Bauen

Die hochmoderne Feinkostmanufaktur mit Bürohaus und Shop in Parsdorf. (Foto: ATP/Becker)

20.08.2015

Offene Glasfassade

Feinkostmanufaktur mit Bürohaus und Shop in Parsdorf bei München

In Parsdorf bei München steht seit Ende 2014 eine hochmoderne Feinkostmanufaktur, integral geplant von Spezialisten für Lebensmittelindustrie bei ATP architekten ingenieure (Innsbruck). Aufgrund fehlender Erweiterungsmöglichkeiten und mangelnder Qualitäten des Bestandsgebäudes entschied sich das erfolgreiche Familienunternehmen Kugler Feinkost für den Bau eines neuen Produktions- und Verwaltungsgebäudes. Die neue Manufaktur entstand auf Basis eines Masterplans, der von Foodfab gemeinsam mit dem Bauherrn entwickelt wurde. Foodfab ist eine ATP Consulting-Gesellschaft, die sich mit Prozessoptimierung im Bereich Lebensmittelindustrie beschäftigt. Das repräsentative Bürohaus, in das auch ein Manufakturverkauf integriert ist, basiert auf den Entwürfen von ATP sphere, einer Forschungsgesellschaft für nachhaltige Designlösungen.
In einem interdisziplinären Prozess mit eigenen Planungsexperten für Produktion, Büro, Handel und Logistik entwickelte ATP eine gestalterisch und technisch höchsten Anforderungen entsprechende Modellfabrik für Premium Convenience Food. Bereits in der Konzeptionsphase mit dem Bauherrn wurde das Gebäude nicht als statisches Raumgebilde verstanden, sondern als dynamisches Skelett eines sich ständig entwickelnden Produktionsorganismus. Erweiterungsmöglichkeiten aller Bereiche um nahezu das Doppelte waren hierbei vorzusehen. Das Besondere an diesem Projekt ist die geglückte Kombination aus einer modernen, prozessoptimierten Produktionsanlage und einem repräsentativen Bürohaus mit edlem Fabriksverkauf. In beiden Bauaufgaben wurde auf die hohe Aufenthaltsqualität für Mitarbeiter großer Wert gelegt. 
Der bestehende Produktions- und Verkaufsstandort in Grasbrunn nahe München wurde auf ein etwa zehn Kilometer entferntes neues Grundstück in Parsdorf verlagert. Das 27.000 Quadratmeter große Areal erfüllte die Prämissen der Erweiterungsfähigkeit und lag günstig nahe dem Autobahnkreuz. Alle Bereiche sind bei maximaler Grundstücksnutzung erweiterbar. Der straßenseitig situierte Verwaltungsbau einschließlich Direktverkaufsflächen zeigt sich präsent im Straßenbild. Dahinter ragt die direkt angeschlossene Manufaktur hervor.
Die beiden Bürogeschosse des repräsentativen Office-Gebäudes ruhen aufgeständert auf dem Verkaufsbereich im Erdgeschoss. Dieser schiebt sich etwas zurückversetzt unter die Obergeschosse und trägt wie ein gläserner Sockel die darüberliegende Hauptverwaltung. Der an den Direktverkauf angeschlossene Gastronomiebereich mit angeschlossener Sonnenterrasse bietet den Kunden exklusive Aufenthaltsqualität.
Die offene Glasfassade lädt mit Schaufenstern im Bereich des Manufakturverkaufs zum Flanieren ein. Bereits von außen ist das Warensortiment in einem hochwertig gestalteten Shopinterior zu sehen. Die Büros in den oberen Geschossen sind ebenfalls ab Brüstungshöhe verglast. Die vorgehängte graue Fassade ist im Bereich des Besprechungsraums als Terrasse ausgeführt und bildet mit tiefen Laibungen einen baulichen Sonnenschutz. Dadurch wird der veränderliche Sonnenstand über die Jahreszeiten hinweg positiv für die Energiebilanz des Gebäudes genutzt und besonders im Winter das Wohlbefinden der Mitarbeiter_innen durch vermehrten Lichteintrag verbessert. Als praktischer Nebeneffekt kann auf mechanisch-elektrische Sonnenschutzeinrichtungen weitestgehend verzichtet werden.
