Bauen

Das Dali-Museum in St. Petersburg. (Foto: Schuh)

13.07.2012

Spektakuläres Gebäude

Ds neue Dali-Museum in St. Petersburg, Floria, ist so surreal wie die Welten des Künstlers

Die Gegend um St. Petersburg in Florida muss man sich wie die Côte d’Azur vorstellen. Nur eben auf amerikanisch. Die Küstenstadt hat eine Menge sehr hübscher Strände zu bieten, meist ziemlich schönes Wetter und seit 2011 ein sehenswertes Salvador-Dalí-Museum. Es beherbergt 2140 Werke des berühmten Malers, darunter 96 Ölgemälde, über 100 Aquarelle und Zeichnungen, 1300 Grafiken, Fotografien, Skulpturen – und damit die weltweit größte Sammlung des Surrealisten außerhalb Spaniens.
Warum gerade hier? Das verdankt das Städtchen St. Petersburg, das seinen Namen von einem russischen Einwanderer bekam, dem Zufall. Und dem US-Industriellenpaar Eleanor und Reynolds Morse. Die beiden Amerikaner entdeckten 1942 ihre Leidenschaft für Dalí und trugen die weltweit größte Sammlung von Werken des spanischen Surrealisten zusammen, darunter so bekannte Gemälde wie „Die Entdeckung Amerikas durch Christoph Kolumbus“. Ein Cocktail mit Dalí und seiner Frau Gala in der King Cole Bar des St. Regis Hotel in New York besiegelte in den 1940ern den Beginn einer Freundschaft, die vier Jahrzehnte halten sollte. Lange waren die Mäzene auf der Suche nach einem Ort, der sich einzig ihrem Lieblingskünstler widmet.
Das Sammler-Paar aus Ohio bot seine komplette Dalí-Kollektion 1982 als Geschenk an. Einzige Auflage: die Stadt, die sie bekommt, soll dafür ein Museum bauen und kein einziges Kunstwerk verkaufen. Die Sammlung sollte beisammen bleiben. Der 1989 verstorbene Surrealist, der sich in seinen Werken bevorzugt der Welt der Träume widmet, unterstützte diese Idee maßgeblich. St. Petersburg ließ sich nicht lange bitten. Fast 30 Jahre hat es dann zwar doch gedauert, bis die Gelder – immerhin 31 Millionen US-Dollar – beisammen waren.

Ein surreales Gebäude


Am 1. November 2011 pünktlich um 11.11 Uhr (Dalí liebte Nummern), war es dann soweit: Der neue Ausstellungskomplex in einem futuristischen Neubau direkt neben dem Mahaffey Theater an der St. Petersburger Waterfront wurde eröffnet. Und damit das dritte Privatmuseum der USA, das sich einzig einem Künstler widmet. Bislang wurde diese Ehre nur Wilhelm de Kooning und Andy Warhol zuteil. „Leider starb Eleanor Morse ein halbes Jahr vor Fertigstellung“, erzählt Pam Whiteaker, die im Museum arbeitet und regelmäßig Architekturführungen durch das Haus gibt. „Aber sie hatte bis zuletzt großen Einfluss auf den Bau.“
Surreal wie Dalis Welten sollte auch das Gebäude sein. Yann Weymouth und seine Kollegen vom amerikanischen Architekturbüro Hellmuth, Obata + Kassabaum (HOK) aus St. Louis wurden beauftragt. Yann Weymouth ist in der Architektenwelt ein großer Name, hat er sich doch mit dem Erweiterungsbau des Louvre in Paris, an dem er zusammen mit I.M. Pei arbeitete, weltweit einen Namen gemacht. In 22 Monaten wurde der Bau in Florida fertigstellt.
Innen wie außen ist das Dalí-Museum ikonisch: So bricht eine gigantische Glaskuppel mit seiner runden Form die konventionelle Gebäudestruktur. Das Museum besteht aus zwei kontrastierenden Elementen: Einer „Schatztruhe“ aus dickem Sichtbeton, der die Kunst beherbergt und einem skulpturalen Glas-Atrium, das Tageslicht ins Innere lässt – das erste seiner Art in den Vereinigten Staaten. Der Besucher schaut Richtung Osten auf den atemraubenden, Palmen-flankierten Marina-Hafen der Stadt mit der Meeresbucht Tampa Bay im Hintergrund. Die Glasblase – sie besteht aus 1602 einzelnen, dreieckigen Doppelglas-Panels – scheint den Sichtbetonblock geschmeidig zu umfließen. Diese freigeformte geodätische Struktur ist trotz ihrer Transparenz robust.
Das ist auch wichtig, muss das Museum doch Hurrikans bis zur Stufe 4 standhalten. Nicht unwichtig an einem Ort wie St. Petersburg, wo Wirbelstürme die Küste jährlich heimsuchen. Das Vorgänger-Gebäude musste bei einem anrückenden tropischen Stürmen regelmäßig geräumt werden.
Auf drei Stockwerken können Besucher die Exponate rund um Kunst, Kultur und Design bewundern. Eine gigantische frei tragende spiralförmige Wendeltreppe zieht sich durch das Gebäude in die Höhe. Wie eine Kathedrale nimmt die Glaskonstruktion die Funktion des Kirchenschiffs ein. Eine verspielte Anspielung auf Salvador Dali, die Treppe interpretiert die Helix eines DNA-Moleküls.
Dem exzentrischen Künstler würde die Treppe gefallen, ebenso das Haus, das seinen Namen trägt. Im Garten vor dem Eingang können sich Gäste zwischen einen überdimensionalen gezwirbelten Schnurrbart stellen und fotografieren lassen. Der Bart – ein Markenzeichen Salvador Dalís, mit dem sich der Exzentriker gern selbst in Szene setzte. Ein massiver Felsbrocken im Gras stammt aus Dalís Heimat Spanien: Ein Geschenk zur Eröffnung. Im Garten steht zudem ein „Wish-Tree“, ein Wünsch-dir-was-Baum. An dessen Ästen hängen viele kleine Wunschzettel. „Menschen aus aller Welt schicken Wünsche per Mail“, sagt Pam Whiteaker vom Museum.

Nachhaltiges Design


Das Gebäude wurde auf nachhaltiges Design getrimmt. Natürliches Sonnenlicht findet seinen Weg durch die geschickte Konstruktion und beleuchtet auch die Galerie auf natürliche Weise. Eine moderne Dämmung verhindert den Verlust von Energie. Das Dach reflektiert die Sonnenenergie und ein unnötiges Erwärmen wird minimiert. Die LED-Beleuchtung spart Energie und sorgt für ein angenehmes Licht. Sonnenkollektoren beheizen das Wasser und ein Auffangbecken speichert Regenwasser für die Bewässerung des klimaoptimierten Gartens.
Das Gebäude ist ähnlich spektakulär wie die Kunst die darin zu sehen ist. Das findet auch das „American Institute of Architects“, kurz AAI, und wählte das Museum gerade zur „Nummer 1“ in Florida. Das amerikanische Architekturinstitut nahm den Dalí-Bau in die Liste „100 Years. 100 Places“ als eines der besten Museen der USA auf. (Claudia Schuh)

(Die Wendeltreppe im Museum - Foto: Schuh)

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