Bauen

Die Eingangsseite des "Hauses für Studierende". (Foto: Staatliches Bauamt Regensburg)

16.01.2015

Platz zum Entspannen und Tagen

Die Ostbayerische Technische Hochschule Regensburg hat ein "Haus für Studierende" erhalten

Das neue „Haus für Studierende“ der Ostbayerischen Technischen Hochschule (OTH) Regensburg ist eine in vielerlei Hinsicht ungewöhnliche Bauaufgabe.
Die zu einem ganz überwiegenden Teil komplette Eigenplanung des Staatlichen Bauamts Regensburg, Bereich Hochschulbau, wurde in einem interessanten mehrmonatigen Workshop-Planungsprozess mit allen beteiligten Nutzergruppen (Studentenvertretern, Hochschulleitung und Vertretern verschiedener Religionsgemeinschaften) entwickelt.
Ungewöhnlich ist neben dem Planungsablauf sicherlich auch die konstruktive Umsetzung der Bauaufgabe in Form eines oben offenen Betonkubus, in den dann ein Holzkubus von oben her eingesetzt wurde.
Ein weiterer Aspekt des Studierendenhauses ist außerdem der so genannte Raum der Stille, ein Ort der Ruhe und des Gebets, der Studierenden und Hochschulmitarbeitern aller Religionen oder Überzeugungen von morgens bis abends offen steht. Die Herausforderung in der baulichen Formfindung bestand darin, kein religiöses oder bauliches Symbol zu verwenden, das eine Glaubensrichtung oder Weltanschauung bevorzugen könnte oder das durch die jeweilige bauliche Tradition bereits besetzt ist.
Die konzeptionelle Grundidee für das „Haus für Studierende“ stammt von den Studierendenvertretern der Hochschule selbst, die sich ein Gebäude wünschten, das den Studenten vornehmlich in vorlesungsfreien Zeiten und zwischen den Vorlesungen als Aufenthaltsbereich und für kleinere Hochschulveranstaltungen dienen sollte. Daneben sah das geforderte Raumprogramm Räumlichkeiten für die so genannte Familienfreundliche Hochschule, einen Treffpunkt von Studierenden mit ihren kleinen Kindern sowie den oben bereits erwähnten „Raum der Stille“ vor. Ein Büro für die Studentenvertretung und ein weiteres für die christlichen Hochschulseelsorger sollten ebenfalls mitgeplant werden.
Da die mit einem Kostenrahmen von einer Million Euro gedeckelte Maßnahme zu zwei Dritteln aus Studienbeitragsmitteln finanziert wurde, gab es von Seiten der Hochschule den Wunsch nach der bereits erwähnten integrativen Planungsbeteiligung aller künftigen Nutzer.
Die Wahl des Standorts auf dem Gelände des Campus der Ostbayerischen Technischen Hochschule Regensburg an der Seybothstraße gestaltete sich anspruchsvoll, da mehrere komplexe städtebauliche Randbedingungen zu berücksichtigen waren.
Der relativ kleine Neubau sollte innerhalb der Campus-Gebäude einen durchaus eigenständigen Charakter entwickeln. Zudem sollte das letzte noch freie größere Baufeld nicht belegt werden und das neue Gebäude möglichst nahe an der zentralen inneren Erschließungsspange der Hochschule liegen.
Nach dem Planungsauftrag im September 2012 konnte im März 2014 mit dem Rohbau des Studierendenhauses begonnen werden. Am 27. Oktober 2014 wurde in Anwesenheit des Staatssekretärs im Bayerischen Staatsministerium für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst, Bernd Sibler, und zahlreicher Vertreter des öffentlichen Lebens die feierliche Einweihung vollzogen.
