Bauen

Blick in die neue Dreifachsporthalle. (Foto: Willfried Schaffrath)

03.07.2015

Schöner sporteln

Neubau einer Dreifachturnhalle für die Jakob-Sandter-Realschule in Straubing

Die Regierung von Niederbayern erteilte im Juli 2007 die Schulaufsichtliche Genehmigung für eine Dreifachturnhalle in Straubing. Der Bedarf für eine zusätzliche städtische Turnhalle mit den entsprechenden Außenanlagen bestand vor allem an der Jakob-Sandtner-Realschule, aber auch an anderen städtischen und privaten Schulen im Bereich der Innenstadt. Aufgrund der Bedeutung und Dimension des Projekts wurde 2007 ein Architektenwettbewerb durchgeführt, aus dem im Juni 2008 das Architekturbüro Löhle-Neubauer Architekten aus Augsburg als Sieger hervorging. Im Dezember 2008 wurden alle Planungsaufträge durch den Stadtrat vergeben. Die schlechte Finanzlage der Stadt und der notwendige Nachtragshaushalt führten im Juli 2009 zum Stop der Planung. Erst im Dezember 2010 beschloss der Stadtrat die Fortführung des Projekts. Der Baubeginn konnte dann im Sommer 2012 und die Fertigstellung zum Schuljahresbeginn 2014 erfolgen.
Der Neubau der Sporthalle und die Jakob-Sandtner-Realschule bilden zusammen mit dem Wasserturm ein neues städtebauliches Ensemble. Die Sporthalle liegt parallel zur Realschule und ist von der Inneren Passauer Straße nach hinten versetzt. Durch die Platzierung der Sporthalle wird der Pausenhof der Schule räumlich gefasst und es entsteht eine attraktive fußläufige Verbindung durch das Quartier in Nord-Süd-Richtung mit direktem Blickbezug zum Wasserturm.
Die Außensportflächen sind hinter der Sporthalle angeordnet und ermöglichen so eine Nutzung der Anlagen ohne Lärmbelästigung des Schulbetriebs. Der Entwurf der Sporthalle in Passivbauweise öffnet sich sowohl zur Inneren Passauer Straße als auch zum Pausenhof der Jakob-Sandtner-Realschule. Der Hauptzugang erfolgt vom Pausenhof. Der kleine Vorplatz an der Inneren Passauer Straße stellt zum einen die denkmalgeschützte Fassade der Schule frei und zum anderen wird die Adresse der Schule aufgewertet.
Die eingeschossig eingegrabene Sporthalle bietet seinen Besuchern durch das transparent gestaltete Foyer eine einladende Zugangssituation mit Blick auf die Hallensportflächen. Dieses offene, multifunktional nutzbare Foyer mit Besucher-WC, Garderobe und Küche bietet eine maximale Übersichtlichkeit und erschließt den angrenzenden Tribünenbereich.
Die großzügige Verglasung der Sporthallenfassade gegenüber dem Foyer sorgt in Zusammenspiel mit Oberlichtern in der Dachfläche für eine natürliche Belichtung der Hallenebene und schafft zudem eine Blickbeziehung zu den Außensportflächen. Über eine separate, nur für den Sportbereich bestimmte Treppe und einen Aufzug sind die drei autark bespielbaren Hallenbereiche mit den jeweiligen Umkleiden und Sanitäreinrichtungen im Untergeschoss erschlossen. Hier befinden sich zudem die Technik-, Lager- und Geräteräume sowie ein direkter Aufgang zu den Außensportflächen.
Die Grundkonstruktion der Halle besteht aus tragenden Stahlbetonwänden mit entsprechender Stahlbetonbodenplatte. Das Tragwerk des Hallendachs ist in Stahlbauweise mit HEB-2-Feld-Trägern sowie Kragarmen umgesetzt und wird von Stahlstützen im Foyer und Fassadenbereich gehalten. Die Sporthalle nimmt sich außen und innen in ihrer Materialität stark zurück. Bekleidet sind die gedämmten und hinterlüfteten Stahlbetonaußenwände mit linear angeordneten Aluminiumkassetten unterschiedlichster Breite, welche mit einer handgesprühten Speziallackierung im „Cloud-Effekt“ beschichtet sind.
Die zweiseitige Transparenz des Gebäudes wird durch eine raumhohe Aluminium-Pfosten-Riegel-Fassade mit Dreischeiben-Isolierverglasung gewährleistet, deren Profile jeweils flächenbündig zur anschließenden Konstruktion eingebaut sind. Verdeckt liegende Aluminium-Jalousien, die durch ein gespantes Netz vor Ballwurfschäden geschützt werden, gewähren den Sonnen- und Blendschutz.
