Bauen

Mit dem "Baukultur Schwarzwald Architekturpreis 2010" ausgezeichnet wurde unter anderem das "Haus der Natur" am Feldberg. (Foto: Wiegand)

13.01.2012

Prämierte Vorzeigebauten

Der Schwarzwald vergibt einen Architekturpreis

Gutes Bauen ist wichtig, auch in so beliebten Urlaubszielen wie dem Schwarzwald. Um solche Initiativen zu belohnen und zur Nachahmung anzuregen, wurde von der Architektenkammer Baden-Württemberg im Kammerbezirk Freiburg erstmals der „Baukultur Schwarzwald Architekturpreis 2010 – Neues Bauen im Schwarzwald“ zur Förderung der regionalen Baukultur verliehen.
Wie Eckhard Bull, Vorsitzender der Architektenschaft im Kammerbezirk Südbaden, erklärt, konnten sich Bauherren und Architekten bei dem Debüt selbst bewerben. Von den rund 170 eingereichten Vorschlägen – Bauten seit 2000 – wurden 45 ausgezeichnet und zwar aus den Bereichen Städtebau und Siedlungsentwicklung, Wohnen, Tourismus, Öffentliche Einrichtungen, Landwirtschaft und Landschaftspflege sowie Gewerbe und Industrie.
Maßgeblich für die Preisverleihung war laut Bull die Einhaltung von fünf Kriterien: Erstens geht es um „die funktionsbegründete Gestalt nach heutigen Anforderungen, bestimmt vom Ort und der jeweiligen Nutzungsart“, zweitens „um die Nachhaltigkeit in allen Aspekten des Bauens und um die Klimagerechtigkeit“. Der dritte Punkt zielt auf den „Einsatz regionaler Ressourcen“ und örtlicher Handwerkskunst. Neben Stein und Holz werden aber auch moderne Baumaterialien akzeptiert. Ein viertes Kriterium ist die „Schaffung eines Umfelds für ein soziales und kulturelles Zusammenleben“, ein fünftes die „Erhaltung alten Kulturgutes, unter anderem durch Umnutzung“.
Zu den preisgekrönten Neubauten zählt das „Haus der Natur“ am Feldberg (Stollbert Architekten/Faktorgruen, Schramberg, Freiburg). Auch drinnen überzeugt das Gebäude und bietet als Hit eine virtuelle Ballonfahrt. Ebenfalls neu gebaut wurde das „Radon Revital Bad“ in Menzenschwand bei St. Blasien, das auch ein radonfreies Schwimmbad für alle besitzt (Architekt: Detlef Sacker, Freiburg).

Der Umbau fällt kaum auf


Bei den Umbauten konnte das „Skimuseum in Hinterzarten“ überzeugen (Architekt: Theo Gremmelspacher, Hinterzarten). Es hat in dem denkmalgerecht umgestalteten Hugenhof von 1446 die passende Heimat gefunden. Während beim Skimuseum der Umbau kaum auffällt, springt er in Bernau beim „Heimatmuseum Resenhof“, kombiniert mit dem Forum „erlebnis:holz“, sofort ins Auge. Die sonnengelbe, fantasievolle Holz-Ummantelung bildet einen gelungenen Kontrast zum altersdunklen Heimatmuseum und dem blauen Himmel (Architekt: Carl Langenbach, Werksgruppe Lahr).
Eine Neunutzung hat auch die „rainhof scheune“ in Kirchzarten erfahren, ein Kulturdenkmal, das um 1600 erstmals urkundlich erwähnt wurde. Schon 1790 hatte man die Stallungen in einen Gasthof verwandelt. Nun präsentiert sich der Bau als eine 450 Quadratmeter große „Marktscheune“ mit Restaurant, Läden, einem Hotel und einem Biergarten hinterm Haus (Architekt: Willi Sutter aus dem Dreisamtal).
Allen prämierten Objekten ist eines gemeinsam, die Hinwendung zum Gast. Anblick und Nutzung der Bauten sollen die Schwarzwald-Besucher zufrieden stellen. So gesehen, wäre das Parkhotel Adler in Hinterzarten ebenfalls preisverdächtig. Ähnlich wie beim Skimuseum vollziehen sich auch hier Umbau und Neuausrichtung der beiden Gebäude fast im Verborgenen. Im gemütlichen Schwarzwaldhaus, errichtet 1639, werden die Gaumen im rustikalen oder edlen Ambiente verwöhnt. Gegenüber, im Haupthaus von 1904, wurden gerade die Zimmer komplett renoviert und vergrößert. Investitionen zu Gunsten der Gäste, die vielleicht später einmal prämiert werden.
Dieser „Baukultur Schwarzwald Architekturpreis“ wird laut Bull „in jedem Fall wiederholt“. Es gehe um Leitbilder, die auf Architekten und in die Gemeinden hinein wirken sollen. Für 2011 wird er jedoch nicht verliehen, sondern erst dann, wenn weitere überzeugende Neu- und Umbauten entstanden sind. Das typische Schwarzwaldhaus mit dem tief herunter reichenden Holzschindel-Dach ist dagegen schon aus Kostengründen passé. Denn auch die Schwarzwälder Kuckucksuhren gehen jetzt anders. (Ursula Wiegand)

(Das Skimuseum in Hinterzarten - Foto: Wiegand)

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