Bauen

Gefluteter Goldbergsee Coburg. (Foto: WWA Kronach, Siegmaund Katholing)

11.10.2013

Schutz- und Erholungsort

Hochwasserrückhaltebecken Goldbergsee mit Lauterüberleitung

Häufig auftretende Hochwasserereignisse im Flussgebiet der Itz führen zu erheblichen Überschwemmungen. Sie entstehen durch das Zusammentreffen von großflächigen Dauerregenereignissen mit der Schneeschmelze in den Höhenlagen des Thüringer Walds. Die Stadt Coburg ist ein besonderer Brennpunkt, da hier mehrere größere Gewässer im Stadtgebiet zusammenfließen und es somit zur Überlagerung von Hochwasserereignissen kommen kann.
Um Abhilfe zu schaffen, wurde ein umfangreiches Hochwasserschutzkonzept erstellt, das das komplexe Zusammenwirken aller Zuflüsse erfasst. Ziel des bereits in Teilen realisierten Konzepts ist es, Hochwasser oberhalb der Stadt zurückzuhalten. Neben den notwendigen technischen Rückhalteeinrichtungen sind zusätzlich Anpassungs- und Schutzmaßnahmen an den einzelnen Gewässern vorgesehen. Alle Maßnahmen sind auf den Schutz vor Hochwasserereignissen mit 100-jährlicher Wiederkehr ausgelegt.
Für die einzelnen Maßnahmen sind unterschiedliche Träger zuständig:
– Für die Projekte Froschgrundsee, Goldbergsee und Lauterüberleitung hat der Freistaat wegen ihrer überregionalen Bedeutung für den Hochwasserschutz die Trägerschaft übernommen. Maßgebliche Teile der Gesamtmaßnahme werden durch die Europäische Union kofinanziert.
– Für die Vorhaben an der Itz (Gewässer erster Ordnung) ist der Freistaat ebenfalls Träger. Für Maßnahmen an der Lauter zur Itz, Röden und Sulzbach, alles Gewässer zweiter Ordnung, war bisher der Bezirk Oberfranken zuständig (bis 31. Dezember 2008).
– Das 2004 fertiggestellte Rückhaltebecken Rottenbach (Gewässer dritter Ordnung) am Stadtrand von Coburg ist ein eigenes Projekt der Stadt.
Das 1986 fertiggestellte Hochwasserrückhaltebecken beim Rödentaler Stadtteil Schönstädt hält Hochwasser der Itz und der Effelder zurück. Das Dammbauwerk, ein Zonendamm mit natürlicher Erddichtung, erhebt sich 18 Meter über die Talsohle. Die Dammkrone hat 350 Meter Länge. Das Speichervolumen beträgt insgesamt sieben Millionen Kubikmeter, das Rückhaltevolumen 6,7 Millionen Kubikmeter. Der Hochwasserüberlauf ist in einem Kombinationsbauwerk gemeinsam mit den beiden Grundablässen mittig im Damm angeordnet. Vom Betriebsgebäude des Hochwasserrückhaltebeckens Froschgrundsee aus findet die Steuerung des Gesamtsystems statt.
Ab Mai 2003 wurde am nordwestlichen Stadtrand von Coburg der Bau des zweiten großen Hochwasserrückhaltebeckens begonnen. Das im Tal des Sulzbachs gelegene Becken soll Hochwasser des Sulzbachs und der Lauter mittels der fertiggestellten Überleitung aufnehmen und gedrosselt abgeben. Als Absperrbauwerk wurde ein Erddamm mit flacher Böschung geschaffen, der sich mit sieben Metern Höhe gut in das Tal einfügt. Die Kronenlänge beträgt 290 Meter.
Der See hat eine ständige Wasserfläche von 71,5 Hektar, bei Hochwasser können bis zu 145 Hektar überstaut werden. Das Speichervolumen beträgt insgesamt rund 2,8 Millionen Kubikmeter. Das Rückhaltevolumen umfasst im Winter etwa 2,7 Millionen Kubikmeter und im Sommer rund 1,9 Millionen Kubikmeter.
Aus dem Bereich des Rückhaltebeckens wurden die Staatsstraße St 2205, ein Abwasserkanal und verschiedene Wasser- und Gasleitungen herausverlegt. Nach Abschluss der Leitungsverlegungen erfolgte die Ausdeichung einer Gärtnerei, die wegen ihrer ungünstigen Lage einen Objektschutz erhielt.
Die Errichtung des Sperrenbauwerks wurde ab Herbst 2005 begonnen. Im November 2006 wurde der Stauraum südlich der Bahnlinie gestaltet. Ein Jahr später erfolgte dann die Anpassung der Bahnlinie und die landschaftliche Gestaltung des Stauraums nördlich der Bahnlinie (Biotopsee) wurde in Angriff genommen. Im November 2010 wurde der Probestau erfolgreich durchgeführt.
Der Goldbergsee Coburg hält nicht nur Hochwasser zurück, er dient auch der Freizeit und Erholung. So hat sich die Landschaft des Sulztals zwischen Neuses, Beiersdorf und Glend verwandelt. An den Geländeformen erkennt man deutlich, dass sich der neu gebaute Stausee in drei Teile gliedert. Ein Grundsee mit neuen Uferwegen entstand zwischen Neuses und Beiersdorf; nach Norden schließt sich die ruhige Nordostbucht an.
Die Bahnlinie Coburg-Bad Rodach trennt den Biotopsee ab, der sich unabhängig von Freizeitaktivitäten entwickeln soll. Der Biotopsee ist als Natura 2000-Gebiet überregional geschützt.
Im Sommer erreicht die Wasserfläche mit breiten Schilf- und Röhrichtbeständen eine Größe von über 70 Hektar. Es entstanden kleine Inseln und ausgedehnte Teichrosenbestände. Beim hundertjährlichen Hochwasser kann sich der See hinter dem sieben Meter hohen Damm auf fast 150 Hektar ausdehnen. Kurzfristig werden dabei Wiesen-, Schilf- und Auwaldflächen überstaut, die der Freistaat vollständig erworben hat. Diese Flächen werden nunmehr vom Staat extensiv gepflegt und unterhalten.
 Im Herbst wird der Hauptsee zwischen Beiersdorf und Neuses um bis zu zwei Meter abgesenkt, um zusätzlichen Hochwasserrückhalteraum in der hochwasserkritischen Zeit zu gewinnen. Der Seeteil im NATURA 2000-Gebiet wird zur Schonung der Ufervegetation nur um einen halben Meter abgesenkt. Dabei kommen am ganzen See so genannte Winterinseln zum Vorschein, die zwischen flachen Wasserzungen hervorragende Rastplätze für viele Vogelarten darstellen.

