Bauen

Der Nürnberger Bahnhof von Innen gesehen. (Foto: Christian Bedeschinski)

12.07.2013

Schöner und komfortabler reisen

Bahnhöfe in Bayern werden weiter modernisiert

Zwischen 600 und 700 Millionen Euro investiert die Deutsche Bahn AG (DB) jedes Jahr in die Instandhaltung und Modernisierung ihrer Bahnhöfe. 2011 waren es aufgrund des Konjunkturprogramms des Bundes sogar mehr als 800 Millionen Euro. Mit diesem Geld, das vor allem den kleinen und mittelgroßen Stationen zugute kam, konnten unter anderem Empfangsgebäude energetisch saniert, der stufenweise Ausbau weiter vorangetrieben, komfortablerer Wetterschutz sowie moderne Beleuchtungen auf den Bahnsteigen realisiert werden.
Nach dem Auslaufen des Konjunkturprogramms gingen die Modernisierungen natürlich weiter, zum Beispiel mit Mitteln aus dem Infrastrukturbeschleunigungsprogramm (IBP) des Bundes. Im Februar 2012 hat der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestags die Projektliste für das vom Bund aufgelegte Infrastrukturbeschleunigungsprogramms mit einem Volumen von 100 Millionen Euro für die Bahnhöfe beschlossen. Damit kann die DB Modernisierungen und Verbesserungen an fast 200 Bahnhöfen weiterführen. Die Planungen für über 260 Projekte an rund 200 Bahnhöfen sind weitgehend abgeschlossen, darunter für mehr als 30 Bahnhöfe in Bayern.
Bei der Modernisierung stehen kleinere und mittlere Bahnhöfe im Fokus. Die Maßnahmen reichen von der Herstellung der Stufenfreiheit durch den Bau von Rampen oder Aufzügen über die Modernisierung von Bahnsteigen sowie deren technischer Ausstattung bis zur Verbesserung der Fahrgastinformation und des Wetterschutzes. Alle Projekte aus dem IBP sollen bis Ende 2013 größtenteils abgeschlossen sein.
In Bayern werden an 21 Bahnhöfen Bahnsteige neu gebaut beziehungsweise stufenfrei erneuert. An neun Verkehrsstationen – darunter Grafing Bahnhof, Maxhütte-Haidhof, Landshut Hauptbahnhof, Schwabach sowie in München Karlsplatz und Marienplatz – profitieren die Reisenden von Aufzügen, Fahrtreppen oder langen Rampen für den barrierefreien Zugang. An vielen Bahnhöfen gibt es künftig neue Fahrgastinformationsanlagen. Der Schwerpunkt der Bauarbeiten liegt im Jahr 2013. An einigen Bahnhöfen waren schon 2012 Baufortschritte zu sehen. Dazu gehörte unter anderem Bad Reichenhall, wo der barrierefreie Ausbau und die Erhöhung der Bahnsteige bereits Anfang November abgeschlossen wurden.
Die 100 Millionen Euro aus dem IBP ergänzen die Investitionen von rund 700 Millionen Euro, die jährlich in Instandhaltung und Modernisierung der Bahnhöfe fließen. Das Geld stammt vom Bund, den Ländern und der Deutschen Bahn.
Rund ein Fünftel (1011) der insgesamt 5400 Bahnhöfe liegen in Bayern. Einen Schwerpunkt der Modernisierungen bildet, wie erwähnt, der stufenfreie Ausbau der bayerischen Bahnhöfe. In Garmisch-Partenkirchen, Murnau, Mittenwald und Rosenheim wurde beispielsweise der stufenfreie Umbau der Verkehrsstation abgeschlossen. Ferner ging der neu gebaute Aschaffenburger Hauptbahnhof in Betrieb. Derzeit baut die DB Station&Service AG mit finanzieller Unterstützung des Bundes und des Freistaats weitere bayerische Bahnhöfe stufenfrei aus. So laufen unter anderem die Bauarbeiten in den S-Bahn-Netzen München und Nürnberg sowie in Ingolstadt Hauptbahnhof und Traunstein. Für die Hauptbahnhöfe in Passau und Würzburg laufen die Planungen. Damit ist Bayern Vorreiter, was den stufenfreien Ausbau der Bahnhöfe angeht. Bundesweit sind rund 3800 der 5400 Bahnhöfe stufenfrei erreichbar.
Die Deutsche Bahn investiert bis zum Jahr 2015 zwischen Aschaffenburg und Berchtesgaden insgesamt 5,7 Milliarden Euro in den Ausbau und die Modernisierung von Gleisen, Weichen, Signalen, Stellwerken und natürlich auch von Bahnhöfen, erklärt Klaus-Dieter Josel, Konzernbevollmächtigter der DB AG Bayern.
Als wichtige Drehscheibe im deutschen Schienenverkehr und als Bindeglied nach Süd- und Osteuropa gehört der Münchner Hauptbahnhof zu den größten Kopfbahnhöfen Europas. In den nächsten Jahren soll der Hauptbahnhof weiterentwickelt werden. Dabei ist der Neubau des Empfangsgebäudes vorgesehen.
Das heutige Empfangsgebäude des Münchner Ostbahnhofs öffnete 1985. 23 Jahre später wurde die komplette Fassade des Bahnhofs saniert. Große Teile der Station wurden mit Fahrtreppen und Fahrstühlen in den vergangenen Jahren stufenfrei umgebaut. Derzeit laufen die Bauarbeiten für die restlichen Bahnsteige. Darüber hinaus werden die Bahnsteigdächer modernisiert.
Im Rahmen des Konjunkturprogramms der Bundesregierung wurden im Nürnberger Hauptbahnhof die Informationen für die Reisenden durch die Installation von neuen Fahrgastinformationsanlagen weiter optimiert. Darüber hinaus konnte die Aufenthaltsqualität auf den Bahnsteigen durch die Sanierung einzelner Bahnsteigdächer gesteigert werden. Mit der Einrichtung einen Blindenleitsystems und dem Austausch von Aufzügen und Fahrtreppen konnte außerdem die Stufenfreiheit weiter verbessert werden.

