Bauen

Die Alhambra mit Blick auf die Sierra Nevada. (Foto: Wiegand)

02.08.2013

Paläste, weiße Dörfer und Höhlenwohnungen

Voller Kontratse ist Andalusiens Architektur

Andalusiens Architektur ist voller Kontraste. Gemeint sind nicht die lieb- und gesichtslosen Bettenburgen entlang der Strände. Die Scala reicht vielmehr von Welterbe-Bauten über traditionelle Dorfarchitektur bis zu Höhlenwohnungen. Zunächst ein Weltkulturerbe sondergleichen: Granadas Alhambra, die einzige, komplett erhaltene maurische Palastanlage weltweit und ein Glanzstück islamischer Baukunst. Schon der Blick vom Mirador (Aussichtspunkt) fasziniert. Gegenüber der Altstadt, auf dem Sabika-Hügel, erstreckt sich der 720 Meter lange, dreiteilige Komplex, geschützt von Mauern und Türmen aus dem 13. Jahrhundert. Dahinter die schneebedeckten Gipfel der Sierra Nevada. Besser lässt sich ein Bau nicht platzieren. Im Westen des dreiteiligen Ensembles liegt die Festung (Alcazaba), die einst bis zu 40 000 Krieger beherbergte, im Osten der weiße Sommerpalast (Generalife). Das Zentrum bilden die Paläste der maurischen Nasriden-Herrscher, errichtet im 14. Jahrhundert. Integriert war die Medina, eine kleine komplette Stadt, die sich dank des ausgeklügelten Bewässerungssystems selbst versorgte.
Als die katholischen Könige Granada 1492 zurückeroberten, übergab Boabdil, der letzte Maurenherrscher, die Alhambra unversehrt. Alsbald wurden die Moscheen zu Kirchen umgestaltet. Außerdem ließ Karl V. ab 1527 einen wuchtigen Renaissance-Palast auf der Westseite anbauen. Fertiggestellt wurde der aber erst Jahrhunderte später und dient jetzt als Museum.
Schon 1013, noch vor dem Bau der Alhambra, hatten die nordafrikanischen Einwanderer Granadas Altstadt gegründet. Weiße Häuser in engen Gassen und stille Plätze lassen die arabische Vergangenheit ahnen. Dass dieses Erbe ein Schatz ist, haben die Stadtväter inzwischen begriffen. Gerade wurde ein orientalisches Bad (Hamam) restauriert. Fein geformte Säulen und Gewölbe künden von der damaligen Hochkultur.

Oft arabische Wurzeln


Auch Andalusiens weiße Dörfer haben oft arabische Wurzeln, so das Bergdorf Zuheros im Naturpark Sierras Subbéticas mit seiner maurischen Trutzburg. Annähernd Authentisches will man auch den Besuchern bieten. Die nahe der Stadt Priego de Córdoba erbaute „Villa Touristica de Priego“ wirkt mit ihren weißen Häuschen und den gewundenen Kopfsteinpflastergassen tatsächlich wie ein andalusisches Dorf.
Dass Traditionelles gut in die heutige Zeit passt, zeigt auch die zunehmende Zahl von Höhlenwohnungen in der Sierra Nevada. Früher gruben sich nur Arme und Flüchtlinge solch eine Bleibe in die Kalkfelsen. Nun legen sich auch Bessergestellte eine Höhlenwohnung zu, statten sie gemütlich aus und ersparen sich die Heizkosten. Die natürliche Raumtemperatur liegt sommers wie winters bei 17 bis 18 Grad Celsius. Für Trinkwasser, Strom und Müllabfuhr sorgen die Gemeinden. Rund 2000 solcher Wohnungen rahmen Guadix. Drinnen, im Stadtmittelpunkt die Kathedrale mit großartiger Barockfassade, draußen das größte Höhlenviertel Europas. Die Landschaft wirkt wie ein Schweizer Käse, doch angesichts der fröhlich-verspielten „Cuevas La Granja“ kommen selbst ausländische Gäste auf den Geschmack.

Höhle nicht gleich Höhle


Wie von Friedensreich Hundertwasser entworfen setzt sich diese Höhlen-Anlage im Dorf Benalua (bei Guadix) in Szene, mitfinanziert vom andalusischen Agrarministerium und der EU. Ziel ist die Belebung des ländlichen Raums und die Schaffung von Perspektiven für die Bewohner. Wikinger Reisen quartiert neuerdings seine Wandergruppen dort ein. Höhle ist aber nicht gleich Höhle. Die Wohnungen in den „Cuevas La Granja“ sind teils riesig und verfügen über vollen Komfort. Heiß sprudelt das Wasser in die Wanne. Im Gegensatz zur sonst üblichen Ausstattung haben diese Wohnungen Zentralheizung, damit sich selbst „Weicheier“ wohlfühlen. Für Ausländer ist’s ein Aha-Erlebnis und Anlass zum Nachdenken über auch daheim mögliche Nutzungen naturgegebener Ressourcen. (Ursula Wiegand)

(Eine Cueva La Granja und Höhlenwohnungen bei Guadix - Fotos: Wiegand)

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