Bauen

17 000 Quadratmeter Fläche umfasst der Neubau. (Foto: Baur Consult)

12.07.2013

Schicke neue Fertigungshallen

Neubau für die Waldi Schuhfabrik in Haßfurt

Inmitten idyllischer Hügel, umgeben von malerischen Dörfern wachsen fünf kubische, anthrazitfarbene
Gebäude, versetzt aneinander gebaut, in den Himmel.
Das Areal der Waldi Schuhfabrik vor den Toren der fränkischen Gemeinde Haßfurt ist so neu, dass selbst der frisch ausgesäte Rasen sich noch nicht ganz zu vollem Grün entfaltet hat.
Modern, glatt, gerade und auf das Wesentliche reduziert, bilden die dunklen Bauten ein spannendes Pendant zum hellen Anbau am oberen Ende. Hier – und vorerst nur hier – erkannt man, wo man ist: An der Anschrift „Waldi Schuhfabrik“. Fahnen und Tafeln, die in naher Zukunft schon von weitem sichtbar machen sollen, wer in den nagelneuen Gebäuden Schuhe produziert, sind bestellt.
17 000 Quadratmeter umfasst der Neubau – geplant von Baur Consult, Haßfurt – im Industriegebiet. Rund 15 Millionen Euro investierten die Inhaber in die Erweiterung der Produktionsstätten – und damit in die Zukunft des Unternehmens. Der Spatenstich für die Bauarbeiten erfolgte im März 2012. Schon Ende Mai 2013 fand der Umzug der gesamten Produktion in die neuen Hallen statt. Und zwar innerhalb von zweieinhalb Tagen. „Donnerstag nach Produktionsschluss wurde alles eingepackt, am folgenden Montag in der Früh ging die Produktion ganz normal wieder los“, berichtet Senior Chef Hans Joachim Wolter und fügt hinzu: „Alles eine Frage der Organisation“.
Zusammen mit dem Gebäude des Werks 2, das bereits 2002 am Standort entstanden ist, steht dem Schuhproduzenten nun am Stammsitz eine Fläche von insgesamt 24 000 Quadratmeter zur Verfügung. Das Gelände, auf dem 1945 der Startschuss für die Schuhfabrik fiel, wurde 2011 verkauft.
Das Hauptaugenmerk bei der Produktion liegt auf einer möglichst funktionalen Gestaltung der Arbeitsabläufe und einer kostengünstigen Realisierung der Maßnahme. Die Produktion verläuft entlang einer U-förmigen Produktionslinie, die mit Lagerbereichen beginnt und endet, so dass An- und Ablieferung denselben Bereich mit Laderampen nutzen können. Die Anordnung von Lagern, parallel zur Produktion, gewährleistet eine schnelle Versorgung mit Produktionsmitteln.
Die dem Produktionsablauf folgende Gebäudeform bildet einen Innenhof, dem als Ruhepol Sozial- und Kantinenbereich zugeordnet sind. Der leicht konische Zuschnitt des Grundstücks erzwingt eine rückspringende Staffelung des Gebäudes zur Erschließungsstraße hin, was zusammen mit Glasfugen eine angenehme kleinteilige Gliederung der enormen Baumasse erzeugt.
Aufgrund der Lage am Übergang zur freien Landschaft wurde eine nicht-spiegelnde, dunkle Farbigkeit gewählt, die das Gebäude im Landschaftsbild tarnt und zusammen mit der Sonderprofilierung der Blechhaut gleichsam einem Nadelstreifenanzug eine zurückhaltende Nobles erzeugt und dadurch gleichzeitig zeigt, dass hier qualitativ hochwertige Produkte produziert werden.
Die Fensterflächen werden dabei großflächig durch gelochte Blechtafeln überspielt, dadurch wird den Mitarbeitern ein von äußeren Blicken geschütztes, konzentriertes Arbeiten ermöglicht bei gleichzeitiger großer Transparenz von innen nach außen. Am Verwaltungsgebäude wurde Wert auf eine kundenfreundliche, offene Gestaltung gelegt, dies zeigt sich schon bei der Zufahrt, wo einen Besucher zwei überdimensionale Schaufenster begrüßen und ihn am Work-Flow teilhaben lassen.
Die Innenraumschalen, sowohl von Produktion als auch vom Büro, die in ihrer Grundkonstruktion aus Beton bestehen, sind einheitlich in hellem Weiß gehalten, während im Büro der Boden in dunkelgrauer und schwarzer Farbigkeit die Seriosität der geleisteten Verwaltungsarbeit widerspiegelt, nimmt in der Produktion eine farbige Industriebodenbeschichtung die Dynamik des Fertigungsprozesses auf. In der Farbigkeit wurde dabei grün gewählt, denn grün transportiert die für die Philosophie der Firma Waldi wichtigen Schlagworte frisch, natürlich, lebendig, aktiv. Diese Farbigkeit tritt auch an der Außenfassade in Erscheinung, aber nur dort, wo der innere Fertigungsprozess nach außen dringt, beim Versand der Produkte an der Lkw-Verladerampe.
700 Mitarbeiter sind bei der Waldi Schuhfabrik beschäftigt. Sie produzieren am Unternehmenssitz zwischen 5000 und 7000 Paar Schuhe pro Tag. Lagerflächen für Leder und die fertigen Schuhe sind nun umfänglich vorhanden. Das Gebäude des ehemaligen Werks 2 ist für die Schaftherstellung und die gesamte Organisation der Heimarbeit reserviert. Insgesamt rund 1500 Männer und Frauen nähen die Finn Comfort Schuhe daheim von Hand zusammen. In Haßfurt holen sie sich alle Komponenten für ihre Arbeit; nach zwei Tagen bringen sie die fertigen Schuhe dann wieder zur Fabrik zurück. Anschließend erfolgen vor Ort Eingangskontrolle, Einleisten, Finish und Endkontrolle
„Made in Germany“ ist für die Inhaberfamilie keine Phrase. In Zeiten, da mancher Hersteller zumindest Teile der Produktion „zurück“ nach Europa holt, sieht man sich hier durchaus im Trend und ist stolz darauf, das Versprechen, nur in Deutschland Schuhe zu fertigen, nie gebrochen zu haben. „Ich habe immer gesagt: Wir werden an dieser Strategie festhalten, solange das wirtschaftlich darstellbar ist“, sagt Hans Joachim Wolter. Dass dies Auswirkungen auf das Preisgefüge der Schuhe hat, ist dem Unternehmer bewusst. Wobei die Produktionskosten nur ein Aspekt sind; auch bei den Materialien geht man keine Kompromisse ein und setzt auf bestmögliche Qualität.

