Bauen

Die Kaskaden sind fertig. (Foto: Green City Energy)

17.12.2010

Ökostrom für 4000 Haushalte

Das Praterkraftwerk in München ist fertiggestellt

Die Baustraße samt Bagger ist verschwunden, die Großen Kaskaden sind in ihrer ursprünglichen Form wieder hergestellt und die Isar fließt wie gewohnt unter der Maximiliansbrücke Richtung Friedensengel. Nach knapp anderthalb Jahren Bauzeit ist vom Praterkraftwerk, einem Gemeinschaftsprojekt der Green City Energy GmbH und den Stadtwerken München (SWM), nicht mehr viel zu sehen. Lediglich die Informations-Tafel und die kleine Trafostation am linken Ufer verraten, dass hier im Herzen Münchens ein unterirdisches Wasserkraftwerk klimafreundlichen Strom für über 4000 Haushalte erzeugt. Damit ist das jüngste Wasserkraftwerk der Isar im Münchner Bereich am Netz, mit dem nun alle vorhandenen Potenziale der Fluss-Energie erschlossen sind.
Angetrieben von der natürlichen Kraft der Isar, strömen maximal 34 000 Liter Wasser pro Sekunde durch den Stollen unter dem Flussbett, um an seinem Ende eine 30 Tonnen schwere High-Tech-Turbine anzutreiben. Im Vorfeld machte das Hochwasser immer wieder schwer zu schaffen. Doch zu Verzögerungen beim Bau kam es nicht nur durch intensive Regengüsse. Vor allem der extrem verdichtete Untergrund des Flussbetts stellte die Projektpartner vor unerwartete Herausforderungen.
So stieß man bei den Aushubarbeiten auf massive Eichenholzpfähle von historischer Bedeutung. Diese gehörten zum Triftkanal, der am Einlaufbauwerk des Praterkraftwerks von der Isar abzweigte und zum königlichen Holzgarten im Lehel führte. Bis zur Erfindung der Eisenbahn wurde über diesen Kanal das Brennholz aus dem Oberland zur Residenz befördert. Insgesamt waren 30 Lastwagen nötig, um die gut erhaltenen Holzreste abzutransportieren.
Stephan Schwarz, SWM Geschäftsführer Versorgung und Technik: „Mit dem Praterkraftwerk haben wir ein weiteres Projekt im Rahmen unserer Ausbauoffensive Erneuerbare Energien erfolgreich realisiert. Das Kraftwerk ist in vielerlei Hinsicht bemerkenswert, vor allem natürlich, weil es mitten in der Stadt, Energie unterirdisch und C02-frei erzeugt. Hier sind auf beispielhafte Weise die Anforderungen von regenerativer Energieerzeugung, Ökologie und auch Stadtgestaltung berücksichtigt worden. Das Praterkraftwerk ist unser elftes Wasserkraftwerk in und um München und eine hervorragende Ergänzung für unseren Kraftwerks-park.“

Neun Meter Gefälle


Zur ökologischen Stromerzeugung nutzt das Praterkraftwerk die Wasserkraft, die durch das natürliche Gefälle von etwa neun Metern an dieser Stelle der Isar entsteht. Bei voller Auslastung reicht die Energie-Ausbeute des Kraftwerks sogar für die Versorgung von bis zu 5000 Haushalten. „Der Clou am Praterkraftwerk ist, dass hier unsichtbar, geräusch- und emissionslos zehn Millionen Kilowattstunden Ökostrom erzeugt werden. Damit können jährlich rund 9000 Tonnen Kohlendioxid einspart werden – das ist an einem innerstädtischen Standort einmalig“, freut sich Thomas Prudlo, Geschäftsführer Green City Energy.
„Das Praterkraftwerk verbindet vorbildlich Ökologie und Ökonomie miteinander und zeigt deutlich, das heimische Potenziale genutzt werden müssen, um die Umstellung zur nachhaltigen Energieversorgung auf 100 Prozent Erneuerbare Energien zu erreichen“, betont Prudlo.
Am linken Ufer oberhalb des Praterwehrs wird das Wasser der Großen Isar in das Einlaufbauwerk abgeleitet, wo es über eine unterirdische Druckleitung unter dem Flussbett zur Turbine geschleust wird. Sie ist das Herz der Anlage, die unter den Kaskaden an der Maximiliansbrücke eingebettet ist und den Generator antreibt.
„Für alle Bauwerke – den Triebstollen, das Einlaufbauwerk und das Krafthaus – wurden insgesamt 3500 Kubikmeter Stahlbeton verarbeitet. Dabei wurde durch die optimale Anpassung des Entwurfs an das gewachsene Stadtbild so wenig und schonend wie möglich in das Landschaftsbild und das Ökosystem eingegriffen. So konnten wir den Zielen des Klimaschutzes und des Naturschutzes gleichermaßen gerecht werden“, versichert Bernhard Thiersch, Technischer Geschäftsführer der Praterkraftwerk GmbH.
„Dieses Kraftwerk ist in mehrfacher Hinsicht bemerkenswert: Künftig wird hier ohne CO2-Ausstoß Energie für Münchner Haushalte erzeugt und das ist praktizierter Klimaschutz. Es ist dabei eine vorteilhafte Kooperation zwischen den SWM und der privaten Green City Energy zustande gekommen, von der beide Seiten profitieren und für die ich mich deshalb nachdrücklich eingesetzt habe. Und es ist gelungen, einen beispielhaften Ausgleich zwischen den Anforderungen regenerativer Energieerzeugung und der ökologischen Belange der natürlichen Umgebung zu finden. Es wurde so wenig und so schonend wie möglich in die Natur eingegriffen“, zeigte sich Oberbürgermeister Christian Ude nicht nur von der Technik beeindruckt.
Mit Abschluss der Bauarbeiten ist das Praterkraftwerk lediglich durch einen Zugang und eine kleine Trafostation am linken Ufer sowie durch die Absperreinrichtungen am Einlaufbauwerk zu erkennen. Der Naturraum mit dem natürlichen Baumbestand sowie das städtebauliche Ensemble im Bereich der Maximiliansbrücke wurden so weit wie möglich im ursprünglichen Zustand belassen.

Spezielle Turbine


Die verwendete Kaplan-Rohr-Turbine wurde speziell für diesen Einsatzort entwickelt und verbindet modernste Technologien aus Wind- und Wasserkraft. Der Generator und das „elektronische Getriebe“ stammen ursprünglich aus der Windkraft.
Um der Verantwortung für die Umwelt Rechnung zu tragen, sichern festgelegte Mindestwassermengen den Erhalt der Gewässerökologie. So werden alle Anforderungen der Fischerei und Fließgewässerökologie zum Schutz von Fischen absolut erfüllt. Das Praterkraftwerk stellt keine Beeinträchtigung für im und am Wasser lebende Tiere dar. Bei der Nutzung des Isarwassers werden die Mindestwassermenge der Kleinen Isar und die besonders sensible Situation der Isar an der Maximiliansbrücke berücksichtigt. Auch die Speisung der Stadtbäche hat weiterhin absoluten Vorrang und die Abgabe von Wasser über die Kaskaden ist gesichert. (BSZ)

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