Bauen

Durch die in der Höhe variierte Auslenkung der Pfeiler entsteht ein Relief, das sich nach oben hin glättet. (Foto: Gima-Ziegel/M. Heinrich)

20.07.2012

Schwingende Fassade

Rückbau und Sanierung eines Instituitsgebäudes der TU München aus dem Jahr 1963

Das Haus 0505, ein Institutsgebäude auf dem Gelände der Technischen Universität München (TUM), war ursprünglich aus unterschiedlichen, geschossweise „übereinandergestapelten“ Stahlbeton-Rahmen-Konstruktionen errichtet worden. Daraus folgten dann auch entsprechend unterschiedliche vertikale Baulinien zwischen der ebenerdigen Halle und den darüberliegenden Geschossen.
Diese Eigenart des Vorgängergebäudes aus den 1960er Jahren ist jetzt im Zuge der Sanierung, die insbesondere im Hinblick auf aktuelle Energie- und Brandschutzanforderungen erforderlich wurde, von den Architekten Hild und K, München, aufgenommen und weiterentwickelt worden. Die ehemals vorgehängte Fertigteilfassade ist in diesem Zusammenhang einer vorgemauerten Klinkerschale gewichen. Damit wurden Bezüge aufgenommen, sowohl zu den umgebenden TU-Bauten, als auch generell zu der Bestandsarchitektur.

Die Pfeiler schwingen in
die Ebene der Brüstungen


Nach den Entwürfen von Hild und K gliedert sich die neue Klinkerfassade in Brüstungen und Pfeiler. Letztere folgen dabei den Fluchten der vorhandenen Stützen und damit auch den aus der Vergangenheit konstruktionsbedingten Rücksprüngen oberhalb des ersten Obergeschosses, das heißt ab dem zweiten Obergeschoss schwingen die Pfeiler in die Ebene der Brüstungen zurück und reagieren so auf die bestehende Stahlbetonkonstruktion.
Die maximale Auslinkung der Pfeilerverblendung wurde dabei in der Höhe leicht variiert. So entsteht im unteren Bereich ein starkes Relief, das sich nach oben hin glättet. Unterstützt wird diese ornamentale Ausformung durch den verwendeten Klinker des Herstellers GIMA, Girnghuber GmbH, Marklkofen, ein speziell für dieses Objekt produzierter Stein in der Farbe „Argento“ im Sonderformat 240 x 115 x 40 Millimeter.
Die für dieses Objekt entwickelte Glasur, ähnlich einer keramischen Salzbeschichtung, ist mattglänzend, so dass sie die Lichtreflexionen der schwingenden Pfeilerbekleidungen diffus bricht. Damit vermittelt dieser dunkel glänzende Vormauerklinker zugleich zwischen dem Sichtmauerwerk der 1950er- und 1960er-Jahre-Gebäude auf dem Nordgelände der TU und den Aluminium-Fassaden der technischen Neubauten im südlichen Areal.
Fassadenbündig integrieren sich die Fenster ausgewogen in das Wechselspiel von Vorsprung und Fläche, von Pfeiler und Brüstung. Größen und Achsen wurden unverändert von dem Vorgängerbau übernommen.
Das erwähnte, recht eigenwillige Stahlbetonskelett des Ursprungsgebäudes prägt auch das Innere des Hauses und wurde dementsprechend als sichtbare Konstruktion herausgearbeitet. Die hellen Gelbtöne nehmen Farben der umgebenden historischen Gebäude auf und schlagen damit einmal mehr eine Brücke zum architektonischen Kontext des weiteren Areals. Großformatige Fenster unterstreichen die Bezüge von Außen- und Innenraum und sichern eine optimale Tageslichtversorgung der Arbeitsplätze und gleichzeitig dem Nutzer eine natürliche, individuell einstellbare Lüftung. Lediglich Hörsäle, Labore und Besprechungsräume sind klimatisiert.

Eigenwillige Gebäudekonstruktion


Mit dieser neuen schwingenden Klinkerfassade, metallisch glänzend und ausgesetzt dem mit wechselndem Lichteinfall ständigen Spiel der Farben, ist hier eine sehr eigenwillige vorgegebene Gebäudekonstruktion ebenso eigenwillig saniert und inszeniert worden. Gleichzeitig wurde durch die mit Luftschicht und entsprechender Dämmung vermauerte Vorsatzschale der Wärmeschutz des Institutsgebäudes dem heutigen Standard angepasst. (BSZ)

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