Bauen

Die sanierte Brücke über den Inn. (Foto: Autobahndirektion Südbayern)

21.12.2012

Sicher über den Fluss

Instandsetzung der Innbrücke Pfraundorf

Die Autobahndirektion Südbayern hat von April bis November 2012 die Innbrücke Pfraundorf im Zuge der Bundesautobahn A 8 München-Salzburg instandgesetzt. Das etwa fünf Kilometer südlich von Rosenheim liegende Spannbetonbauwerk führt die hier vierstreifige Bundesautobahn mit einer Gesamtlänge von 296 Metern über den Inn und zwei flussbegleitende Geh- und Radwege.
Das Brückenbauwerk besteht aus zwei getrennten Überbauten und wurde im Jahr 1984 als Ersatzneubau für eine aus den 1930er Jahren stammende Brücke erstellt. Zu einem echten Exoten im Bereich der Autobahndirektion Südbayern wird das Bauwerk durch den für eine Autobahnbrücke äußerst ungewöhnlichen, auf dem Bauwerk parallel zur Fahrbahn geführten Geh- und Radweg, der die an beiden Innufern verlaufenden Wege miteinander verbindet. Durch eine Sonderkonstruktion mit Betonschutzwänden und Stahlgitterelementen wird dem besonderen Schutzbedürfnis der Fußgänger und Radfahrer zukünftig noch besser Rechnung getragen.
Im Rahmen der Bauwerksunterhaltung wurden in den vergangenen Jahren bereits mehrfach Reparaturen, vor allem an den stark beanspruchten Übergangskonstruktionen, durchgeführt. Die vier Übergangskonstruktionen des Bauwerks waren nach 27 Jahren durch Korrosion, Deformation und Undichtigkeiten in einem kritischen und irreparablen Erhaltungszustand. Die zwingend erforderlich gewordene Erneuerung der Übergangskonstruktionen war letztendlich auch der Auslöser für die Bauverwaltung, eine tiefer gehende Bauwerksuntersuchung durchzuführen und als deren Ergebnis eine umfassende Instandsetzung des Bauwerks zu planen.

Vielfältige Anforderungen


Die vertiefte Bauwerksuntersuchung brachte folgende Ergebnisse:
– Der Fahrbahnbelag wies Spurrinnen bis zu drei Zentimetern Tiefe, vereinzelt Risse und mehrfach Reparaturstellen auf und hatte mit 27 Jahren das Ende seiner Lebensdauer erreicht.
– Die Betonstruktur der darunter liegenden Fahrbahntafel war weitgehend ungestört. Nach Abtrag des Belags und der Abdichtung konnten nur vereinzelte kleinräumige Schadstellen durch Tausalzeintrag festgestellt werden.
– Die Brückenkappen waren in einem verhältnismäßig guten Zustand, allerdings konnten auch hier einige Risse und Abplatzungen wegen zu geringer Betondeckung des Bewehrungsstahls festgestellt werden. Die Abgrenzung zum Geh- und Radweg wies allerdings erhebliche Betonschäden auf.
– An den bestehenden Stahlschutzplanken und Stahlgeländern waren erhebliche Korrosionsschäden festzustellen. Die Schutzeinrichtungen entsprachen nicht mehr den aktuellen Regelwerken.
Aufgrund dieser Erkenntnisse wurde im Herbst 2011 beschlossen, neben den schadhaften Übergangskonstruktionen auch den Fahrbahnbelag und die Abdichtung zu erneuern sowie den Beton des Brückenüberbaus intensiver zu untersuchen und in den geschädigten Bereichen Instand zu setzen. Ferner wurden sämtliche im Baufeld befindlichen Schutzeinrichtungen und Geländer sowie letztlich auch die Brückenkappen ins Instandsetzungskonzept der Autobahndirektion aufgenommen.
Um die Instandsetzungsarbeiten innerhalb eines Jahres durchführen und damit die potenziellen Gefahrstellen an den Übergangskonstruktionen möglichst schnell beseitigen zu können, musste ein dem Bauablauf wie auch der örtlichen Verkehrssituation gleichermaßen entsprechendes Verkehrskonzept erstellt werden. Die vielfältigen Anforderungen konnten letztlich nur durch eine 4+0 Verkehrsführung in zwei Phasen mit Verlegung des gesamten Autobahnverkehrs auf jeweils eine der beiden Brückenhälfte erreicht werden.
Nach Ausschreibung der Baumaßnahme im Januar 2012 erfolgte die Auftragsvergabe an eine Bietergemeinschaft im März 2012. Mitte April wurde mit den Bauarbeiten an der Innbrücke begonnen.
In Bauphase 1 wurde die südliche Brückenhälfte instandgesetzt, während die jeweils zwei Fahrspuren in Fahrtrichtung Salzburg und München mithilfe einer Behelfsverkehrsführung über die nördliche Brückenhälfte geführt wurden. Mitte August erfolgte die Verkehrsumlegung auf die bereits fertiggestellte südliche Brückenhälfte, sodass die nördliche Brückenhälfte verkehrsfrei auf voller Breite bearbeitet werden konnte. Durch diese zweiphasige 4+0 Verkehrsführung konnte gegenüber einer 3+x Verkehrsführung mit verbleibenden Fahrspuren auf der in Bearbeitung befindlichen Brückenhälfte eine Zeitersparnis von etwa 40 Prozent erreicht werden, wodurch die Realisierung beider Phasen und somit der gesamten Baumaßnahme in einem Jahr möglich war.
Der ehrgeizige Zeitplan, beide Brücken innerhalb eines Jahres instand zu setzen, wurde nicht zuletzt durch die meist günstige Witterung und insbesondere durch die hervorragende Zusammenarbeit aller an der Maßnahme Beteiligten eingehalten. Der Rückbau der Behelfsverkehrsführung erfolgte vertragsgemäß Mitte November 2012.

Erhebliche Einsparungen


Das Erhaltungskonzept der Autobahndirektion Südbayern sieht vor, Bauwerke im Zyklus von etwa 25 bis 30 Jahren umfassend instand zu setzen, um Verkehrssicherheit, Standsicherheit und Dauerhaftigkeit für je einen weiteren Zyklus gewährleisten zu können und damit die Störungen im Straßenverkehr möglichst gering zu halten. Daraus ergeben sich ferner erhebliche Kosteneinsparungen einerseits bei der Bauausführung, andererseits aber auch bei den Kosten für Verkehrsführungsmaßnahmen, die bei Autobahnbaustellen üblicherweise im Bereich von 20 bis 40 Prozent der Gesamtkosten liegen.
Die Instandsetzung der Innbrücke Pfraundorf hat das bisher verfolgte Konzept bestätigt. Die Maßnahme erfolgte zu einem Zeitpunkt, an dem sich die Schädigung der Bausubstanz noch in Grenzen hielt und durch geringfügigen Betonersatz behoben werden konnte. (Andreas Pöppl)

(Bei der Brückensanierung wurde unter anderem auch der Fahrbahnbelag erneuert - Foto: Autobahndirektion Südbayern)

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