Bauen

Das Lutherhaus in Eisleben. (Foto: Ursula Wiegand)

25.08.2017

Restauriert, saniert, zukunftsfit gemacht

500 Jahre Reformation: Luther-Bauten damals und heute

Seit 2007 hat sich Deutschland an das 500-jährige Reformationsjubiläum herangepirscht, vor allem im Kernland der Reformation, Luthers mitteldeutscher Heimat. Wichtig war auch der von Kaiser Karl V. einberufene Reichstag in Augsburg, auf dem die Protestanten das Augsburger Bekenntnis aushandelten.

Der Auftakt ist jedoch allen Luther-Orten gemein: sein (angeblicher) Thesenanschlag an der Schlosskirche zu Wittenberg am 31. Oktober 1517. Die sogenannte Thesentür gilt als Angelpunkt, ganz gleich ob es wirklich 95 Zettel waren, die Martin allein oder mit Freunden an dieses damals hölzerne Portal nagelte.

Klugerweise hat man die Luther-Dekade genutzt, um Bauwerke mit Reformationsbezug aufwendig zu restaurieren oder mit modernen Anbauten zukunftsfit zu machen. Die so behandelte Wittenberger Schlosskirche wurde 2016 feierlich wiedereröffnet. Von 2010 bis 2014 dauerten die Arbeiten an Wittenbergs Stadtkirche St. Marien, in der Luther predigte und erstmals die Messe in deutscher Sprache gefeiert wurde. Die beiden kräftigen Türme, die über die Häuser am Marktplatz hinausragen, waren 2015 fertig saniert. Beide Kirchen gehören seit 1996 zum UNESCO-Weltkulturerbe, genau wie Wittenbergs Lutherhaus, das die originale Lutherstube von 1538 enthält. An dem erhaltenen Holztisch plauderte Luther mit Freunden und Studenten, die aus ganz Europa zu seinen Vorlesungen an die Uni zu Wittenberg strömten.

Am Lutherhaus wurde noch Anfang Mai kräftig gewerkelt, um das als Augusteum bezeichnete Vordergebäude für die dortige der insgesamt drei Nationalen Sonderausstellungen herzurichten – weitere finden sich auf der Wartburg und im Berliner Gropiusbau.

Eine Sensation gab es schon 2004, als man bei Gartenarbeiten auf der Südseite des Hauses auf einen bisher unbekannten Anbau stieß, vermutlich Luthers Arbeitszimmer. Schlagzeilen machte insbesondere die Luther-Latrine. „Jahrelang ging es bei Anfragen immer um Luthers Klo“, lacht Stefan Rhein, Direktor Stiftung Luthergedenkstätten Sachsen-Anhalt.

Überraschungen ergaben sich auch beim Bau von Wittenbergs neuem Stadthaus, geplant von den Architekten Ralf Niebergall, Magdeburg, und Fabian Schulz, Biederitz. Bei vorherigen Ausgrabungen stieß man auf die Reste der Franziskaner-Klosterkirche aus dem 13. Jahrhundert und fand sogar die Skelette des 1370 verstorbenen Kurfürsten Rudolf II. plus Frau und Tochter – nun zu sehen in der dunklen, kirchenähnlichen Halle. Gelungene Moderne mit großer Vergangenheit.

Moderner Anbau an Luthers Sterbehaus

In anderen Städten bieten An- und Ergänzungsbauten mit Nachhaltigkeitspotenzial Raum für neue Ausstellungskonzepte. Das gilt speziell für Eisleben, wo Luther am 10. November 1483 als Martin Luder geboren wurde und am 18. Februar 1546 verstarb. Dort sind weder sein Geburts- noch sein Sterbehaus original, haben jedoch Tradition „und vermitteln den Besuchern die Luther-Aura“, sagt Daniel Leis von der Stiftung Luthergedenkstätten Sachsen-Anhalt.

Luthers Geburtshaus brannte 1689 nieder, doch die Stadt baute sogleich ein neues. Nun haben Springer Architekten, Berlin, dem Haus einen modernen Anbau verpasst. Luthers Sterbehaus wurde gar Opfer einer Verwechslung. Wie man erst neuerdings weiß, stand es einst an der Stelle des heutigen Hotels Graf von Mansfeld. Man beließ es jedoch beim gewohnten Gebäude, hat es drei Jahre lang saniert und mittels einer Erweiterung durch VON M – Architektur und Kommunikation deutlich aufgewertet. Die Rückseite mit der Rasenfläche ist auch ein Treffpunkt für die Eislebener Bevölkerung. Überdies haben die Anbauten beider Häuser bereits mehrere Architekturpreise erhalten.

Von Erfurts Augustinerkloster, wo Luther von 1505 bis 1511 als Mönch lebte, sind noch Teile vorhanden. Die dazugehörige Kirche von 1350 wurde jedoch von 1844 bis 1849 neugotisch umgebaut. Anders der Dom St. Marien, Erfurts ältestes Gotteshaus. Dem Ursprungskirchlein von 752 – zu St. Bonifatius’ Zeiten – folgte ein romanischer Bau und dessen Erweiterung im gotischen Stil bis zum 14. Jahrhundert. Dort wurde Luther 1507 zum Priester geweiht. Und über die steinerne Krämerbrücke von 1325, die längste bebaute Brücke Europas, muss auch Luther gegangen sein. Besonders beliebt ist heutzutage ihre Rückseite mit den hübschen Fachwerkhäusern unten an der Gera-Furt. Das traditionelle Gasthaus „Zur hohen Lilie“ von 1538 hat ihn vielleicht auch gereizt. Seit Mai 2017 ist es, wie die weiß-blaue Flagge zeigt, eine Dependance des Münchner Hofbräuhauses.

Doch was wäre die Reformation ohne Eisenach, das Luther „meine liebe Stadt“ nannte? Von 1498 bis 1501 lebte er dort als Schüler bei der Familie Cotta im heutigen Lutherhaus, einem der ältesten und schönsten Fachwerkhäuser Thüringens. Nach zweijähriger Sanierung und durch einen Anbau ist nun Platz für die neue interaktive Dauerausstellung über drei Etagen, für die das Haus bereits den „ICONIC AWARD 2016“ erhalten hat.

Doch nichts geht über die Wartburg hoch über Eisenach. Mit jährlich 350 000 Besuchern ist sie ohnehin Thüringens Top-Besuchermagnet. Schon in den Vorhöfen herrscht Gewimmel. In der Sonderausstellung mit handschriftlichen Originalen und Luther-Bibeln sowieso. Als Junker Jörg getarnt und unter dem Schutz von Kurfürst Friedrich dem Weisen übersetzte der vom Papst geächtete Luther hier 1521/1522 die Bibel aus dem Griechischen ins Deutsche. Den Satan, der ihn vermeintlich attackierte, verscheuchte er mit dem Wurf des Tintenfasses, so die Legende. Dieser ständig als Souvenir abgekratzte Klecks wird jetzt mit einem Beamer auf die Wand geworfen. (Ursula Wiegand)

Abbildung: Moderner Anbau an Luthers Sterbehaus in Eisleben. (Foto Ursula Wiegand)



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