Bauen

Aus der Villa Pemsel wurde ein Schmuckstück. (Foto: Hypo-Kulturstiftung)

03.08.2012

Prämierte Kulturgüter

Der Denkmalpreis 2012 der Hypo-Kulturstiftung

Eine Gründerzeitvilla vom Starnberger See und ein Vierseithof aus Vilshofen sind die in neuem Glanz erstrahlenden Bauwerke, die dieses Jahr mit dem „Denkmalpreis der Hypo-Kulturstiftung“ ausgezeichnet wurden. Deren Eigentümer, Dirk Markus für die Villa Pemsel in Feldafing sowie Marianne Hindinger für den Vierseithof, Algerting 15, in Vilshofen, erhielten in München anlässlich der Preisverleihung im HVB Forum, aus den Händen von Kunstminister Wolfgang Heubisch (FDP) den mit jeweils 12 500 Euro dotierten Preis. Außerdem hat die Jury unter Vorsitz von Werner Schiedermair fünf, mit jeweils 5000 Euro dotierte Anerkennungen vergeben.
Der Denkmalpreis der Hypo-Kulturstiftung, die 1983 gegründet wurde, wird seit 1986 jährlich an private Eigentümer in Bayern verliehen, die ihre Baudenkmäler mit großem Engagement fachgerecht restauriert haben.
44 Vorschläge seien für die diesjährige Preisverleihung eingereicht worden, erklärte Wolfgang Sprißler, stellvertretender Vorsitzender des Vorstands der Hypo-Kulturstiftung, die eigentlich alle preiswürdig gewesen wären. In diesem Zusammenhang hob Sprißler vor allem die bemerkenswerte Bandbreite der Vorschläge hervor.
Heubisch betonte, dass sich die Identität einer Stadt oder Ortschaft durch die Individualität ihrer Häuser definiert. Daher sei Denkmalpflege eine höchst verantwortungsvolle und sinnstiftende Aufgabe. Alte Gebäude mit neuem Leben, zeitgerechter Nutzung zu erfüllen und damit eine Zukunft zu geben sei enorm wichtig. Allerdings sei der Weg zu einem schmucken Haus lang, steinig und kostenintensiv, bekannte der Minister.
In diesem Zusammenhang musste Heubisch zugestehen, dass der Staat alleine das nicht könne, deshalb sei privates Engagement besonders wichtig, um denkmalgeschützte Gebäude zu sichern und zu bewahren. Allerdings vergaß der Minister nicht zu erwähnen, dass wieder hergerichtete Altbauten nicht nur Schmuckstücke für den Besitzer selbst, sondern auch für die Gemeinde und den Kulturstaat Bayern sind. „Denkmalschutz darf nicht als Luxus verstanden werden, vielmehr ist er eine Investition in die Zukunft, von der unter anderem auch der Tourismus profitiert.“
Der Vierseithof Algerting 15 repräsentiert einen für Niederbayern typischen Bauernhof, mit dem zur Straße hin gelegenen, 1763 datierten Wohnhaus, und drei, einen weiträumigen Hof umgebenden Nebengebäuden. Das Wohnhaus ist als zweigeschossiger Blockbau ausgestattet, mit teilweiser Ausmauerung im Erdgeschoss. In seiner Gesamtheit bildet der Hof eines der größten historischen bäuerlichen Anwesen im Landkreis Passau.
Die in Familienbesitz befindliche Anlage wurde im 1975 aufgegeben. 35 Jahre lang stand sie leer. Das Schicksal des Hofs wendete sich dann aber überraschend zum Guten, als sich Marianne Hindinger entschloss, das Anwesen, in dem sie als Kind gewohnt hatte, zu übernehmen und instand zu setzen, um darin zu wohnen. Das Anwesen ist ein Paradebeispiel dafür, wie auch bei sehr geringen finanziellen Mitteln, mit Entschluss- und Tatkraft sowie einer mit langem Atem gepaarten Zähigkeit, ein vom Untergang bedrohtes Baudenkmal mit hohen fachlichen Ansprüchen bei der Baudurchführung gerettet werden kann, erklärte die Jury.
Die Villa Pemsel wurde nach Plänen des Architekten Franz Rank als erstes Gebäude der so genannten Feldafinger Höhenbergkolonie im Jahr 1900 errichtet. Bauherr war der Rechtsanwalt Hermann Ritter von Pemsel. In dem Bauwerk wurde ein ganz auf Repräsentation orientiertes Raumprogramm architektonisch umgesetzt. Der malerischen Fassade mit Turm und Türmchen sind zahlreiche Loggien und Veranden vorgelagert. Sie gewähren reizvolle Ausblicke in die Landschaft. Im Inneren garantierte eine aufwändige Eisenkonstruktion eine dem vielteiligen Äußeren entsprechende vielteilige Raumgruppierung mit großen und kleinen Gemächern.