Beeindruckende Fertigungshallen


Auf der anderen Seite bietet die Produktion in Deutschland ein Maximum an Flexibilität. Schnell kann man hier auf aktuelle Entwicklungen und Trends reagieren. In kürzester Zeit werden Nachbestellungen abgewickelt. 250 Artikelpositionen sind dafür ständig am Lager. „Auf bewährte Qualität verzichten, nur um den Preis zu minimieren? Da sagen wir Nein“, erklärt Ralph S. Wolter, der gemeinsam mit seinem Bruder Jens, den Weg ins elterliche Unternehmen gefunden hat.
Etwa die Hälfte einer jeden neuen Finn Comfort Kollektion sind Modelle, die ganzjährig erhältlich sind. Die andere Hälfte umfasst modischere Typen, die nur für die jeweilige Saison angeboten werden. Alle Schuhe verfügen über ein lederbezogenes Kork-Latex-Fußbett, das bei Bedarf orthopädisch zugerichtet werden kann. „Die Basis ist immer der orthopädische Ansatz“, berichtet Ralph Wolter. Durchaus habe sich auch das Angebot von Finn Comfort in den letzten Jahren aktuellen Trends angenähert; neue Schnitte, Farben und Materialien kamen hinzu. Allerdings sieht man in Haßfurt seine Marke klar definiert und keine Notwendigkeit, das, wofür Finn Comfort nun einmal steht, zu verwässern: „Mode um der Mode willen, weil wir andere Kunden erreichen wollen? Nein“, erteilt Ralph Wolter der Idee eine Absage.
Wer die Fertigungshallen in Haßfurt besichtigt, kann gar nicht anders, als beeindruckt zu sein. Hier wird mit viel Sorgfalt und Akribie jeder einzelne Bestandteil der Schuhe vorbereitet, werden die Komponenten zum fertigen Produkt verbunden. Bis zu 140 Arbeitsschritte sind dafür erforderlich. Und ein solcher Schuh – davon sind Unternehmer überzeugt – muss erklärt werden. „Es ist wichtig, dass man erst den Schuh am Fuß hat, bevor man den Preis sieht“, sagt Hans Joachim Wolter. Darum setzt man bei der Waldi Schuhfabrik traditionell auf die Zusammenarbeit mit dem mittelständischen Fachhandel.
Schuhe bei großen Filialisten? Bei Versendern? Gar bei Internet-Anbietern? Klare Antwort: „Nein.“ Wobei Hans Joachim Wolter ab und an schon die Frage durch den Kopf geht, ob denn der Fachhandel, an den man in Haßfurt so sehr glaubt, auch dem Lieferanten immer die Treue halten wird. Heute werden Finn Comfort Schuhe in 48 Ländern angeboten. Die Exportquote liegt bei 45 Prozent.
Die Marke Finn Comfort verfügt inzwischen über einen Bekanntheitsgrad von 29 Prozent in der Altersgruppe 14 bis 69-Jährige. „Wir stellen fest: Wenn ein Händler voller Engagement hinter unserer Marke steht, dann ist er auch erfolgreich“, so der Senior Chef. (BSZ)

(Rund 15 Millionen Euro wurden in den Neubau investiert; zwischen 5000 und 7000 Paar Schuhe werden täglich gefertigt - Fotos: Baur Consult)

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