Bauen

Heinrich Schroeter, Präsident der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau. (Foto: Birgit Gleixner)

22.06.2015

Spezialstudiengänge - ein Irrweg

Die Bayerische Ingenieurekammer-Bau fordert in einer Resolution eine breite Ingenieurausbildung– Zahlreiche Verbände schließen sich an

„Employability“ – dieses Schlagwort wird seit einigen Jahren an den Hochschulen immer wichtiger. Durch zahlreiche Spezialstudiengänge sollen Absolventen geschaffen werden, die – vermeintlich – besser in die Arbeitswelt passen. „Ein breit angelegtes, grundständiges Studium ist gerade im In-genieurwesen unverzichtbar“, kontert Heinrich Schroeter, Präsident der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau. Deswegen hat die Kammer eine Resolution verabschiedet, in der sie sich klar gegen eine Atomisierung der Bauingenieurstudiengänge ausspricht. Mehrere Ingenieurverbände haben sich der Resolution angeschlossen.
Wer früher Ingenieur im Bauwesen werden wollte, konnte zwischen drei Studiengängen wählen: Konstruktiver Ingenieurbau, Wasser und Verkehr. In allen stand eine breit angelegte Ingenieurausbildung im Mittelpunkt, die die Absolventen durch ein ganzes Berufsleben trug. Heute können Studierende eines von zahlreichen Spezialfächern wie Infrastructure planning oder Baustoffingenieurwesen wählen. „Es ist ein Irrweg, mit der Spezialisierung zu früh zu beginnen“, warnt Schroeter. „Natürlich braucht das Bauwesen auch Spezialisten, aber doch nicht nur! Ohne Generalisten geht gar nichts“, so Schroeter weiter. Viele neue Studiengänge schmücken sich mit aktuell positiv besetzten Begriffen wie „nachhaltig“ oder „ressourcenschonend“.
„Ein Ingenieursstudium kann die Absolventen nur dann durch ein ganzes Berufsleben tragen, wenn genug Zeit auf das Erlernen der grundlegenden Kenntnisse verwendet wird. Vielen Absolventen droht ein böses Erwachen, wenn ihnen wegen fehlender Grundkenntnisse die Eintragung in wichtige Listen verweigert werden muss. Ohne Eintragung in bestimmte Listen wie die der Nachweisberechtigten für Stand-sicherheit sind sie aber nur begrenzt berufsfähig“, erläutert der Kammer- Präsident. „Wer ein Studium beginnt, geht natürlich davon aus, dass er darin alles lernt, was er braucht, um in diesem Beruf zu arbeiten. Doch das ist inzwischen nicht mehr in jedem Fall so. Im Interesse der Studierenden und der ganzen Gesellschaft fordern wir die Hochschulen dazu auf, wieder zu einer grundständigen Ausbildung im Ingenieurwesen zu-rückzukehren“, so Schroeter.

Die Resolution im Wortlaut:
Die Bayerische Ingenieurekammer-Bau fordert eine grundständige, breit angelegte Ausbildung im Studium Bauingenieurwesen. Die zunehmend ausufernde Ausdifferenzierung von Studiengängen muss kritisch hinterfragt werden. 
-  Bei einer Einengung auf ein aktuell diskutiertes, zu eng begrenztes Spezialgebiet des Ingenieurwesens besteht die Gefahr, dass die erworbenen Kompetenzen und die zugehörige Berufsbezeichnung aktuell modisch und perspektivisch nicht tragfä-hig sind.
-  Derzeit gesellschaftlich diskutierte Attribute der Ergebnisse von Ingenieurarbeit dürfen nicht überwiegende oder gar alleinige Inhalte des Bauingenieurstudiums sein. Eine Spezialisierung von Studiengängen lediglich auf Schlagworte wie zum Beispiel die aktuell positiv besetzten Begriffe „nachhaltig“ oder „ressourcenschonend“ ist weder fachlich sinnvoll noch im Interesse der Absolventinnen und Absolventen.
Der Schwerpunkt im Bachelorstudium muss auf dem Erwerb grundständiger Fähigkeiten und Fertigkeiten der Absolventinnen und Absolventen liegen. Das Masterstudium dient der vertieften Ausbildung in einem Gebiet des Bauingenieurwesens und befähigt zu einer weiteren Spezialisierung. Es ist keine berufliche Weiterbildung. Auf der Grundlage einer breit angelegten Ausbildung muss lebenslanges Lernen während der Berufsausübung zur Beherrschung struktureller Wandlungen befähigen.

Die Resolution der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau wird unterstützt von: BAB - Berufsverband freischaffender Architekten und Bauingenieure e.V.; BDB - Bund Deutscher Baumeister, Architekten und Ingenieure e.V.; IfKom - Ingenieure für Kommunikation e.V. Bayern; VBI - Verband Beratender Ingenieure - Landesverband Bayern; VDI - Verein Deutscher Ingenieure e.V. - Landesverband Bayern; VIB - Verband der Ingenieurbeamten in Bayern e.V.; vpi - Vereinigung der Prüfingenieure für Baustatik in Bayern e.V.  und dem ZVI - Zentralverband der Ingenieure im öffentlichen Dienst in Bayern e.V. (BSZ)

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