Nach dem Tod des Erbauers veräußerten seine Erben die unrentable Anlage. Angemessener Bauunterhalt unterblieb. Das Gebäude verkam zu einer Ruine. Trotz des desolaten Zustands der Gebäude entschloss sich der heutige Besitzer, Dirk Markus, das Anwesen zu erwerben, um es instand zu setzen und in ihm zu wohnen. Seinem ehrgeizigen Vorhaben kam zugute, dass sich die gesamten Baupläne der Erbauungszeit erhalten hatten. Sie wurden der geplanten Instandsetzung zugrunde gelegt. Ein umfassendes Restaurierungskonzept wurde ausgearbeitet. Heute präsentiert sich die Villa Pemsel wieder in allen wesentlichen Teilen so, wie sich das ihr Erbauer einmal vorgestellt hat: als prachtvoller Wohnsitz, der vom persönlichen Erfolg seiner Eigentümer berichtet.
Behäbig und unübersehbar liegt das Anwesen von Helga Stadlbauer in Engerthal 2, Simbach, frei in der Landschaft. Bei dem aus dem Jahr 1739 stammenden Gebäude handelt es sich um ein regional typisches Bauernhaus, wie es sich vor allem im Raum zwischen Eggenfelden, Neumarkt und Frontenhausen findet. Man nennt diesen Gebäudetypus „Stockhaus“. Sein Hauptmerkmal besteht darin, dass die Giebelfront nicht, wie sonst üblich, über die Schmalseite, sondern über die Längsseite des Gebäudes ausgebildet ist. Die Dachflächen reichen weit hinunter.
Verschiedene Umbauten setzten dem Gebäude im Lauf der Zeit zu. Zwischendecken wurden ausgebaut, Gewölbe verändert, Holzwände durch Steinwände ersetzt. Schäden machten sich breit. Risse durchzogen das Mauerwerk, der Putz blätterte ab, Dielen waren morsch, Balkendecken gaben in ihrer Stabilität nach, Treppen wurden instabil. Die Gefährdung des Anwesens nahm zu, als ein zu ihm gehörendes landwirtschaftliches Nebengebäude im Jahr 2007 einstürzte. Damals entschloss sich Helga Stadlbauer, das Gebäude von ihren Eltern zu übernehmen. Von Anfang an beabsichtigte sie, es, wie sie formulierte, „originalgetreu zu restaurieren“. Von Anfang an wurde Wert darauf gelegt, den ursprünglichen Grundriss des Stockhauses erlebbar zu belassen.
Das Gebäude Schützenstraße 1 in Waldsassen ist die Ofenhalle der Glashütte Lamberts. Sie zeichnet sich nicht nur durch eine enorme Höhe und Größe aus. Sie besticht auch durch ihre Konstruktion. Errichtet wurde sie als hölzerne Fachwerk-Konstruktion nach dem patentierten System der Münchner Firma Matthäus Weiss. Rundbogenelemente, die aus mehreren Lagen genagelter Holzleisten bestehen, traten dabei als preiswerte Alternative an die Stelle von Gußeisen. Wegen dieser Konstruktionsweise stellt die Ofenhalle auch ein wichtiges technisches Baudenkmal dar.
Im Lauf der Zeit traten Schäden auf. Akute Einsturzgefahr entstand. Damals entschloss sich der Eigentümer, Reiner Meindl, das Gebäude trotz des damals schon zu erwartenden enormen finanziellen Aufwands instand setzen zu lassen. Nach allen Sanierungsmaßnahmen ist die einzigartige Waldsassener Ofenhalle wieder voll funktionstüchtig geworden.
An der Hauptstraße des kleinen mittelfränkischen Orts Meinheim liegt der ehemalige Brauereigasthof „Schwarzer Adler“. Es handelt sich um einen vor allem durch seine Größe wirkenden, langgesteckten, zweigeschossigen, giebelständigen Satteldachbau mit rustizierten Ecklisenen und einer Vortreppe. Er wurde 1733 errichtet. Mangels wirtschaftlicher Mittel kam das schon seit mehreren Generationen in Familienbesitz befindliche Gebäude baulich herunter. Risse machten sich im Mauerwerk bemerkbar. Der Dachstuhl wurde undicht, Wasser drang ein. Eine Pflege der Außenanlage unterblieb. Vom Anspruch und Stolz des ursprünglichen Brauereigasthofs war nur mehr wenig zu spüren.