Sanierung von Empfangsgebäuden


Nach der energetischen Sanierung des Empfangsgebäudes des Hauptbahnhofs Würzburg im Jahr 2010 liegt in den nächsten Jahren der Schwerpunkt auf der Neugestaltung der Vermietungsflächen und dem stufenfreien Umbau der Bahnsteige. Zudem soll der Bahnhofsvorplatz neu gestaltet werden. Geplant ist, die Gesamtsanierung des Bahnhofs bis zur Landesgartenschau 2018 abzuschließen.
Die Finanzierung der Bahnhöfe basiert grundsätzlich auf drei Säulen: Neben Eigenmitteln der DB stehen vor allem finanzielle Mittel des Bundes (LuFV: Leistungs- und Finanzierungsvereinbarungen zwischen Bund und DB AG) und der Länder zur Verfügung. Mit der LuFV hat die DB Station&Service AG vom Bund die fianzielle Sicherheit für einen Zeitraum von fünf Jahren. Damit ist die Finanzierung der technisch notwendigen Ersatzinvestitionen bundesweit gewährleistet. Die Vereinbarung läuft noch bis Ende 2013. Für zusätzliche Modernisierungen in den Bahnhöfen, wie beispielsweise den Einbau von Fahrtreppen, Aufzügen oder Rampen, werden Beteiligungen der Bundesländer angestrebt. Inzwischen gibt es mit zwölf Bundesländern so genannte Rahmenvereinbarungen, die sich schwerpunktmäßig auf die Modernisierung von Nahverkehrsstationen konzentrieren. Der Vorteil: Rahmenverträge bringen Planungssicherheit für die nächsten Jahre – und zwar sowohl für die DB als auch die Bundesländer.
Mit Bundesmitteln sind vor allem die Maßnahmen an Verkehrsstation – die meisten Bahnhöfe setzen sich aus zwei Teilen zusammen: der Verkehrsstation und dem Empfangsgebäude – förderfähig, wie beispielsweise der Einbau von Fahrtreppen, Aufzügen oder Rampen. Für die Sanierung von Em-pfangsgebäuden muss die DB Station&Service AG im wesentlichen Eigenmittel aufbringen, da hier lediglich größere Investitionen anteilig mit LuFV-Mitteln finanziert werden können und der Löwenanteil der notwendigen Maßnahmen deshalb über Vermietungserlöse refinanziert werden muss.
Finanzielle Rahmenvereinbarungen zwischen der DB und den Bundesländern sind somit die Basis für erfolgreiche Bahnhofsentwicklung.
Ein Beispiel vorbildlicher Zusammenarbeit ist der Bahnhof Rosenheim. Das Empfangsgebäude in Rosenheim wurde 2010 umfassend energetisch saniert. Er profitierte dabei in hohem Maß vom Konjunkturprogramm, das die Bundesregierung Anfang 2009 aufgelegt hatte. Seit 2008 flossen rund 40 Millionen Euro in die Modernisierung des Bahnhofs.

