Bauen

Die Attraktivität der Mainlände wurde erhöht. (Foto: Andi Albert)

13.06.2014

Stadt an den Fluss, Fluss an die Stadt

Neugestaltung der Mainlände in Schweinfurt

Der Zusammenfluss von Main mit dem Nebengerinne Marienbach hat durch anfallende Ablagerungen zu einer ausgeprägten Flachwasserzone geführt. Mit den entstandenen Verlandungs- und Inselbereichen bildete sich hier eine flache Furt und im Lauf der Geschichte aus dieser Querung schließlich eine überörtliche Verbindungsstraße. Dieses Wegekreuz und die damit verbundene Lagegunst waren auch in Schweinfurt ein Anlass sich niederzulassen. Im Lauf der Zeit entstand hier eine befestigte Stadt.
Schon die ältesten Stadtansichten Schweinfurts belegen mit festgemachten Flößen eine Lände an der Marienbachmündung. Durch den Ausbau der Verkehrsachsen Wasserstraße, Überlandstraße und ab dem 19. Jahrhundert der Bahnlinie wurde der Uferbereich zu einem bevorzugten Handels-, Güterumschlags- und Lagerplatz. Mit der seit dem 18. Jahrhundert beginnenden Öffnung der historischen Stadtbefestigung wurde dieser flussnahe Bereich umbaut und damit Teil der Gesamtstadt. Im 19. Jahrhundert entdeckte man den Main zudem für zahlreiche Vergnügen und Aktivitäten. Vom reinen Nutzgewässer wurde der Main nun auch zum Erholungsfaktor.
Die wirtschaftliche Entwicklung der Nachkriegszeit prägte zuletzt die einseitige Überformung dieses Bereichs als reines Hafengebiet mit Industrienutzung und Abschottung zur Stadt. Der Stadtkern wurde durch die Bündelung von Verkehrswegen (Bahnlinie Würzburg-Bamberg, Stadtumgehung Paul-Rummert-Ring) von seiner direkten Flusslage weitgehend abgeschnitten. Vorhandene Qualitäten wie der Zugang zum Wasser, die denkmalgeschützten Solitärbauten früherer Epochen und die Reste der mittelalterlichen Bastion wurden nicht mehr wahrgenommen.
Für Gäste der ankommenden Passagierschiffe, die zunehmende Zahl der Radtouristen sowie für Bewohner war dieser Ort wenig einladend. Obwohl die inzwischen sanierte Altstadt nur wenige Meter entfernt liegt, fand in diesem ungeordneten, teilweise verwilderten Bereich ohne jeden Erholungswert kaum Stadtleben statt.

