Bauen

1. Preis: Das Solardach über dem Carport der AWM München. (Foto: Beratendes Ingenieurbüro für Bauwesen Prof. Ackermann)

18.01.2013

Qualitätsbewusstes und zukunftsfähiges Bauen

Ingenieurpreis 2013: Zwei erste Plätze, ein dritter Platz und zwei lobende Erwähnungen

Zum siebten Mal verleiht heuer die Bayerische Ingenieurekammer-Bau ihren Ingenieurpreis. Dieser Preis zeigt das kreative Ideenpotenzial der bayerischen Ingenieure im Bauwesen. Denn diese stehen für ein qualitätsbewusstes, verantwortungsvolles und zukunftsfähiges Planen und Bauen. Die im Bauwesen tätigen Ingenieure gestalten damit aktiv die Zukunft und planen und bauen für die Menschen.
Das zukunftsorientierte Denken und die komplexe Kreativität der Ingenieure leisten einen wertvollen Beitrag zur ökonomischen und baukulturellen Entwicklung Bayerns und setzen bedeutende Impulse für Zukunftsfähigkeit, Innovation und wirtschaftlichen Erfolg, heißt es im Auslobungstext des Ingenieurpreises. Insbesondere „angesichts des energetischen Wandels gewinnen herausragende Ingenieurleistungen und technische Innovationsstärke weiter an Bedeutung“.
Die Bayerische Ingenieurekammer-Bau hatte den Ingenieurpreis 2013 mit dem Thema „Ingenieure gestalten Zukunft“ ausgelobt, um innovative Projekte und Leistungen von Ingenieuren im Bauwesen auszuzeichnen und ihre kreative Leistungsfähigkeit in den öffentlichen Fokus zu rücken.
Mit dem Preis würdigt die Kammer innovative technische Ingenieurleistungen, die Funktionalität, Wirtschaftlichkeit, Innovation und Ästhetik bei der Planung, Errichtung und Nutzung von Bauwerken vereinen und durch ihren Entwurf, ihre technisch-konstruktive Durchbildung oder ihre beachtenswerte Ausführung einen hohen Standard verkörpern. Auch Lösungen, die sich durch ein besonders ressourcenschonendes Planen und Bauen, eine herausragende Energieeffizienz oder den Einsatz erneuerbarer Energien und nachwachsender Rohstoffe auszeichnen, waren ausdrücklich erwünscht.
Die Jury beschloss für den Ingenieurpreis 2013 einstimmig, dass auf Grundlage der Diversifikation der Wettbewerbsbeiträge zwei erste und ein dritter Preis vergeben werden. Mit einem ersten Platz wurden das „Solardach Carport – AWM München“ (Christoph Ackermann, Beratendes Ingenieurbüro für Bauwesen, München) und die „Galerie im Lenbachhaus – Ausstellungsbeleuchtung, München“ (Walter und Michael Bamberger; Die Ingenieure Bamberger GmbH und Co KG, Pfünz) ausgezeichnet. Der dritte Platz ging an „Zertifizierte Wohngesundheit“ (Gisela Raab, RAAB Baugesellschaft, Ebensfeld). Von dem Preisgeld in Höhe von insgesamt 10 000 Euro erhalten die beiden ersten Preisträger je 4000 Euro, der dritte Platz ist mit 2000 Euro honoriert.
Neben den aufgeführten Preisträgern erhielten zwei Projekte darüber hinaus noch eine Lobende Erwähnung: der „Neubau ZAE Bayern“ (Peter Voland – SSF Ingenieure AG) sowie die „Talbrücke Enzenstetten“ (Norbert Nieder, IB Konstruktionsgruppe Bauen AG, Kempten).
Der Beitrag, „Solardach Carport – AWM München“ wurde von der Jury in nahezu allen Kriterien der Auslobung hoch bewertet. Die ansprechend gestaltete Überdachung zeige Originalität und Kreativität. Die Kriterien Ingenieurleistung und Innovation sowie Ressourcenmanagement und Umweltverträglichkeit seien durch den Einsatz der sehr leichten Kissen aus selbstreinigender, recycelbarer ETFE-Folie als Sekundärtragwerk, den witterungsgeschützten Einbau der Photovoltaikelemente im Inneren der Kissen und das konsequent filigrane Primärtragwerk erreicht, hob das Preisgericht in seiner Beurteilung hervor. Funktionalität und Praxistauglichkeit seien darüberhinaus optimal umgesetzt worden. Mit dem Einsatz der Photovoltaikelemente werde auch die Nutzung erneuerbarer Energien erreicht.
Die Jury-Begründung für die Ausstellungsbeleuchtung der Galerie im Lenbachhaus lautet wie folgt: „Die eingesetzten LEDs von Osram unterschiedlicher Lichtfarben, das heißt Kaltweiß und Warmweiß ergänzt um Tiefrot, Blau und Grün, erzeugen im Zusammenspiel ein Wellenlängenspektrum, das alle Spektralanteile des natürlichen Sonnenlichts – allerdings ohne schädliche UV- und IR-Strahlung – enthält und so für eine exzellente Farbwiedergabe sorgt.“ Damit könne auch eine (Licht-)Umgebung geschaffen werden, die dem Motiv entspricht oder die derjenigen ähnelt, die beim Künstler während seiner Arbeit vorherrschte.

