Bauen

Das Residenzschloss ist ein dreiflügeliger Bau im Barockstil. (Foto: Neumann)

02.11.2015

Schloss und Bürgerhäuser

Bad Arolsen: Stadtgrundriss im barocken Stil

Bad Arolsen, eine sehenswerte Kleinstadt im Landkreis Waldeck-Frankenberg, hat gleich zwei Besonderheiten, die der Besucher sofort beim näheren Betrachten entdecken wird: Neben einem barocken Residenzschloss gibt es auch einen Stadtgrundriss mit schmucken Bürger- und Fachwerkhäusern im Barockstil. Das Straßenraster fällt dem Betrachter sofort auf, denn es zeigt das für die damalige Zeit typische Schachbrettmuster.
Die ursprünglichen Planungen sahen vor, östlich und westlich des Barockschlosses einen gespiegelten Stadtgrundriss zu bauen, doch dafür reichte aber nach Fertigstellung der Marstall-Anlage das Geld nicht mehr. Deshalb konnte diese Idee nicht vollständig umgesetzt werden. Und noch etwas ist sehenswert: 1670 wurde die Große Allee, die auf 1600 Metern Länge angelegt worden ist, sechsreihig mit rund 880 Eichen bepflanzt. Dieses grüne Blätterdach spendet den Kurgästen noch heute in den Sommermonaten viel Schatten.
Viele Häuser im Altstadtkern von Bad Arolsen stehen unter Denkmalschutz: Dazu gehört auch das so genannte Schreibersche Haus. Im Inneren dieses Gebäudes findet der Besucher unter anderem auch Gemälde und graphische Arbeiten aus dem 19.Jahrhundert, die sehr sehenswert sind. Der Festsaal wurde von Johann Friedrich Valentin gestaltet und gehört mit seinen Schnitzereien zu den schönsten Hessens.
Das „Kaulbachhaus“ sollte ebenfalls auf dem Besichtigungsprogramm stehen, denn es ist das Geburtshaus des Historienmalers und Illustrators Wilhelm von Kaulbach und gehört zu den ältesten Gebäuden der Stadt. Hier sind Gemälde und graphische Arbeiten der Arolser Malerfamilie sowie eine Schreinerwerkstatt im Original zu sehen.
Bad Arolsen ist durch Fürst Friedrich Anton zu Waldeck und Pyrmont zu seinem wunderschönen barocken Residenzschloss gekommen. Denn er ließ ab 1710 diese imposante dreiflügelige Anlage im Barockstil durch seinen Baumeister Julius Ludwig Rothweil erstellen und zog 1720 selber ein – obwohl dieser Bau zu diesem Zeitpunkt noch unvollendet war. Leider fehlte dem Fürsten das nötige Kleingeld für die Fertigstellung. Erst sein Nachfolger, Fürst Friedrich schaffte es, den Schlossbau 100 Jahre später, 1810, endlich zu vollenden. Die verspielte Architektur des Gebäudes hat Ähnlichkeit mit dem französischen Schloss Versailles. Zum Gelände in Bad Arolsen gehört auch ein englischer Garten mit einem Rondell.
Das Schloss wird heute noch von der Fürstenfamilie bewohnt; während der Öffnungszeiten kann es aber im Rahmen einer Führung besichtigt werden. Im Sommer finden hier alljährlich die Arolser Barockfestspiele statt. Die Innengestaltung des Residenzschlosses in Bad Arolsen wurde im 17.Jahrhundert zügig vorangetrieben: 1740 bekamen die Zimmer im Westflügel ihren barocken Stil. Doch nach 1746 wurde entschieden, die Räume der Fürstin zu Waldeck und Pyrmont im zeitgemäßen Rokokostil einzurichten. Sehenswert sind heute im Schloss das barocke Treppenhaus, der Gartensaal und der Große Saal. Die Decken beeindrucken durch ihre Stuckarbeiten, die im barocken Stil gestaltet wurden.

Barockes Treppenhaus


Der Barock dauerte von 1575 bis 1770 und wurde in die Abschnitte Frühbarock (bis etwa 1650), Hochbarock (von 1650 bis 1720) und Spätbarock oder auch Rokoko genannt (von 1720 bis 1770) eingeteilt. Der Barock liegt zwischen Renaissance und Klassizismus und entstand in der Zeit des Absolutismus.
Die Barockkunst gilt als heiter bis verspielt und weist keine starre Formen auf. Alle strengen Stilrichtungen der Renaissance sind hier aufgelöst worden: Kuppeln, Giebel, Säulen und Fenstergruppen mussten reich verziert werden. Lichteffekte wurden zusätzlich effektvoll genutzt.
Die Kunstrichtung Barock, in Italien geboren, „wanderte“ kreuz und quer durch Europa und erreichte schließlich auch Deutschland. Die barocken Baumeister fanden ihre Anregungen und Ideen auf ihren Reisen durch die verschiedenen Länder und waren damals begehrt. Durch ihre Reisen entwickelten sie ganz unterschiedliche barocke Stilrichtungen. Die Franzosen zum Beispiel zeigten sich sehr offen für diese neue Stilrichtung; doch wurde hier der „römische“ Stil viel strenger als gedacht umgesetzt. Ein Studium in Italien war für jeden Baumeister ein unbedingtes „Muss“. (Sabine Neumann)

(Viele Häuser in Bad Arolsen stehen unter Denkmalschutz - Fotos: Neumann)

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