Bauen

Die ehemalige Kaiserstallung der Nürnberger Burg. (Foto: Schweinfurth)

15.03.2013

Stilvoll, komfortabel, einzigartig

Umbau und Sanierung der Jugendherberge Nürnberg

Kleine Zeitreise gefällig? Lust auf Abenteuer, Kultur und Entspannung? In der frisch sanierten Jugendherberge Nürnberg gibt es einiges zu bestaunen. Schon von Weitem kann man sie sehen, die mächtigen Mauern der ehemaligen Kaiserstallung mit dem markanten Luginsland ragen weit über die Dächer der Stadt – mitten im Zentrum, über der Altstadt.
In der modernsten Burg-Jugendherberge der Welt wird das Gefühl Jugendherberge neu definiert: Stilvoll, komfortabel und in einzigartigem Ambiente träumen die Gäste hier wie einst die Kaiser. Steinalte Mauern harmonieren mit frischem Design und Coolness. Bar und Lounge bieten Raum zum Kennenlernen und Entspannen. In 355 Betten auf 93 Zimmern erlebt man die renovierte Kaiserstallung aus dem Jahr 1495 hautnah.
Mit dem hohen Ausstattungsstandard sollen in Zukunft neben Schulklassen und Gruppen auch Individualreisende und vor allem Familien angesprochen werden. Wie in einigen anderen Häusern auch wurde beim Umbau jedes der 93 Zimmer mit eigener Dusche und WC ausgestattet. Einzigartig und neu ist in der Jugendherberge Nürnberg die teilweise Nutzung von Klapp-Stockbetten. Durch die Möglichkeit, den oberen Teil des Stockbettes einzuklappen, können Zimmer nun flexibel belegt werden, z.B. als Doppel- oder auch als Einzelzimmer. Auch dadurch wird der Aufenthaltskomfort der Gäste deutlich gesteigert. Einige Zimmer des Hauses sind darüber hinaus mit Doppelbetten ausgestattet.
Das beeindruckende Gebäude ist Teil der Burg Nürnberg und wurde 1494/95 als „Kornhaus auf der Veste“ erbaut. Es war eines der sieben großen Speicherhäuser der Stadt. Bis 1806 wurde es als Speicherhaus zur Versorgung der Bevölkerung genutzt. Die erste Erwähnung der „kaiserlichen Stauungen für Vieh und Pferde“ findet sich schon im Jahr 1647. In den Jahren zwischen 1806 und 1856 wechselten die Besitzverhältnisse des Hauses häufig. Schließlich wurde das Gebäude 1855/56 an den Staat verkauft und zur so genannten Kaiserstallkaserne umgebaut. 1886 wurde die Kasernennutzung aufgegeben und das Gebäude verpachtet.
Ein erster wesentlicher Umbau fand zwischen 1937 und 1938 durch den Architekten Julius Lincke statt. Die ehemalige Kaiserstallung wurde durch die Nationalsozialisten zur Reichsjugendherberge umgebaut. Nach der Zerstörung im 2. Weltkrieg waren nur noch die Umfassungsmauern vorhanden. Originalgetreu wurde das historische Gebäude 1951 und 1952 wieder aufgebaut. Brandschutz war jetzt das beherrschende Thema. Anstelle von Holz wurden holzimitierende Betonbalken und Betongeländer verbaut, die sich auch heute noch im Gebäude befinden. Fast alles, was nach Holz aussah, war eigentlich Beton.
1952 eröffnete schließlich das Stadtjugendhaus mit einem Jugendwohnheim für 182 Jugendliche und einer Jugendherberge mit 250 Betten. 1983 wurde mit dem Deutschen Jugendherbergswerk erstmals ein Pachtvertrag geschlossen und ein neues Nutzungskonzept mit Tagungsräumen und Tagungssaal erdacht. Auch sollte nun jedes Zimmer mit Dusche und WC ausgestattet sein und die gesamte Haustechnik erneuert werden.
Zusätzlich wurde das Gebäude, soweit möglich, auch unter energetischen Gesichtspunkten auf den neuesten Stand gebracht. Da es sich um ein historisches Gebäude handelt, wurden bei allen baulichen Maßnahmen auch denkmalpflegerische Aspekte berücksichtig. So wurde etwa eine mittelalterliche Sandsteintreppe freigelegt und in das neue Treppenhaus integriert. Die gesamte Jugendherberge entspricht weitgehend den Grundsätzen der Barrierefreiheit. Zwei behindertengerechte Aufzüge machen einen stufenlosen Zugang für Gehbehinderte und Rollstuhlfahrer bis zum sechsten beziehungsweise bis zum siebten Obergeschoss möglich.

Denkmalgerechte Innendämmung

Mit einem Kostenvolumen von rund 19 Millionen Euro wurde ein frisches, modernes Design geschaffen, das gleichzeitig die historische Architektur dieses einzigartigen Orts herausstellt. Sowohl in den Zimmern als auch in den Gemeinschaftsräumen wurde die besondere Architektur neu zum Leben erweckt. Gemeinschaft und Kommunikation, Internationalität und Austausch von Kulturen sowie Zeit für Familie und Raum für Erholung standen in der Planung des Umbaus konzeptionell im Vordergrund. Baulich wurde zum Beispiel eine bessere Erschließung aller Teile des Gebäudes geschaffen sowie im Bereich des Wärmeschutzes eine denkmalgerechte Innendämmung der Außenwände realisiert. Darüber hinaus wurden unter anderem schallgedämmte Zimmertüren und denkmalgerechte Fenster eingebaut.
Das Bauvorhaben wurde auch aus Zuwendungen gefördert. Hierbei sind zu nennen: Mittel der Stadt Nürnberg, Landesmittel aus dem Jugendprogramm der Staatsregierung sowie Bundesmittel aus dem Kinder- und Jugendplan. Mit der Planung hatte der Bauherr, das Deutsche Jugendherbergswerk Landesverband Bayern, die Architekturbüros Franchi & Dannenberg sowie Fritsch + Knodt & Klug beauftragt. Bei einem umbauten Raum von 24 500 Kubikmetern steht jetzt eine Bruttogrundfläche von 8300 Quadratmetern und eine Nettogrundfläche von 6000 Quadratmetern zur Verfügung.
In den neun Seminar- und Konferenzräumen der Jugendherberge Nürnberg für bis zu 199 Personen kann man sich ganz auf die eigenen Themen und Diskussionen konzentrieren. Das Haus liefert modernste Medienausstattung, kostenloses WLAN und leckeres Brain-Food. Auch für Feiern oder Großveranstaltungen findet man in der Jugendherberge beste Voraussetzungen: Im historischen Eppelein-Saal wird jeder Anlass zu etwas ganz Besonderem. (BSZ)

(Die Rezeption der Jugendherberge sowie ein Blick in ein Zimmer und den Speisesaal - Fotos: Deutsches Jugendherbergswerk Landesverband Bayern)

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