Bauen

2,4 Millionen Euro wurden in den Neubau der Regenbrücke bei Reichenbach investiert. (Foto: Bulicek + Ingenieure)

13.07.2012

Vollsperrung wurde vermieden

Brückenneubau über den Regen bei Reichenbach

Der Landkreis Cham hat im Zuge seiner Kreisstraße CHA 25 den Überbau der Brücke über den Regen bei Reichenbach erneuert. Um die Zeit einer Vollsperrung und die damit verbundenen Beeinträchtigungen der Verkehrsteilnehmer möglichst kurz zu halten, hat sich der Landkreis für den Bau in „Behelfslage“ mit Verkehrsführung des Gesamtverkehrs auf dem bestehenden Bauwerk und späterem Querverschub entschieden.
Am Donnerstag den 24. Mai 2012 wurde der neue Überbau in seine endgültige Lage quer verschoben. Bis diese entscheidende Bauphase für das 2,4 Millionen Euro teure Brückenbauprojekt letztendlich eingeleitet werden konnte, waren jedoch zahlreiche planerische und ausführungstechnische Schritte erforderlich.

Sicherheitsmängel


Die Erneuerung wurde erforderlich, da der Überbau der im Jahr 1959 errichteten dreifeldrigen, etwa 92 Meter langen Spannbetonbrücke dem im Bauwesen allgemein geforderten Sicherheitsniveau nicht mehr gerecht wurde. Diese Erkenntnis ergab sich aus mehreren Untersuchungen, die das Landratsamt Cham aus gegebenem Anlass bereits im Jahr 2008 dem Ingenieureunternehmen bulicek + ingenieure gmbh aus Passau übertragen hatte.
Genauere Untersuchungen des so genannten Bruchankündigungsverhaltens für den Überbau bei angenommener schrittweiser weiterer Schädigung ergaben, dass in mehreren Bereichen kein ausreichendes Vorankündigungsverhalten für den Fall eines drohenden Einsturzes gegeben war. Aus diesem Grund wurde unmittelbar im Anschluss eine entsprechende Risikoanalyse zur Festlegung von Sofortmaßnahmen bis zum erforderlichen Brückenneubau vorgenommen. Diese Risikoanalyse ergab, dass bei einer entsprechenden Reduzierung des zulässigen Gesamtgewichts der die Brücke nutzenden Fahrzeuge – zunächst auf 16 Tonnen – unter vertretbarem Risiko eine Fortnutzung bis zum Neubau des Bauwerks möglich war. Über diesen entsprechend begrenzten Restnutzungszeitraum hinweg wurden vom Landratsamt Cham in entsprechend kurzen Zeitintervallen Bauwerksinspektionen durchgeführt.
Nahezu gleichzeitig mit der Lastbeschränkung wurde mit den Planungen für die Neubaumaßnahme begonnen. Der Bauausschuss des Landkreises Cham entschied, das bereits mit dem Brückenbauwerk vertraute Ingenieureunternehmen bulicek + ingenieure gmbh mit der Entwurfs- und Ausschreibungsplanung – später aus Zeitgründen auch mit der Ausführungsplanung – zu beauftragen.
Unter Berücksichtigung der am Bauwerk vorliegenden Gegebenheiten, der festgestellten Schäden, der zeitlichen Rahmenbedingungen und Aspekten der Gesamtwirtschaftlichkeit wurde im Zuge des Bauwerksentwurfs eine Erneuerung des Überbaus unter Fortnutzung der bestehenden Pfeiler und Widerlager geplant. Nach der Erneuerung des Überbaus sollte das Bauwerk für Einwirkungen gemäß DIN FB 101, Ausgabe 2009, ausgelegt sein.
Der im Januar 2011 begonnene Ersatzneubau der Brücke über den Regen bei Reichenbach umfasste im Wesentlichen den Neubau des Überbaus, den Rückbau des bestehenden Überbaus, Anpassungsmaßnahmen im Bereich der Flusspfeiler und der Widerlager sowie Anpassungsmaßnahmen im Bereich der Straßenanschlüsse.

Querverschub der Brücke


Der neue Überbau wurde zunächst auf eigens dafür hergestellten Behelfspfeilern und -widerlagern – in so genannter Behelfslage – neben der bestehenden und unter Verkehr befindlichen Brücke hergestellt. Während der Verkehr dann über mehrere Monate auf den fertigen Überbau in Behelfslage umgeleitet wurde, konnte der alte Überbau rückgebaut und die alten Pfeiler und Widerlager den entsprechenden Anpassungsmaßnahmen unterzogen werden. Daraufhin wurde der neue, rund 1700 Tonnen schwere Überbau als Ganzes in seine endgültige Lage auf den bestehenden Unterbauten der alten Brücke quer verschoben und im Anschluss der Verkehr über die planmäßige Endlage geführt.
In der abschließenden Bauphase wurden dann die Behelfsunterbauten rückgebaut und alle erforderlichen Restarbeiten durchgeführt, während der Verkehr bereits wieder planmäßig über die neue Brücke rollte.
Durch dieses vom Landkreis Cham als Bauherrn gewählte Bauverfahren ergab sich zwar eine höhere finanzielle Belastung, jedoch konnte eine Vollsperrung über die gesamte Bauzeit vermieden und die Unterbrechung des Verkehrsflusses auf kurze Zeit, nämlich auf die Phase des Verschubs von der Behelfs- in die Endlage, sowie der noch notwendigen verkehrlichen Anpassungsmaßnahmen beschränkt werden.
Zugute kam diese Lösung insbesondere den 600 Beschäftigten einer Behindertenwerkstätte vor Ort, die andernfalls einen Umweg von 13 Kilometern in Kauf hätten nehmen müssen. (BSZ)

(Der Querverschub wird vorbereitet; rund 90 Meter lang ist die Brücke - Fotos: Bulicek + Ingenieure)

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