Der flach gedeckte Baukörper des „Haus für Studierende“ besitzt in Anlehnung an den Kernbestand der Hochschule eine quadratische Grundform mit einer Seitenlänge von 18 Metern. Eine zweigeschossige, leere Betonhülle, die an der (Eingangs-)Ostseite aufgrund der Topographie nur eingeschossig in Erscheinung tritt, dient der Abtragung eines Teils der Vertikallasten, der Windaussteifung und dem Witterungsschutz. In sie wurde von oben her ein Tragwerk aus vorgefertigten hölzernen Brettsperrholz-Wänden und -Decken aus Fichte eingehoben. So ergibt sich ein spannendes Wechselspiel aus einer mit sägerauhen Schalbrettabdrücken versehenen Beton-Außenhülle und einem warmen, hölzernen Innenausbau, der seinem Charakter nach vergleichbar ist mit den mittelalterlichen Bohlenstuben in der Regensburger Altstadt.
Sorgfältige Details gliedern die äußere Haut. Ablesbar ist dies etwa an den Gebäudeecken, wo sich die aufgrund der Deckenauflager verjüngende Außenwanddicke im Schalungsbild abzeichnet oder bei den weit auskragenden Vordächern über den Eingängen, wo durch die Schalungsabdrücke der Charakter herausgezogener Beton-“Schubfächer“ entsteht.
Die Grundrisskonfiguration des „Haus für Studierende“ mit einer Hauptnutzfläche von 389 Quadratmetern spiegelt die Vielschichtigkeit des Raumprogramms wider. Im Eingangsgeschoss liegt ein großer multifunktionaler Veranstaltungsraum, der im Osten zum Freibereich großflächig geöffnet werden kann. Er kann zukünftig in drei kleinere, in sich abgeschlossene Einheiten unterteilt werden. In diesem unterteilten Zustand sind so völlig unterschiedliche Nutzungen wie Lernbereich, Cafe und Lounge mit Teeküche denkbar, im baulich vereinten Zusammenhang dann größere Veranstaltungen wie Studentenfeiern, Vorträge und Präsentationen. Daneben bietet dieses Geschoss noch Platz für das Büro der Studentenvertretung und für Lager- und Nebenräume.
Die Barrierefreiheit der unterschiedlichen Nutzungseinheiten konnte auch ohne den Einbau eines Aufzugs gewährleistet werden. So finden sich in allen Geschossen barrierefrei gestaltete Toiletten. Im Bestand steht in der nahen Zentralbibliothek außerdem ein von den dortigen Öffnungszeiten unabhängiger Aufzug zur Verfügung. Im Untergeschoss befindet sich auf der Westseite ein großer Aufenthaltsraum für die oben bereits erwähnte „Familienfreundliche Hochschule“, der ebenfalls über eine Teeküche verfügt. Daneben liegen hier auch das gemeinsame Büro der Studentenseelsorger sowie die Toiletten und Technik- beziehungsweise Lagerräume.
Hülle aus geölter Eiche
Den südlichen Teil des Untergeschosses dominiert der durch mehrere schmale hochrechteckige Fenster belichtete „Raum der Stille“. Das Bauamt entschied sich hier für eine Hülle aus geölter Eiche, die in ihrer Reduziertheit dennoch so viel bauliche Identität bietet, dass jede Glaubensvorstellung sich immer noch darin zu Recht finden kann. Während die Wände und die Decke aus langen Dielen gebildet werden, besteht der Boden aus einem Stäbchenparkett, das im Zugangsbereich ein Stück weit bis in den Vorraum gezogen ist, wo ein filigraner Rahmen die bauliche Trennung zur Alltagswelt darstellt.
Unter der Decke verläuft ein schmales Band aus dimmbaren Leuchtstoffröhren, das unterschiedliche Raumcharaktere zulässt. Die wie selbstverständlich wirkende Introvertiertheit wird durch die kompakten, zu verschiedenen Anordnungen verschiebbaren zwei Dutzend Eichenholzhocker mit ihren von Rissen zerfurchten Oberflächen noch gesteigert. (Walter Heigl / Norbert Warmuth / Stefan
Krabatsch
)

(Die Südansicht des Neubaus; der große Aufenthaltsraum; die Nordansicht und der Raum der Stille - Fotos: Staatliches Bauamt Regensburg)

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