Der persönliche Einsatz des Eigentümers, Alexander Wolf, bei der Instandsetzung des alten Familienbesitzes war in doppelter Hinsicht bemerkenswert: Er verausgabte sich wirtschaftlich, soweit dies für ihn und seine Familie verantwortbar war. Darüber hinaus brachte er sich mit Hand- und Spanndiensten auch ganz persönlich ein. Mit seinem Engagement hat Wolf laut Jury ein Beispiel dafür gegeben, wie einem wegen seiner Größe zunächst abschreckenden Gebäude, auch bei geringer Wirtschaftskraft, mit Enthusiasmus und Fleiß sein ursprüngliches ortsbildprägendes Aussehen zurückgegeben werden kann.
Bei dem Anwesen Rhönstraße 60 in Schönau an der Brend, im nördlichsten Teil Unterfrankens, handelt es sich um ein herausragendes Denkmal des Historismus. Von Baurat Arthur Johlige aus Leipzig als Forst- und Jagdhaus entworfen, ist es bis in kleinste Detail hinein in zeittypischer Weise durchgestaltet. Es vereint Motive des Schweizer Hauses mit solchen oberbayerischer Bauernhäuser. Das Erdgeschoss ist in Mauerwerk aufgeführt, das Ober- und das Dachgeschoss auch in Holzkonstruktion. Innen wie außen sind Ausstattung und Dekoration außerordentlich aufwändig gehalten. Die im Erdgeschoss liegenden Fenster wurden mit Lüftlmalereien im Stil des Neurokoko geziert, das Obergeschoss mit Langschindeln verkleidet, die Balkone und Fenster mit fein ausgesägten und bemalten Brettern und Läden verziert.
Das Gebäude wurde von den früheren Eigentümern nur sporadisch benutzt. Größerer Bauunterhalt unterblieb. Die Folgen für das Jagdhaus waren erheblich: Die farbenfrohen Fassungen im Inneren verschmutzten und die Außenfassaden mit ihrer reichen Bemalung verschwanden allmählich unter dicken Schmutzkrusten. Bei der Entscheidung, das Gebäude instand zu setzen, kam erschwerend hinzu, dass es unmittelbar an einer viel befahrenen Straße gelegen ist. Trotz dieser Einschränkungen entschloss sich Friedrich Kirchner, eine Gesamtinstandsetzung zu wagen. Dabei erwies es sich als ein besonderer Glücksfall, dass er das Gebäude, entsprechend dessen ursprünglicher Konzeption, auch künftig als Jagd- und Ferienhaus nutzen wollte. Streng achtete man dabei darauf, keine unnötigen Eingriffe in die historische Substanz vorzunehmen.
Behutsamkeit wurden Nutzungseinheiten so zusammengefasst, dass sie als Ferienwohnungen verwendbar sind. Ein für die Region zwar untypisches, nach Erscheinung und Ausstattung aber höchst anspruchsvolles und bedeutendes historistisches Denkmal konnte laut Jury so gerettet werden.
In städtebaulich herausragender Lage, weithin sichtbar, liegt am Rand des Günztals das 1555 errichtete Schlösschen Lerchenberg. Ein hohes Dach überragt den zweigeschossigen Bau. Ein besonderes Augenmerk verdient das Dachwerk; es ist als zweigeschossiges Kehlbalkendach ausgebildet. Es zählt zu den wenigen renaissancezeitlichen Dachwerken der ganzen Region. Insgesamt gesehen repräsentiert Schloss Lerchenberg in großer Anschaulichkeit einen Patriziersitz des 16. Jahrhunderts.
Das Gebäude stand jahrelang leer. Jeglicher Bauunterhalt unterblieb. Akute Substanzgefährdung entstand. Andrea Müller, die Tochter der Eigentümer, entschloss sich, das Gebäude zu übernehmen und instand zu setzen. Das gesamte Gefüge des Gebäudes wurde stabilisiert, ein späterer Anbau dabei beseitigt. Dachwerk und Dachhaut restaurierte man umfassend. Die historische Ausstattung im Inneren, insbesondere die Fenster und die Türen, wurden repariert, Innenfenster zur energetischen Ertüchtigung angebracht. Die Fassade wurde in ihrem prachtvollen überkommenen Bestand wieder sichtbar gemacht und, wo notwendig, ergänzt. Entstanden ist auf diese Weise laut Jury eine in allen Belangen mustergültige Instandsetzung. Für den ländlichen Raum kommt Schloss Lerchenberg beispielgebende Wirkung zu.
(Friedrich H. Hettler)

(Der Vierseithof Algerting 15, die Ofenhalle in Waldsassen, das Wohnhaus Engerthal 2, die ehemalige Brauereigaststätte in Meinheim, das Jagdhaus in Schönau an der Brend und das Patrizierschlösschen Lerchenberg in Erkheim - Fotos: Hypo-Kulturstiftung)

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