Bauen

In 18 Minuten vom Augsburger Hauptbahnhof nach Friedberg-West. (Foto: Stadtwerke Augsburg)

11.02.2011

Schnelle Verbindung in den Augsburger Osten

Die neue Tramlinie 6 als erstes Teilprojekt der Mobilitätsdrehscheibe in Betrieb

Mit der Eröffnung der Straßenbahnlinie 6 hat in Augsburg eine neue Nahverkehrs-Zeitrechnung begonnen. Nicht nur, dass die Fertigstellung nach knapp dreieinhalb Jahren Bauzeit von den Augsburgern sehnlich erwartet wurde. Vielmehr ist diese neue, 6,8 Kilometer lange Straßenbahnlinie der erste fertiggestellte Baustein der „Mobilitätsdrehscheibe“, ein in Augsburg als Jahrhundertprojekt bezeichnetes Programm zum Ausbau des Nahverkehrs.
Mit der Linie 6 hat Augsburg nun fünf Straßenbahnlinien. Was wie ein Widerspruch klingt, erklärt sich aus der Augsburger Straßenbahnhistorie: Bis 1960 fuhr die „Sechser“ schon einmal auf einer ähnlichen, damals jedoch einspurigen Route von der Innenstadt in den Osten. Die neue Linie führt nun vom Hauptbahnhof über den Lech bis in die Nachbarstadt Friedberg, wo auf freiem Feld die Endhaltestelle „Friedberg-West“ mit einem 300 Parkplätze umfassenden P&R-Platz angelegt wurde.
Einen guten Kilometer weit fährt die Linie 6 vom Hauptbahnhof kommend bis zum Roten Tor auf dem Bestandsgleis und teilt sich dieses über weite Strecken mit den Linien 2 und 3. Die Neubaustrecke ist 5,5 Kilometer lang, mit zumeist eigenem Gleiskörper. Nur an zwei Engstellen verlaufen die Gleise in der Straße. Damit dort ebenso wenig wie an Kreuzungen weder die Straßenbahnen noch der Autoverkehr ausgebremst werden, wird der Verkehr von modernster Verkehrs-Leittechnik gesteuert.
18 Minuten dauert die Fahrt vom Augsburger Hauptbahnhof bis zur Endhaltestelle Friedberg-West mit insgesamt 15 Haltestellen. Alle Haltestellen entlang der knapp 60 Millionen Euro teuren Strecke sind barrierefrei und mit neuen Fahrkartenautomaten mit Notruffunktion bestückt. Rund 22 Kilometer Schienen mit einem Gesamtgewicht von etwa 1320 Tonnen wurden ebenso verbaut, wie 60 000 Tonnen Beton und 100 000 Tonnen Asphalt.

Lücke konnte
geschlossen werden


Entlang der Linie 6 wohnen rund 40 000 Personen. Die Erschließung dieses Potenzials mit einem schnellen, zuverlässigen und komfortablen Verkehrsmittel war überfällig. Und so wurde die Lücke im Straßenbahnnetz im Augsburger Osten nun geschlossen. Einer der größten Vorteile für die Fahrgäste ist der dichte Takt. Statt mehrerer parallel verkehrender Buslinien, die oft im Verkehrsstau stecken blieben, ist die Straßenbahn untertags im Fünf-Minuten-Takt unterwegs; am Wochenende verkehren sie immerhin noch im 7,5-Minuten-Takt, in den Abendstunden bis Mitternacht alle Viertelstunde.
Übergeordnetes Ziel des Straßenbahnbaus ist die umweltschonende Erschließung des Augsburger Stadtteils Hochzoll und des Stadtteils Friedberg-West zur Verbesserung der Umwelt- und Lebensqualität. Der Bau hat keine Nachteile für Natur, Boden und Menschen – ganz im Gegenteil. Im Verlauf der Linie 6 wurde beim Bau im Untergrund häufig Schutt gefunden, der nun fachgerecht entsorgt ist und ausgetauscht wurde. Rund 500 Bäume mussten gefällt werden – fast 800 wurden dafür neu gepflanzt. Bezüglich Lärm- und Erschütterungsschutz wurden alle Vorkehrungen getroffen, die die Beeinträchtigung für Anwohner minimieren. Modernste Unterbodenmatten und Entkoppelungssysteme wurden eingebaut, entlang der Augsburger Straße wurden Lärmschutzwände für einige Häuser entrichtet. Passiver Schallschutz wird bei allen Gebäuden eingebaut, wo Grenzwerte ohne Lärmschutzfenster überschritten wären.
Für den Stadtteil Hochzoll, bedeutet die neue Straßenbahnlinie nicht nur eine bessere und schnellere Nahverkehrs-Anbindung, sondern der Umbau brachte auch eine Neugestaltung der bisherigen vierspurigen Durchgangsstraße zu einem Ortsteilzentrum. Und so wartet die Haltestelle Hochzoll-Mitte mit einem besonderen Glanzlicht auf: Eine Lichtinstallation in den Fahrgastunterständen, gestaltet von der Künstlerin Rita Kriege mit dem Titel „Schwingungslinie in kaltem und warmen Farbverlauf“.

250 Millionen Euro
teures Gesamtprojekt


Die neue Straßenbahnlinie 6 ist das erste fertiggestellte Teilprojekt der so genannten Mobilitätsdrehscheibe. Ende Januar wurde nun – nach zwei Bürgerentscheiden 2007 und 2010 – mit dem zweiten Teilprojekt, dem Umbau des zentralen Nahverkehrs-Knotenpunkts Königsplatz begonnen. Herzstück der Mobilitätsdrehscheibe ist der Umbau des Augsburger Hauptbahnhofs, bei dem die Straßenbahn-Haltestellen unter die Bahnsteige verlegt werden und so ein naher, barrierefreier Übergang zwischen Nahverkehr und Regional- sowie Fernverkehr möglich ist. Zudem entsteht eine weitere Straßenbahnlinie, die Linie 5 Richtung Westen.
Fünftes Teilprojekt der Mobilitätsdrehscheibe ist die Verlängerung der Straßenbahnlinie 1 im Osten zum Bahnhof Hochzoll mit Anschluss an den Regional- und Fernverkehr. Bis 2019 soll dieses ehrgeizige, rund 250 Millionen Euro teure Gesamtprojekt Mobilitätsdrehscheibe fertig sein. (Jürgen Fergg)

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