Bauen

Das sanierte Gymnasium in Naila. (Foto: Landkreis Hof)

16.12.2011

Vier Schulen gebaut, saniert oder erweitert

Bayerisches Pilot-Schulsanierungs-Projekt im Landkreis Hof

Erstmals in der Geschichte des Landkreises Hof wurde ein Bauprojekt in einer öffentlich-privaten Partnerschaft (ÖPP) durchgeführt und dabei vier weiterführende Schulen komplett saniert und modernisiert, teilweise erweitert und neu gebaut. Rund 55 Millionen Euro kostet das alles – mit einer überdurchschnittlichen FAG-Förderung durch den Freistaat, der damit die Pilot-Funktion dieses ÖPP-Projekts anerkennt.
Bei der Generalsanierung der Gymnasien in Münchberg und Naila, der Realschule Helmbrechts und beim Neubau der Realschule Naila handelt es sich insgesamt um das größte Bauprojekt, das der Landkreis Hof jemals durchgeführt hat. Über seine Notwendigkeit gab es keine Diskussionen: Die Bausubstanz aller vier Schulen stammte aus der Zeit zwischen 1966 und 1972. Immer wieder traten gravierende Schäden auf, die meist nur behelfsmäßig behoben werden konnten. Dazu gab es an allen vier Schulen erhebliche Probleme mit dem Brandschutz und den Rettungswegen. Außerdem wurde aufgrund neuer gesetzlicher Vorgaben auch die energetische Gebäudesanierung zwingend notwendig.
Eine schrittweise Sanierung der einzelnen Schulen hätte einen Zeitraum von zwölf bis 15 Jahren umfasst. Außerdem wäre die Festlegung einer Prioritätenliste der einzelnen Schulen sehr schwer geworden, da der Sanierungsbedarf an allen vier Schulen gleichermaßen vordringlich war. Deshalb hat der Landkreis Hof nach Wegen gesucht, um den gewaltigen Sanierungsbedarf in einer relativ kurzen Bauzeit bewältigen zu können.
Der Kreistag Hof hat sich nach langen und intensivsten Beratungen schließlich dafür entschieden, die Generalsanierung der vier weiterführenden Schulen mit rund 2700 Schülern in Form eines ÖPP-Projekts durchzuführen. Und wenn man sich vor Augen hält, dass in gerade einmal zwei Jahren die Komplettsanierung inklusive des Neubaus in Naila realisiert werden konnte, dann mag man ermessen, was dem Landkreis an Zeit, Ärger und Kosten erspart geblieben ist.
Für die ÖPP-Variante gab es gewichtige Gründe: zum Beispiel den Wirtschaftlichkeitsvergleich mit einer herkömmlichen schrittweisen Realisierung, der einen Gesamtkostenvorteil für Planung, Bau und 20 Jahre Betrieb – alles aus einer Hand und aufeinander abgestimmt – von mindestens zehn Prozent erbringt. Weitere Vorteile: die garantierte Kostensicherheit nach der Auftragsvergabe, die Planungs- und Terminsicherheit, der vertraglich festgelegte Qualitätsstandard über die gesamte Laufzeit von 20 Jahren und schließlich die Kostenvorteile, die dadurch entstehen, dass die Weitervergabe an Nachunternehmer nicht nach der VOB Teil A ausgeschrieben werden musste.
In einem europaweiten Teilnahmewettbewerb und in dem sich anschließenden Verhandlungsverfahren wurde die Bietergemeinschaft Bilfinger Berger AG/Franz Kassecker GmbH/HSG Zander GmbH als so genannter bevorzugter Bieter festgelegt. Mit dieser Bietergemeinschaft erfolgten dann auch die Endverhandlungen des ÖPP-Vertrags. Heute kann man feststellen: Auch das war kein Nachteil. Es kamen zwischen 90 und 100 Prozent einheimische Firmen als Subunternehmer zum Zuge.
Aufgrund des Pilotcharakters erfolgte eine Abstimmung aller Verfahrensschritte mit der Regierung von Oberfranken und der Obersten Baubehörde (OBB). Die Umsetzungsarbeiten im Landratsamt führte im Wesentlichen die ÖPP-Projektgruppe, bestehend aus Verwaltungsmitarbeitern und Mitgliedern der Kreistagsfraktionen. Schulleitung, Lehrer und Elternbeiräte wirkten bei allen Stufen des Verfahrens mit, damit die Belange der künftigen Nutzer bei den anstehenden Entscheidungen ausreichend berücksichtigt werden konnten.
Im Gegensatz zum „klassischen“ ÖPP-Modell (Finanzierung, Planung, Bau, Betrieb) hat der Landkreis Hof die Finanzierung aus dem Gesamtauftragspaket ausgegliedert. Entstanden ist das so genannte Hofer Modell, bei dem die Finanzierung wie bisher über Kommunalkredite beziehungsweise KfW-Darlehen läuft. Dadurch konnte der mögliche Nachteil der klassischen ÖPP-Projekte, nämlich die höheren Finanzierungskosten, ausgeschaltet werden. Der Kreditbedarf für die Gesamtinvestitionskosten von 55 Millionen Euro wird im Haushalt des Landkreises dargestellt. Die Eigenfinanzierung durch den Landkreis stellt die wirtschaftlichere Lösung dar, weil nur der tatsächliche Kapitaldienst für die Kredite bedient werden muss.
Das viergliedrige Schulsanierungskonzept beinhaltete neben der energetischen Sanierung der Bestandsgebäude und der Aufwertung des baulichen Brandschutzes auch die funktionale Neuordnung der Räume, die Umgestaltung der Außenanlagen und zudem Erweiterungsbauten und Neubauten.