Exzellente Farbwiedergabe


„Die Regie übernimmt eine komplexe Lichtsteuerung“, so das Preisgericht weiter. „Diese bietet mit der konzipierten bedienerfreundlichen Benutzeroberfläche den Kuratoren die Voraussetzung um das Lichtmilieu auf die Erfordernisse der jeweilig offerierten Exponate individuell abzustimmen – und zwar ohne Umbau der Beleuchtungsanlage und Wechsel der Leuchtmittel.“
Für den LED-Einsatz spreche zudem die hervorragende Energieeffizienz (rund ein Drittel Leistungsbedarf von herkömmlichen Leuchtstofflampen) bei gleichzeitig langer Lebensdauer. Die erwartete Einsatzzeit von 50 000 Betriebsstunden liege etwa 14 Mal über der von Leuchtstofflampen, die bereits nach etwa 3000 bis 4000 Stunden Farbveränderungen aufweisen und daher in Ausstellungsräumen ausgetauscht werden müssen. Bei LEDs würden sich im Betrieb auftretende Veränderungen dagegen einfach über die Lichtsteuerung nachjustieren lassen. Hinzu komme die exzellente Farbwiedergabe, so dass auch gesättigte reine Farben naturgetreu wiedergegeben werden.
Im Lenbachhaus gibt es drei LED-Lichtsysteme – mit indirektem ebenso wie mit direktem Licht –, die exakt an die jeweiligen architektonischen Gegebenheiten angepasst sind.
In den historischen Flügelbauten sind die LED-Leuchten in den umlaufenden Vouten platziert. Im ersten Obergeschoss des Neubaus erhellen Lichtdeckenfelder die Ausstellungsräume, die entsprechend angepasste LED-Module hinterleuchten. Im darüber liegenden Dachgeschoss fällt Tageslicht durch Oberlichter in die Galerieräume. Shed-Leuchten projizieren ihr Licht in die gewölbte Deckenfläche der Sheds.
Für die Jury ist damit „ein neuer Qualitätsstandard der musealen Beleuchtung erreicht worden“.
Die mit dem dritten Platz ausgezeichnete „Zertifizierte Wohngesundheit“ eines Mehrfamilienwohnhauses für Menschen, die an multipler Chemikalien-Unverträglichkeit leiden, ist für das Preisgericht ein herausragendes Beispiel für baubiologisches und ökologisches Bauen.
Jeder verwendete Baustoff wurde vor dem Einbau auf relevante Schadstoffemissionen geprüft und alle am Bau beteiligten Handwerker mussten sich einer entsprechenden Schulung unterziehen. Wohngesunde Materialien, ein überzeugendes Energiekonzept mit einer Sole-Wasser-Wärmepumpe und dezentraler Wärmerückgewinnung, Elektrosmogabschirmungen im Dachaufbau und die Qualität der besonders schadstoffarmen Innenraumluft machen laut Jury das Projekt – insbesondere im Hinblick auf die zunehmende Zahl an Allergikern –  zu einem zukunftsfähigen Vorbild im Wohnungsbau.