Reduzierung der Fließgeschwindigkeit


Der staubedingte Verlust an Wiesenflächen wird durch die Ufergestaltung und die Pflegemaßnahmen auf den bleibenden Wiesen bestmöglich ausgeglichen. Damit Mensch und Natur vom Hochwasserrückhaltebecken profitieren, wurden verschiedene Zonen gestaltet, die ein angemessenes Auskommen für Radfahrer, Freizeitsportler und Erholungssuchende, für die stille Naturerkundung und für die Natur selber ermöglichen.
Brütende Kiebitze, Blaukehlchen und der Silberreiher, lichte Laubwälder mit Eisenhut und Türkenbundlilie, herrliche Ausblicke auf die Veste Coburg und die Schlösser Callenberg und Falkenegg und dazwischen ein naturnah gestaltetes Gewässer – all dies kann nunmehr entdeckt werden.
Technische Hochwasserschutzmaßnahmen entlang der Lauter sind in dem eng besiedelten Tal in der Gemeinde Lautertal schwer zu verwirklichen und würden für die Stadt Coburg keine Entlastung bringen. Der Goldbergsee Coburg im Nachbartal ist so dimensioniert, dass er auch Hochwasser aus der Lauter aufnehmen kann. Schadbringende Abflüsse aus der Lauter werden dorthin übergeleitet. Dadurch kann auf umfangreiche Schutzmaßnahmen in der Gemeinde Lautertal weitgehend verzichtet werden.
Die Überleitung wird hauptsächlich im Winterhalbjahr und nur im Hochwasserfall in Funktion genommen. Im Ortsteil Oberlauter wurde in der Lauter ein Drosselbauwerk mit zwei automatisch gesteuerten Schiebern errichtet. Sobald der Abfluss den vorgegebenen Grenzwert übersteigt, geht das Ausleitungsbauwerk in Betrieb und die Überleitung beginnt. An das Ausleitungsbauwerk schließt sich ein zwei Kilometer langer Freispiegelstollen an, der das Wasser im freien Gefälle ableitet.
Der Überleitungsstollen wurde in bergmännischer Bauweise aufgefahren. Der Tunnelanstich erfolgte am 10. November 2009. Die Vortriebsarbeiten dauerten bis Februar 2011. Der Stollen wurde aus südlicher in nördlicher Richtung durch bergmännische Vortriebsgeräte rund um die Uhr, 24 Stunden am Tag und sieben Tage die Woche vorangetrieben. Es wurden rund 8000 Tonnen Spritzbeton und Bewehrung verbaut. Nach dem Vortrieb wurde eine 40 Zentimeter starke Stahlbetoninnenschale in den Stollen mittels Fullround-Schalwagen eingebaut. Fertiggestellt wurde die Innen- schale im April 2012.
Am Südportal des Stollens befindet sich ein Tosbecken zur Reduzierung der Fließgeschwindigkeit des übergeleiteten Hochwassers. Auch während der Ausführungsphase wurden die getroffenen technischen Lösungen intensiv diskutiert, um steuerungstechnische Verbesserungen einfließen zu lassen. Hierzu zählt insbesondere die Steuerungsbündelung an bereits bestehende Standorte.
Aufgrund der nur geringen Überdeckung wurde das südliche Ende des Stollens in offener Bauweise errichtet. Nach der Stollenstrecke wurde eine flache, landschaftsangepasste Flutmulde erstellt, die bis in den Goldbergsee führt. Die an der Mulde liegende Ortschaft Glend wird durch einen Deich geschützt, außerdem wurden zwei Brücken für die Gemeindeverbindungsstraßen gebaut.
Mit dem Einbau der Stahlwasserbauteile und verschiedener Sicherheitseinrichtungen, der Installation der Steuerungstechnik und dem Anlegen der Dammbauwerke im Ausleitungsbereich wurde die Maßnahme 2013 vollendet.
Die Gesamtkosten des Goldbergsees Coburg und der Lauterüberleitung betragen rund 55,5 Millionen Euro. Beide Projekte wurden von der EU, der Stadt Coburg und der Gemeinde Lautertal mitfinanziert. Mit der Realisierung betraut war das Wasserwirtschaftsamt Kronach. Die offizielle Einweihung beider Maßnahmen erfolgte im Juli 2013. (BSZ)

(Das Hochwasserrückhaltebecken; Blick in den Stollen; der Goldbergsee mit Blick auf die Veste Coburg und das Drosselbauwerk im Ausleitungsbereich des Lauterüberleiters - Fotos: WWA Kronach, Siegmund Katholing/Matthias Hofmann)

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