Den richtigen
Weg gegangen


So wurde die Realschule Helmbrechts durch einen mehrgeschossigen Anbau erweitert, die Realschule in Naila abgebrochen und auf dem Grundstück des bestehenden Gymnasiums neu errichtet. Für das dort entstandene Schulzentrum wurde eine multifunktionale Zweifachturnhalle völlig neu gebaut. Um während eines möglichst schnellen Bauablaufs den Schulbetrieb gewährleisten zu können, wurde während der Baumaßnahmen der Schulbetrieb zum Teil ausgelagert und vorübergehend in Containern untergebracht.
Die Außenanlagen werden durch grüne Plätze und Höfe aufgewertet, es werden Teiche und Biotope angelegt sowie Outdoor-Klassenzimmer und grüne Ruhebereiche geschaffen. Die Ausstattung der Schulen mit loser Möblierung sowie in multimedialer und technischer Hinsicht erfolgte unter neuesten pädagogischen und zukunftsorientierten Gesichtspunkten. So gibt es zum Beispiel in allen Klassenzimmern und Fachräumen interaktive Whiteboards anstelle der herkömmlichen Unterrichtstafeln. Dabei wurde besonderer Wert auf Flexibilität gelegt. Und wie für alle ÖPP-Projekte typisch, nimmt die Lebenszyklus-Betrachtung für alle Bereiche einen großen Stellenwert ein.
Baubeginn war im August/September 2009. Zwei Jahre später, also mit Beginn des Schuljahrs 2011/2012, zum Teil sogar schon früher, konnten die generalsanierten Schulräume bezogen und der Schulbetrieb aufgenommen werden.
Bei der Einweihungsfeier betonte auch der Hofer Landrat Bernd Hering (SPD), dass der Landkreis angesichts der kurzen Dauer von zwei Jahren für sämtliche Sanierungs-, Erweiterungs- und Neubauarbeiten bei laufendem Schulbetrieb mit dem ÖPP-Projekt einen folgerichtigen Weg gegangen ist – im Interesse des Landkreises, vor allem aber auch im Interesse der Schulen, die einen Anspruch auf zeitgemäße und zukunftsfähige Rahmenbedingungen und Ausstattung hätten. Seit vielen Jahren sei der Landkreis Hof der „Schullandkreis Nummer eins“ in Oberfranken. Mit dem ÖPP-Projekt für die vier weiterführenden Schulen untermauere er diesen Anspruch eindrucksvoll.
Inzwischen hat der Landkreis Hof für sein ÖPP-Schulsanierungsprojekt sogar den Förderpreis des Bayerischen Bauindustrieverbands erhalten. (BSZ)
(Das sanierte Gymnasium Münchberg, die sanierte Realschule in Helmbrechts sowie der Neubau der Realschule in Naila  - Fotos: Landkreis Hof)

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