppen und lange Gänge; einer windet sich spiralförmig. Man umkreist kleine Höfe; in einem steht ein eigens aus New York importierter Baum, eine botanische Seltenheit. Auch empfindet man, trotz aller Betriebsamkeit in den Büros, eine seltsame Ruhe und eine ungewöhnliche Helligkeit. Alles ist schneeweiß und lichtdurchflutet.
Dunkel ist allein das Porträt in einem der Foyers, das der Malerfürst Lenbach vom Firmengründer Werner von Siemens gemalt hat. Die Vorstandsetage ist durch eine Glastür vom ohnehin beschränkten Besucherverkehr getrennt. Bis zum Altstadtring hinüber zieht sich der Verwaltungskomplex. Dass darin fast tausend Mitarbeiter beschäftigt sind, ist der schmalen, rosafarbenen Hauptfront gewiss nicht anzusehen. 2008 erst erhielt das „Pink-Palais“, wie Siemensianer den Hauptbau tauften, einen neuen Anstrich; drei Millionen Euro hat das gekostet.
Zu abgeschlossen von der Stadt, zu unübersichtlich, zu verschachtelt empfanden viele Mitarbeiter das aus nicht weniger als 15 Einzelgebäuden zusammengefügte Ensemble. Bis zum Jahr 2015 soll es nun im Inneren völlig neu bebaut werden. Es soll durchlässig die Innenstadt mit dem wachsenden Museumsviertel verbinden und einen eigenen kleinen Stadtteil bilden. Unten sollen Passagen mit Geschäften und Gastronomie entstehen, nur oben Büros. Anfang 2011 will der Bauherr einen internationalen Architektenwettbewerb ausschreiben, 2012 könnten die Bauarbeiten beginnen.
(Karl Stankiewitz)

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