Robuste und beanspruchte Bereiche im Inneren wie zum Beispiel WC, Garderoben, Küche, Lagerräume sowie die Erschließungszonen wurden außenseitig in Sichtbeton ausgeführt. Prägend für die wohltuende Atmosphäre von Sporthalle und Foyer ist jedoch die allseitige Innenbekleidung mit Holz, die auch die erforderliche Raumakustik und den Anprallschutz gewährleistet. Im Foyer und den Erschließungszonen wurde eine Epoxidharzbeschichtung, in der Halle ein orangefarbener Linoleum als Bodenbelag gewählt. In Kombination mit den transparenten Fassadenseiten prägen diese Materialien das helle, freundliche und einladende Erscheinungsbild des Gebäudes. Beim Betreten der Umkleide und Nassbereiche werden die Sportler durch eine einheitliche, kräftige Farbgebung der Räume an Wand und Decke überrascht: Gelb, Grün, Blau setzen hier bewusst Akzente.
Das Turnhallengebäude wird durch eine erdverlegte Heizungsfernleitung vom benachbarten Schulgebäude aus mit Wärme versorgt. Zur Reduktion von Wärmeverlusten wird die Fernleitung bedarfsgerecht bezüglich Betriebstemperatur und -zeiten betrieben. Die Wärmelieferung vor allem für die sommerliche Warmwasserbereitung erfolgt durch eine auf dem Flachdach der Turnhalle aufgeständerte thermische Solaranlage mit 35 Quadratmetern Fläche. Die Beheizung des Gebäudes erfolgt durch eine Sportbodenheizung im Sporthallen- und Konditionsbereich und eine herkömmliche im Nassestrich verlegte Fußbodenheizung. Die Raumtemperaturregelung sowie die gesamte Heizungs-, Lüftungs- und Sanitärregelung wird durch eine übergeordnete KNX-basierte Steuerung durchgeführt, die Warmwasserbereitung und das Heiznetz zeit- und präsenzabhängig betrieben.
Das gesamte Turnhallengebäude ist mit einer Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung ausgestattet. Die notwendige hygienische Außenluftmenge (60 m3/h pro Person) für die Turnhallenlüftung mit einer Gesamtmenge von 4500 m3/h entspricht in etwa dem Bedarf für die Dusch- und Umkleideräume. So kann die hygienisch unbelastete und trockene Abluft der Turnhallen genutzt werden zur Belüftung der fensterlosen Umkleide- und Duschbereiche. Die Nachströmluft wird bei Belegung der Umkleiden und Duschen von etwa 14 Grad Celsius Turnhallentemperatur auf 22 Grad Celsius nacherhitzt. Die Zu- und Abluftmengen aller Räume sind bedarfsgerecht (Zeit, Feuchte und/oder Kohlendioxid/Luftqualität) durch Volumenstromregler gesteuert.
Die Lichtsteuerung in der Turnhalle ist mit Präsenzmeldern und Fühlern ausgestattet, wodurch sich das Licht automatisch auf die äußeren Gegebenheiten (Lichteinwirkung) und die Nutzung der Bereiche einstellt. Für Wettkämpfe kann man diesen Modus ausschalten und die gewünschte Lichtleistung dauerhaft einstellen. Die Beleuchtung im Umkleidebereich wurde in LED-Technik ausgeführt. Für die gesamte Steuerung sorgt ein intelligentes KNX/Bussystem, wodurch diese jederzeit ohne Verkabelungsaufwand umprogrammiert werden kann.
Weiterhin ist die komplette Technik auf eine extern steuerbare Visualisierung aufgeschaltet. Die eingebaute Beschallungsanlage kann man auf verschiedene Bereiche aufteilen und so zum Beispiel in den verschiedenen Hallen unterschiedliche Musik hören oder aber bei gemeinsamer Nutzung alles miteinander verwenden. Eine induktive Höranlage in Halle 3 ermöglicht auch Menschen mit eingeschränktem Hörvermögen die Teilnahme an Veranstaltungen in der Halle. (Marko Kreyssig)

(Zusammen mit dem Wasserturm bilden der Sporthallenneubau und die Schule ein neues Ensemble; die Halle von außen; Erschließung und Umkleiden im Untergeschoss - Fotos: Willfried Schaffrath)

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Kommentare (1)

  1. Markus am 06.07.2015
    Was für ein Architektengeschwurbel!! "Die Sporthalle nimmt sich außen und innen in ihrer Materialität stark zurück." Das ist nichtssagender Nonsens! Seit werden denn hier einfach nur Werbetexte von Architektenbüros abgedruckt? Und zum Bau: Wieder so ein "Sicht"betonpalast, für den uns unsere Enkel genauso verachten werden, wie wir die Entscheidergeneration der 60-er und 70-er Jahre.. Fensterlose Umkleiden und Gänge mit dem Charme von Justizvollzugsanstalten!

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