Klimakönig
beim Energiesparen


Mit den finanziellen Bundesmitteln konnten die bisher ungedämmten Fenster, die Fassade und das Dach grundlegend saniert werden. Außerdem wurden die rund 50 Jahre alten Heizleitungen und Heizkörper ausgetauscht sowie die komplette Heizanlage auf Fernwärme umgestellt. Darüber hinaus sorgen neue Fenster aus Verbundglas dafür, dass so gut wie keine Wärme mehr entweicht. Dass sich diese Investitionen gelohnt haben, zeigt die neue Energiebilanz des Bahnhofs: Die gesamte Gebäudetechnik entspricht nun den neuesten Anforderungen der Energiesparverordnung 2012.
Insgesamt konnte der Energiebedarf um 90 Prozent gesenkt werden. Der Bahnhof Rosenheim avancierte damit zum Klimakönig beim Energiesparen innerhalb des gesamten Konjunkturprogramms. Auch die Kohlendioxid-Emissionen reduzierten sich deutlich – sie gingen um mehr als 50 Prozent zurück.
Die Verkehrsstation wurde seit Sommer 2008 vollständig erneuert, alle Bahnsteige sind jetzt über die neue Unterführung und durch Aufzüge erreichbar. Ein Blindenleitsystem, neue Bahnsteigdächer, Beleuchtung und Wegeleitung sowie moderne Bahnsteigausstattungen runden das Paket ab. Auch die Vermietungsflächen im Bahnhof wurden optimiert und die Wartebereiche für die Reisenden erweitert. Die Stadt hat zudem die Bahnsteigunterführung verlängert und eine Park+Ride-Anlage mit insgesamt 400 Parkplätzen errichtet.
Ein Paradebeispiel für die erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen DB, Stadt und einem Privatinvestor ist die Modernisierung des Hauptbahnhofs Aschaffenburg und seine Finanzierung. Einen Großteil der Investitionen übernahm ein regionaler Privatinvestor. Weil dieser bereits in den Jahren davor einige Gebäude im Bahnhofsumfeld modernisiert hatte, beschlossen er und die DB Station&Service AG, geschäftlich zusammenzuarbeiten. Der Neubau des Hauptbahnhofs wurde als so genanntes PrivatePublicPartnership-Projekt realisiert.
Mehr als 44 Millionen Euro investierten das Unternehmen und die DB zwischen 2008 und 2011 in den Bahnhof. Das alte Empfangsgebäude aus dem Jahr 1954 war so heruntergekommen, dass nur der Abriss und ein Neubau infrage kamen. 25 Millionen Euro steuerte allein der Privatinvestor bei. 15 Millionen Euro kamen vom Bund für den stufenfreien Umbau der Bahnsteiganlagen.

Eine große,
freundliche Eingangshalle


Das Beteiligungsmodell sah wie folgt aus: Die DB übereignete dem Investor einen Teil des Bahnhofsgrundstücks – dafür errichtete dieser darauf einen modernen Gebäudekomplex für Reisende und Besucher. Alle Flächen der Verkehrsstation sind im Besitz der DB Station&Service AG geblieben. Die übrigen gehören dem Investor, bei der DB Station&Service AG verbleibt ein Miteigentumsanteil. Einige Büroflächen sind Gemeinschaftseigentum.
Seit der offiziellen Inbetriebnahme im Januar 2011 empfängt eine große und freundlich gestaltete Eingangshalle die Reisenden mit Reisezentrum und DB Information. Seitlich schließen sich Läden und Büros für Gastronomie, Dienstleister und Einzelhandel an. Auch an die Pendler und Autofahrer wurde gedacht. Das von DB BahnPark betriebene Parkhaus bietet Platz für rund 400 Fahrzeuge. Hinzu kommt ein regionaler Busbahnhof, der von der Stadt Aschaffenburg direkt neben dem Hauptbahnhof gebaut wurde. Darüber hinaus gestaltete die Stadt das gesamte Bahnhofsumfeld neu. So wurde nördlich des Bahnhofs beispielsweise eine Park & Ride Anlage errichtet.
(Friedrich H. Hettler)

(Der Bahnhof München-Pasing; der stufenfreie Zugang zum Bahnhof Baar-Ebenhausen; die Bahnhöfe in Ingolstadt, Regensburg, Rosenheim und Sulzbach-Rosenberg - Fotos: Christian Bedeschinski)

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