Schlanker Überbau


Der „Neubau ZAE Bayern“ wurde von der Jury als sehr interessant eingestuft. Insbesondere die Beschreibung als Experimentiergebäude, an dem verschiedene neuartige Entwicklungen im Gebäudebereich erprobt und dargestellt werden sollen, hat diesen Eindruck hervorgerufen. Auch die Erwähnung von Bauelementen wie „prototypische Kühldeckensysteme“, „Isolierverglasungen mit Aerogelfüllungen“, „innovative pneumatische Kissen“ und „Phase Change Material-Boards“ ließ die Jury vermuten, dass dies ein preiswürdiges Gebäude sei.
Leider wurden alle diese innovativen Elemente lediglich in der konstruktiven Baubeschreibung erwähnt. Eine Darstellung der durch diese Elemente erreichten Effekte im Sinne der in der Auslobung des Ingenieurpreises aufgeführten Kriterien fehlte leider. Gerade ein solches Gebäude wäre laut Preisgericht ein gutes Beispiel für das Zusammenwirken der verschiedenen Ingenieurdisziplinen und den erreichten Erfolg im Sinne der Auslobung gewesen.
Durch die Einreichung allein unter dem Gesichtspunkt des konstruktiven Ingenieurbaus wurde nach Ansicht des Preisgerichts eine Chance versäumt, die bei Beteiligung aller Fachbereiche beachtlich gewesen wäre. Daher beschloss die Jury, diesem Beitrag keinen Preis zuzuerkennen, ihn aber lobend zu erwähnen.
Bei der „Talbrücke Enzenstetten“ ist es nach Ansicht der Jury gelungen, die Ansprüche des Verkehrs mit den Notwendigkeiten des Natur- und Artenschutzes weitgehend auszugleichen. Durch diesen Entwurf konnte das Schutzgebiet des Enzenstettener Brunnenmooses von den Einflüssen der Baustelle und des Betriebs der Autobahn A 7 freigehalten werden.

Größere Stützweiten


Ferner sei ein schlanker Überbau gewählt worden. Die Stützen wurden zur Reduzierung der Stützweiten V-förmig ausgeführt und die Stützweiten nach der Höhe der Gradiente variiert, um die Überbauhöhen der Höhe über Gelände anzupassen.
Durch die Anordnung der Lager am Fußpunkt der Stützen in Zusammenhang mit dem biegesteifen Anschluss der Stützen an den Überbau konnten größere Stütz-weiten zum Schutz des Feuchtgebiets erreicht werden. Damit sind die Lager für die Bauwerksprüfung ohne Aufwand zugänglich. Durch diese Konstruktion ergeben sich größere Lagerwege als üblich, die durch Einsatz spezieller Materialien beherrschbar wurden.
In den Kriterien der Auslobung „Originalität und Kreativität“, „Funktionalität und Praxistauglichkeit“ sowie Ressourcenmanagement und Umweltverträglichkeit wurde dieser Beitrag von der Jury hoch bewertet. Deswegen erkannte das Preisgericht diesem Beitrag eine Lobende Erwähnung zu. (Friedrich H. Hettler)

(1. Preis: Die Ausstellungsbeleuchtung im Lenbachhaus. Shed-Leuchten projizieren ihr Licht in die gewölbte Deckenfläche der Sheds. Das Mehrfamilienhaus für Menschen, die an multipler Chemikalien-Unverträglichkeit leiden, wurde mit dem 3.Platz ausgezeichnet. Eine Lobende Erwähnung erhielten der „Neubau ZAE Bayern“ sowie die „Talbrücke Enzenstetten“ - Fotos und Simulation:  Ingenieure Bamberger /  Jung GmbH / Lang Hugger Rampp gmbh architekten / Konstruktionsgruppe Bauen AG – Eva Bartussek)


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