Bauen

Das neue JUFA in Kempten. (Foto: JUFA Gästehäuser)

27.01.2012

Römische Behaglichkeit

Das neue Jugend- und Familiengästehaus in Kempten

Cambodunum war in der frühen und hohen Kaiserzeit eine der bedeutendsten Städte in der Provinz Raetia. Aus Cambodunum hat sich über die Jahrhunderte das uns bekannte Kempten entwickelt. Heute kann man die Zeugnisse einer reichen Geschichte im archäologischen Park und in den Ausgrabungsstätten besuchen und über die unmittelbare Nähe von Gegenständen und Gebäuden staunen, die sich über mehr als zweitausend Jahre erhalten haben.
Die Kultur der Römerzeit hat viele Errungenschaften hervorgebracht, die man noch heute bewundern und ganz alltäglich gebrauchen kann: von der Kanalisation bis zur Bautechnik, von der Fußbodenheizung bis zum Rechtssystem, von der Wandmalerei bis zur Kultur der öffentlichen Thermen und Bäder. Die hohe Kultur der Römerzeit hält einen reichen Schatz an Erfindungen bereit, die helfen können, Feierlichkeit, Komfort und Behaglichkeit in unser alltägliches Leben einzuflechten.
Auch bei der Gestaltung und Einrichtung des Jugend- und Familiengästehauses (JUFA) in Kempten wurden Motive aufgegriffen, deren Herkunft aus der Tradition der römischen Kultur erkennbar bleibt, wenngleich sie für den aktuellen Gebrauch neu gedeutet werden konnten. Wichtige Gestaltungsmotive sind zum Beispiel die introvertiert um den Innenhof organisierte Gebäudekomposition in Anlehnung an das römische Atrium, der Sinn für Symmetrie (als Ausdruck von Harmonie und Gleichgewicht) bis in die Einrichtung einzelner Zimmer oder auch die Farbgestaltung, die einen kräftigen Farbkanon aufgreift, wie man ihn aus römischen Wandmalereien kennt.

Klar geformter Hauptbaukörper


Die Gesamtkomposition (Planung: Architekten Moosbrugger & Jartschitsch, Graz) des Gästehauses wird um einen klar geformten Hauptbaukörper entwickelt. Der gesamte Baukörper zeigt sich ein wenig introvertiert und klar artikuliert gegen die sehr heterogenen Bebauungstypologien der unmittelbaren Umgebung, dafür reich und freundlich entwickelt aus der heiteren Mitte des Innenhofs. Eine strenge Front zur Straße artikuliert Zugang und Vorbereich und gewährt den Durchblick in den Innenhof. Dieser Innenhof ist gartenartig und feierlich ausgeprägt, durch eine umlaufende Laube (ein moderner Säulengang) eingefasst und zugleich frei übergehend in die weiten Rasenflächen, die durch einen zweiten Säulengang im Süden begrenzt bleiben. Der Klang von Wasser unterstützt die Stimmung im Innenhof: großzügig und intim, übersichtlich und mit fein gefassten Ausblicken in das weitere Areal.
Die Farbgestaltung setzt kräftige Akzente. Auch hier werden Erfahrungen aus der Römerzeit aufgegriffen, um im gesamten Gästehaus eine Folge von stark akzentuierten Stimmungsräumen und (in der Folge der Räume) auch Stimmungsfolgen zu erzeugen. Die Intensität der Farbstimmungen wird dabei stets im Zusammenhang einer ruhigen Raumfolge entwickelt, jede Farbfläche tritt, wie aus einem starken Rahmen heraus, klar gefasst in Erscheinung und erlangt die Würde eines abstrakten Wandgemäldes. Konzentration angesichts der einzelnen Farbfläche, Belebung im Zusammenklang der Raumfolgen: in der Summe (und im erlebten Wechsel) der Stimmungen entsteht jene Ruhe und Feierlichkeit, die den Charakter des Gästehauses insgesamt prägt und den Besucher in eine entspannte und gehobene Stimmung versetzt.
Die Betreiber des Gästehauses hoffen, dass der aufmerksame Umgang mit diesen Motiven dazu beiträgt, dass die Gäste in Kempten Ruhe und Gelassenheit finden, den Komfort klarer Proportionen und sauberer Materialien genießen können und auf eine unaufdringliche Art einen Zustand erleben, den man als römische Behaglichkeit bezeichnen könnte.
In der behutsamen Übertragung einzelner Motive – Baumotive – aus der Antike in die Gegenwart wird auch der pädagogische Anspruch artikuliert, moderne Raumfolgen an diesem individuellen Ort zu finden, in denen ein feiner Nachklang der reichen Geschichte von Kempten unaufdringlich und frei neu empfunden werden kann. (BSZ)
(Blick in ein Zimmer - Foto: JUFA Gästehäuser)

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