Bauen

Das generalsanierte Bestandsgebäude. (Foto: Hettler)

07.09.2012

Saniert und auf den neuesten Stand der Technik gebracht

Berufliche Schulen am Simon-Knoll-Platz in München

„Im Auftrag der Münchner Bürgerschaft errichtet 1954 und 1960 vom Stadtrat der Landeshauptstadt München.“ So schlicht kündet die kleine Metalltafel im Eingangsbereich der Beruflichen Schulen am Simon-Knoll-Platz vom Bau ihrer Schulhäuser. Um die 1000 Schüler, die Bäcker, Konditor oder Metzger werden wollen, die die Meisterschule für das Konditorenhandwerk besuchen oder das Hotel-, Gaststätten- und Braugewerbe erlernen, kommen täglich an ihr vorbei. Ein Zusatz fehlt jedoch: Im August 2005 beauftragte der Stadtrat das Baureferat, die bestehenden Schulgebäude zu sanieren und auf den neuesten Stand der Technik zu bringen. 2007 bis 2011 wurde die Baumaßnahme ausgeführt, nachdem vorab im Jahr 2007 der Erweiterungsbau fertig gestellt war.
Das klingt ganz einfach. Die Anstrengung jedoch war gewaltig: Räumliche Defizite und problematische betriebliche Zustände, die dem Alter und der Dauerbelastung des Bestands geschuldet waren, machten eine Generalinstandsetzung, also quasi einen Rückbau bis auf den Rohbauzustand nötig – und das bei laufendem Schulbetrieb mit insgesamt mehr als 4000 Auszubildenden. Aus statischen und brandschutztechnischen Gründen mussten Decken ertüchtigt, sämtliche Fenster ausgetauscht, die Haustechnik erneuert, Räume verlegt und neu organisiert werden.
Ein Wärmedämmverbundsystem sorgt heute an der Außenfassade für den energetisch zeitgemäßen Standard der Altbauten. Ein neuer Aufzug wurde eingebaut. Was jedoch belassen werden konnte, haben die Architekten aus dem Münchner Büro Fritsch und Tschaidse erhalten – die Projektleitung lag beim Baureferat der Landeshauptstadt –, sorgsam saniert und sensibel eingepasst. Das Büro entwarf bereits den Erweiterungsbau. So erinnern etwa die Natursteinböden in den Treppenhäusern und den Eingangszonen an die jeweilige Entstehungszeit der Schulbauten.
Kräftig setzt sich nun das rote Linoleum, das in den weiß gestrichenen Fluren verlegt wurde, von den hellen Solnhofener Platten und dem dunkelgrauen Marmor ab. Die Fensteraufteilung – horizontale Fensterbänder und große Rechteckformate, die charakteristisch sind für die Architektur der 50er und 60er Jahre – wurde ebenso erhalten und erneuert wie der jetzt freundlich leuchtende Gelbton der Putzfassade. Vor allem aber die elegante Haupttreppe sorgt für eine Zeitreise in die Baugeschichte: Großzügig wendelt sie sich nach oben und verleiht dem ganzen Haus eine leichte, heitere Atmosphäre. Dazu die charmanten, aus Metall gebogenen Darstellungen der unterschiedlichen Berufe, die die Wände kunstvoll schmücken.
Behutsam wurde das Geländer der Treppe erhöht und einige Geländerstäbe verstärkt, um den heutigen Sicherheitsanforderungen zu entsprechen. Respektvoll interpretiert die raumgreifende und raumprägende offene Treppenskulptur im Erweiterungsbau die historische Treppe neu und sorgt für ein harmonisches Zusammenspiel von Alt- und Neubau.
Eine dreigeschossige Brücke, in deren Glasfassade sich sowohl die verputzten Bestandsgebäude als auch der mit farbigen Tafeln verkleidete Erweiterungsbau bei gutem Wetter spiegeln, ermöglicht die witterungsunabhängige Verbindung zwischen den Häusern. Sie schwebt über dem zurückhaltend, aber dennoch einladend gestalteten Schulhof und lässt den Blick auf den angrenzenden Sportplatz frei. Dank des Neubaus und der Neuorganisation der Schulen konnten die Räumlichkeiten effektiver genutzt und angemietete Flächen aufgegeben werden. So sind im Bestand sämtliche Klassenzimmer untergebracht, während die technikintensiven Fachräume und Küchen im Neubau Platz finden. Jede Schule wurde dabei als Einheit auf einem Geschoss angeordnet. Die Verwaltung sowie die Hausmeisterwohnung befinden sich heute im Kopfbau am Simon-Knoll-Platz, der mit einem gläsernen Erker architektonisch auf den Erweiterungsbau verweist.
Die Künstlerin Sabine Funke akzentuiert die Halle des Erweiterungsbaus und die Flure im Altbau mit großformatigen Farbfeldern, die sich im Dialog mit der Architektur zu dreidimensionalen Farbräumen zu öffnen scheinen. Für den Innenhof hat der Künstler Thaddäus Hüppi sechs buntbemalte Bronze-Skulpturen geschaffen, die – in der Tradition mittelalterlicher Zunftzeichen – mit viel Witz und Ironie die unterschiedlichen Berufsbilder der Schule personifizieren.
Eine alte Weisheit besagt, dass die Gestaltung der Umgebung für das Lernen eine entscheidende Rolle spielt. In diesem Sinne kann wieder eine zukunftsweisende Ausbildung in einer zeitgemäßen Schulanlage angeboten werden. (Katharina Matzig)

(Teilansichten der Beruflichen Schulen am Simon-Knoll-Platz in München - Fotos: Hettler)

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