Die am Standort hergestellten Produkte werden im hauseigenen Shop präsentiert und verkauft. Dieser ist mit geöltem Eichenparkett und Holzelementen in edlem Design gestaltet. Natürliche Materialien stellen einen spürbaren Bezug zum gelebten Handwerk her. Der integrierte, hochwertig ausgestattete Gastrobereich dient der Direktverkostung. Die modernen Officebereiche sind in Großraum- und Einzelbüros gegliedert. Viel Tageslicht schafft helle, mitarbeiterfreundliche Arbeitsplätze. Glastrennwände erlauben Sichtbeziehungen zwischen den Büros. Die weiß-graue Farbgestaltung geht eine harmonische Verbindung mit großzügig verwendeten Echtholzflächen ein. Heimisches Lärchenholz kommuniziert die Verwurzelung des Bauherren im lokalen Umfeld und die gelebte Verbindung zur Natur. Im Empfangsbereich überraschen leuchtend grüne Mooswände. Diese unterstreichen den besonderen Anspruch an die Aufenthaltsqualität am Arbeitsplatz.
Die eingeschossige Produktion und ein dreigeschossiger Nebenflächentrakt schließen an der Rückseite nahtlos an das Bürohaus an. Dabei setzt sich die hinter dem Bürogebäude hervorragende, kompakt gestaltete Fassade der Produktion mit der schlichten, silbergrauen Außenhaut zurückhaltend ab. Durch die enge bauliche Verknüpfung von Verwaltung, Verkauf und Produktion wurden einerseits die produktionstechnischen Beziehungen und Abläufe optimiert, andererseits auch die Kommunikationsmöglichkeiten der Mitarbeiter verbessert. Der Anspruch des „Gemeinsamen“, den sich der Bauherr – der Familienbetrieb Kugler – zum Ziel gesetzt hat, manifestiert sich in einer für alle nutzbaren lichtdurchfluteten Mitarbeiterlounge, die auf eine Dachterrasse auf dem begrünten Dach der Verwaltung führt.
Die innere Organisation der Produktion bildet einen linearen Produktfluss von Wareneingang zu Warenausgang ab. Letztere sind jeweils auf der gegenüberliegenden Gebäudeseite angeordnet und verfügen über eigene Ladehöfe. Intern klar unterteilt in drei ansteigende Hygienezonen wurde der hohe Qualitäts- und Frischeanspruch des Unternehmens auf mehreren tausend Quadratmetern hexagonaler Industriefliesen umgesetzt. Die dazu notwendigen Qualitätssicherungs- und Meisterbüroflächen befinden sich auf einem Zwischengeschoss im Herz der Produktion. Ein Zwischentrakt liegt an der Schnittstelle zwischen Bürogebäude und Produktion. Hier sind die Flächen für Waren- und Verpackungslager, Großtanklager für flüssige Lebensmittel, Technik (Heizung, Lüftung, Kälte), Sozialräume und Mitarbeiterlounge mit Kantine angeordnet. Dieser Bereich kann um ein Obergeschoss aufgestockt werden. Auch die Produktion ist im Erdgeschoss längsseitig um annähernd 100 Prozent vergrößerbar. Durch gezieltes Vorhalten kleinerer Erweiterungsflächen kann auch laufenden Veränderungen Rechnung getragen werden.
Neben der laufenden Rückgewinnung gebäudeinterner Abwärme wird unterstützend eine hocheffiziente Kraft-Wärme-Kopplung eingesetzt. Nicht zuletzt durch energiesparende LED-Beleuchtung in Kombination mit UV-reduzierten und splittergeschützten Leuchtmitteln in der Produktion übertrifft das Gebäude die gesetzlich geforderten Energieeffizienzwerte erheblich.  Eine bauteilaktivierte Betondeckenkonstruktion garantiert ein angenehmes Raumklima im Veraltungsbereich durch zugfreie Kühlung im Sommer und angenehme Strahlungswärme im Heizfall.
Die tragende Konstruktion des Bürogebäudes besteht aus Stahlbetonflachdecken sowie Ortbetonstützen. Das Gebäude der Nebenflächen besteht aus Fertigteilen (Stützen, Trägern, TT-Platten). Die Gründung dieser Bauteile erfolgt über Ortbetonfundamente. Die Produktion wird von weitgespannten Stahlfachwerkträgern überspannt, in deren Zwischenräumen ausreichend Platz für die vielfältigen Einbauten der TGA ist. Die Stahlbetonstützen der Produktion sind in Einzelfundamente mit Köcherausbildung eingespannt. (BSZ)

(Die modernen Officebereiche sind in Großraum- und Einzelbüros gegliedert; Blick in die Manufaktur - Fotos: ATP/Becker)

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