Bauen

Ein von der Sonne geschwärztes Holzhaus in Schwarzenberg. (Foto: Wiegand)

14.09.2012

Tradition und Moderne

Vorarlberger Architektur

Schöne Holzhäuser zieren die Dörfer im Bregenzer Wald. Die Sonne hat ihre geschindelten Wände schwarz gefärbt, was den alten Bauern- und Gasthöfen Behaglichkeit verleiht. Der Dorfkern von Schwarzenberg mit den bis zu 300 Jahre alten Holzhäusern und der Barockkirche steht daher unter Denkmalschutz. Ebenfalls dem Denkmalamt unterstellt ist „Naze’s Hus“ (das heißt Ignaz’ Haus) in Mellau. Dieser Bauernhof aus dem 18. Jahrhundert ist ein typisches Bregenzerwälderhaus. Liebevoll hat man es restauriert und dabei auch die zapfenförmigen Wandschindeln erneuert.
Andererseits hat Vorarlberg bereits einen guten Ruf auf dem Gebiet modernen Bauens, setzt dabei aber weiter oder wieder auf Holz. „Die moderne Architektur geht Hand in Hand mit der traditionellen Bauweise“, betont Andrea Masal von der Vorarlberg Tourismus GmbH.
Es gibt auch noch Schindler. 30 Jahre Garantie geben sie auf ihre Arbeit. Wie schon bei „Naze’s Hus“ sind auch bei Neubauten nicht immer sämtliche Wände geschindelt. Durch das Einfügen von Brettern und Holzstäben – längs oder quer – werden die Fassaden aufgelockert. Das wirkt modern und ist sicherlich preiswerter. Auch Hotels verbinden bei Erweiterungen mutig Tradition und Moderne, so das „Sonne lifestyle resort“ in Mellau sowie die Hotels Gams und Post in Bezau.
Eine größere Überraschung bietet sich jedoch nach der Auffahrt mit der Seilbahn Bezau, die Bergkapelle des Architektenduos Cukrovicz-Nachbaur aus Bregenz, errichtet 2007. Sie haben das Holz außen und innen pur verwendet, was die Kapelle streng, aber keineswegs abweisend erscheinen lässt. Die Schlichtheit und der Verzicht auf jedwedes Dekor überzeugen durchaus. Im Wettbewerb haben die beiden für ihre Bergkapelle den 1. Preis errungen. „CN interpretieren Aufgaben und Materialien aus dem Kontext – präzise, einfach und selbstverständlich“, lobt der Architekturwissenschaftler Otto Kapfinger. „Sie schaffen mit Holz, Glas und Beton, mit stimmigen Lichtführungen und perfekten Proportionen robuste, inspirierende Räume für alle Sinne.“
Dieser Beurteilung stimmen die Betrachter gerne zu und meinen, sie würde auch auf das Kunsthaus Bregenz (KUB) zutreffen, erbaut 1997 vom Schweizer Architekten Peter Zumthor, der für das KUB den „Mies van der Rohe Award for European Architecture“ erhielt. Er beschreibt seinen Ausstellungsbau fast poetisch: „Das Kunsthaus steht im Licht des Bodensees. Sein Körper ist aus Glasplatten, Stahl und einer Steinmasse aus gegossenem Beton gebaut, die im Innern des Hauses Struktur und Raum bildet. Von außen betrachtet wirkt das Gebäude wie ein Leuchtkörper. Es nimmt das wechselnde Licht des Himmels, das Dunstlicht des Sees in sich auf, strahlt Licht und Farbe zurück und lässt, je nach Blickwinkel, Tageszeit und Witterung etwas von seinem Innenleben erahnen.“ Das Äußere bestimmen die milchglasähnlichen Glaspaneelen, deren Farbwirkung von der Sonne abhängt. Nachts strahlt das Kunstlicht aus dem Inneren des Gebäudes durch diese „Glashaut“ und verleiht dem strengen Kubus tatsächlich eine gewisse Poesie.  (Ursula Wiegand)

(Die Bergkapelle von Cukrovicz-Nachbaur - Foto: Wiegand)

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