Bauen

Das Technische Ämtergebäude in Bayreuth präsentiert sich in neuer Optik mit moderner Fassade. 42 Erdsonden sorgen für behagliches Klima im Inneren. (Foto: Staatliches Bauamt Bayreuth)

23.08.2013

Pilotprojekt der energetischen Sanierung

Instandsetzung des Technischen Ämtergebäudes in Bayreuth

Aus kleinen Dingen entstehen oft große Aufgaben. Dies bestätigte sich auch im Vorfeld der Gesamtinstandsetzung des Technischen Ämtergebäudes in Bayreuth. Wohl kaum einer ahnte im Jahr 2001, dass sich die erforderliche PCB-Sanierung zu einem Pilotprojekt der energetischen Sanierung mit Passivhauskomponenten entwickelt.
Die PCB-Sanierung blieb bei der weiteren Betrachtung nicht die einzige notwendige Maßnahme, da das Verwaltungsgebäude aus den Baujahren 1972 bis 1974 mit einem Bruttorauminhalt von über 52.000 Kubikmetern dringenden Sanierungsbedarf aufwies. Undichte Fassadenelemente, luftige Fensterkonstruktionen, Lecks in der Flachdachabdichtung und erforderliche Brandschutzmaßnahmen waren nur einige Punkte der Sanierungsmaßnahme.

Fassadenkomponenten im Passivhausstandard


Wegen der erforderlichen Maßnahmen entschied sich die Oberste Baubehörde (OBB) eine Gesamtinstandsetzung als Pilotprojekt am Standort Bayreuth durchzuführen und dabei eine Sanierung im Bestand und während der Nutzung durchzuführen.
Nach der Variantenuntersuchung verschiedener Sanierungslösungen im technischen und konstruktiven Bereich war schnell klar, dass das bekannte Erscheinungsbild der 1970er Jahre zur Anpassung in die von denkmalgeschützten Objekten geprägten Umgebung weitgehend erhalten bleiben musste, jedoch die Fassadenkomponenten konzeptionell im Passivhausstandard ertüchtigt werden sollten.
Weiterhin wurden im Planungsprozess zahlreiche Alternativen zur Ausführung der Gebäudehülle und der -technik untersucht. Angefangen von der „Minimallösung“ entsprechend dem Neubaustandard nach der geltenden EnEV bis eben zum ambitionierten Passivhausstandard. Die daraus entstandenen Möglichkeiten wurden jeweils mit Wirtschaftlichkeitsuntersuchungen hinterlegt. Der Pilotgedanke des Projekts verfolgt eine Sanierung ohne den „klassischen“ Ansatz der oft kostenintensiven Bauteilen im Passivhausstandard, vielmehr wurde mit Standardelementen, durch die Verbesserung des A/V-Verhältnisses und aufgrund der innovativen Technologie der rechnerische Heizenergiebedarf des Passivhausstandards von 15 kWh/m² Nutzfläche erzielt.
Die thermisch aktive Gebäudehülle besteht aus einer zweischaligen wärmegedämmten Fassadenkonstruktion mit vorgehängter Verkleidung, welche im spannungsreichen Kontrast zu den denkmalgeschützten Justizgebäuden im Umfeld steht. Die Außenwände wurden mit 18 Zentimeter Mineralwolle und die Flachdächer im Mittel mit 34 Zentimeter Schaumglas gedämmt. Die Holz-Aluminiumfenster in Niedrigenergiehausqualität erhielten eine automatisierte Verschattungsanlage mit Lichtlenkung, um zusätzliche Wärmelasten von außen zu vermeiden.
Die Ziele der Gesamtinstandsetzung waren eine Einsparung von 400 Tonnen Kohlendioxid, eine Minimierung des Wärmebedarfs von über 90 Prozent und eine Reduzierung der Wärmeverluste der thermischen Gebäudehülle. Durch den Einsatz von regenerativen Energien sollte das Gebäude heiztechnisch ein Selbstversorger werden.
Dafür wurde ein Konzept, welches im Bereich der Geothermie mit 42 Erdsonden einen Wärme- und Kältespeicher bildet. Diese Sonden mit einer Bohrtiefe von rund 100 Metern nehmen die sommerliche Wärme in die Erde auf und geben die dort befindliche Kühle zur Klimatisierung in das Gebäude ab. Im Winter wird umgekehrt die gespeicherte Wärme zur Beheizung des Gebäudes über insgesamt vier Wärmepumpen herangezogen. Der Nebeneffekt dieser doppelten Nutzung der Erdsonden ist eine längere Lebensdauer der erdberührten Bauteile. In der Übergangszeit, also in der beginnenden Heiz- oder Kühlperiode im Herbst und Frühjahr, ist eine direkte Entnahme von Wärme- und Kälteenergie aus den Sonden ohne die Nutzung der Wärmepumpen möglich.
Im Gebäudeinneren wird über großflächige Deckensegel die so gewonnene Wärme beziehungsweise Kälte in die Räume gebracht. Die dazu erforderliche mechanische Lüftungsanlage minimiert mit einer hocheffizienten Wärmerückgewinnung die Lüftungswärmeverluste. Weitere erforderliche Sanierungsmaßnahmen waren das Entfernen der PCB-Primärquellen und das Versiegeln der Kontaktstellen sowie die Demontage aller belasteter Sekundärquellen, was schließlich zu einem Rückbau auf Rohbauniveau führte und den kompletten Innenausbau mit einem neuen Brandschutzkonzept zur Folge hatte.
Der Baubeginn erfolgte für den 1. Bauabschnitt im Sommer 2008 während der 2. Bauabschnitt weiter in Nutzung blieb. Der Einzug in den sanierten Bereich erfolgte im Mai 2010. In diesem Jahr konnte nun nach knapp drei Jahren Bauzeit auch der 2. Bauabschnitt an die Nutzer des Staatlichen Bauamts Bayreuth übergeben werden. Der 1. Bauabschnitt wird zukünftig durch die Autobahndirektion Dienststelle Bayreuth und das Vermessungsamt Bayreuth genutzt.
Bereits der Sommer 2012 bewies, dass die Kühlung des Gebäudes, damals lediglich der 1. Bauabschnitt, erheblich zum positiven Arbeitsklima in einem Verwaltungsgebäude beitrug. Die Kühlung ist dabei aus gesundheitlichen Gründen nicht beliebig von jedem Nutzer einzustellen. Die Spannweite ist allerdings so gestaltet, dass jeder Mitarbeiter in seinem Wirkungskreis sein eigenes „Wohlfühlklima“ bestimmen kann.


Energieeinsparung via Monitoring dokumentieren


Es ist beabsichtigt, die geplanten und erzielten Energieeinsparungen und gewünschten Reduzierungen der Emissionswerte durch ein mehrjähriges Monitoring zu dokumentieren.
Das ganzheitliche Energiekonzept der Selbstversorgung des Technischen Ämtergebäudes soll einen optimierten Energiestandard mit hocheffizienter Haustechnik verbinden.
Am Anfang war das PCB und am Ende gelang die Gesamtinstandsetzung eines Verwaltungsgebäudes aus den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts, die zum Nachahmen auffordert.
Vielleicht findet der oder andere interessierte Wagnerianer im Jubiläumsjahr bei Spaziergang auf des Meisters Spuren durch Bayreuth auch zum Technischen Ämtergebäude als gelungenes Beispiel alter Knochen in neuen Hüllen. (Stephanie Kreisel)

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