Aufwertung des Mainufers

Zur Neuordnung wurde 2010 ein Stadtumbaugebiet vom Stadtrat beschlossen und zuvor ein städtebaulicher Ideenwettbewerb ausgelobt. „Die Attraktivität des Gebiets soll gesteigert, das Mainufer für die Bevölkerung geöffnet und eine gute Anbindung an die Altstadt erreicht werden.“ Die Stadt an den Fluss und den Fluss an die Stadt lautete das Ziel. Der Stadtbereich soll für Freizeit, Dienstleistung und Wohnen zurückgewonnen werden. Das Mainufer soll aufgewertet und mit der nahen, sanierten Altstadt verbunden werden. Der motorisierte Verkehr soll stark reduziert und damit Raum für Fußgänger und Radfahrer gewonnen werden.
Das bereits im Vorgriff auf diese Sanierungsmaßnahme in 2009 erstellte Jugendgästehaus soll in das neue Umfeld integriert, die vorhandenen Baudenkmäler durch Umnutzung und Modernisierung dauerhaft gesichert werden. Der ausgewählte Wettbewerbsbeitrag (HJPplaner/Lützow 7, Aachen/Berlin) überzeugte durch die „Konzentration auf das Wesentliche“. Die Realisierung mit begleitender Rahmenplanung erfolgt seit 2009 in mehreren Bauabschnitten.
Die neue großzügige Treppenanlage schafft einen direkten Zugang über den Bahntunnel in die nördliche Altstadt. Zusammen mit den signifikanten, elliptischen Pflanzinseln wird dabei eine Höhe von rund fünf Meter überwunden. Der Verzicht auf visuelle und fußläufige Unterbrechungen ermöglicht ein großzügiges Entree: In Richtung sanierte Altstadt werden die besonderen Bauwerke der unterschiedlichen Epochen gleichzeitig sichtbar, in die Gegenrichtung ist der freie Blick auf das Wasser möglich.
Daran anschließend folgt ein neu gestalteter Platz mit Sitzgelegenheiten und Themengärten in Anlehnung an eine frühere Nutzung. Neue Platanen gliedern die Fläche und bilden ein grünes Tor auf dem folgenden Weg zum Wasser. Eine weitere Wegeverbindung zur Innenstadt entsteht mit dem Abgraben der Bahnunterführung am Marienbach auf eine nutzbare Durchgangshöhe. Mit dieser neuen Anbindung sind die urbanen Freiräume und Freizeitmöglichkeiten entlang der früheren Stadtbefestigung nun auch zum Main hin erschlossen.
Der Main wird aus unterschiedlichen Perspektiven erlebbar. Eine mit Naturstein verkleidete Stützwand thematisiert die Höhendifferenz zwischen dem höherliegenden Stadtbalkon vor dem Jugendgästehaus und der unteren Uferterrasse. Um die Nähe zum Wasser zu erreichen, wird der Wandverlauf durch drei Treppenanlagen unterbrochen. Die entstandenen Nischen mit langen Sitzbänken betonen im rhythmischen Wechsel mit Pflanzbeeten die Kante zum Fluss.

Über eine Ramper erschlossen

Die tieferliegende Uferterrasse wird für den Anliegerverkehr über eine Rampe erschlossen. Sie dient weiterhin als Anlegestelle für die Personen- und Güterschifffahrt und wurde mit zwei Dockingstationen ausgestattet. Am Industriedenkmal Greiferdrehkran besteht die Möglichkeit, einen kleinen Stadtstrand anzulegen. Mit einer Wassertreppe erhalten hier Flusswanderer eine kleine Schiffsanlagestelle.
Eine Besonderheit ist die erhaltene Bastion aus dem 16. Jahrhundert. Am Zufluss des Marienbachs in den Main bilden die sperrigen Mauerreste mit ihrer unterschiedlichen Höhenstruktur eine eigene Qualität. Hier soll eine neue Anlaufstelle für die Schweinfurter Bürger sowie für die vielen Touristen wie Radfahrer, Flusswanderer und Gäste der Personenschifffahrt entstehen. Unter dem Titel Gastion ist ein filigraner transparenter Würfel geplant, der innen die historischen Mauerreste integriert und die Höhendifferenz nutzbar gestaltet. Der Baubeginn soll 2014 erfolgen.
Durch Landgewinnung auf dem Main soll im zweiten Ausbauabschnitt die neu angelegte Struktur weitergeführt und abgerundet werden. In dieser Planung enthalten ist auch die Weiterführung der Bahnhofsunterführung bis an den Main sowie eine große Freitreppe an der Wenderampe.
Schweinfurt diversifiziert seit einigen Jahren seine Wirtschaftsstruktur vom reinen Industriestandort zum vermischten Industrie- und Dienstleistungsstandort. Dadurch soll die Attraktivität als Wirtschaftsstandort erhöht werden. Diese Entwicklung wird mit Erstellung eines Integrierten Städtebaulichen Entwicklungskonzeptes und der Ausweisung von Sanierungsgebieten auf Grundlage des Städtebauförderungsgesetzes kontinuierlich unterstützt. (BSZ)

(Die Neugestaltung der Mainlände erfolgte in mehreren Bauabschnitten - Fotos: Andi Albert)

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