Bauen

Bauingenieure sind auch bei den Bauarbeiten an der Kleinen Olympiahalle in München gefordert. (Foto: Hauk)

06.08.2010

Vom Arbeitskreis zur „Großen Kammer“

Die Ingenieurekammer-Bau kann auf eine 20-jährige Geschichte zurückblicken

Am 8. Juni 1990 hat der Bayerische Landtag per Gesetz beschlossen: „In Bayern wird eine Ingenieurekammer-Bau errichtet.“ Zuvor hatte der damalige Landtagsabgeordnete Karl Kling mit flammenden Reden für diese berufsständische Vereinigung geworben und so schon damals erfolgreiche Überzeugungsarbeit geleistet.
Einen ersten Grundstein für die Ingenieurekammer-Bau hatte 18 Jahre vorher, im Jahr 1972, Günter Scholz gelegt. Er holte verschiedene Ingenieurverbände im Freistaat in dem Arbeitskreis Bayerische Ingenieure zusammen. Dieser arbeitete unermüdlich, bis nach jahrelangem Ringen Kling am 18. Juli 1989 seine Einbringungsrede zum Gesetzentwurf der CSU im Maximilianeum halten konnte. Von Anfang an setzte sich Scholz für eine Kammer ein, in der nicht nur die freiberuflichen Ingenieure vertreten sein sollten, sondern auch die Ingenieure aus der Bauwirtschaft und aus dem öffentlichen Dienst.
Die Bestrebungen für eine Ingenieurekammer blieben zunächst erfolglos. Erst mit dem Gesetz von 1990 war das Ziel erreicht. Bis es aber soweit war musste der Entwurf verschiedene Ausschüsse sowie den (damals noch existierenden) Bayerischen Senat passieren, bis schließlich am 15. Mai 1990 der Landtag einstimmig das Gesetz über den Schutz der Berufsbezeichnung Beratender Ingenieur sowie über die Errichtung einer Bayerischen Ingenieurekammer-Bau beschließen konnte. Am 1. Juli 1990 trat das Gesetz in Kraft, die Geburtsstunde der Kammer als Körperschaft des öffentlichen Rechts.
Die Rechtsaufsicht über die Bayerische Ingenieurekammer-Bau obliegt dem Innenministerium. Aufgrund von Vorschlägen von mehr als 20 Ingenieurverbänden wurde nach einem ausgeklügeltem Proporz der 31-köpfige Gründungsausschuss (19 Pflichtmitglieder, 12 Freiwillige Mitglieder) von der Obersten Baubehörde (OBB) bestellt und daraus am 25. Juli 1990 der 9-köpfige Vorstand des Gündungsausschusses gewählt. Diesem gehörten an: Günter Scholz (Präsident), Karl Kling (1. Vizepräsident), Jörg Keßler (2. Vizepräsident), Johann Bartl, Helmut Bast, Joachim Müller, Josef Poxleitner (heute Leiter der Obersten Baubehörde), Günter Riepl und Josef Scheidler.

Damit war das Ziel endgültig erreicht, ein Organ zu schaffen, das die bayerischen Ingenieure aus Bauwesen und Bauwirtschaft, Freien Berufen und öffentlichem Dienst unter einem Dach vereint und deren Anliegen und Belange in Politik, Wirtschaft, Verwaltung und Öffentlichkeit mit einer Stimme vertritt. Für Innenminister Joachim Herrmann ein Grund für den Erfolg der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau. Somit hatten 20 Jahre nach Errichtung der Bayerischen Architektenkammer auch die bayerischen Ingenieure im Bauwesen „ihre Kammer“. Eine „Große Kammer“ als Solidargemeinschaft zum Nutzen von Gesellschaft und Ingenieuren mit Beratenden Ingenieuren als Pflichtmitgliedern und allen anderen als freiwilligen Mitglieder.
Der Vorstand des Gründungsausschusses trat am 1. August 1990 zu seiner ersten Sitzung zusammen. Darin wurde die Errichtung einer Kammergeschäftsstelle in der Galeriestraße 6 a in München beschlossen. Zur vorläufigen Geschäftsstellenleitung wurde Wolf Hugendubel berufen. Außerdem wurde der Eintragungsausschuss mit 20 Mitgliedern unter Vorsitz von Josef Kersten und Herbert Lazik ernannt. Eine weitere maßgebliche Aufgabe des Gründungsausschusses war die Vorbereitung der Wahlen zur ersten Vertreterversammlung, die erst im darauffolgenden Jahr durchgeführt werden konnte, da vorab noch Änderungen im Ingenieurgesetz vorgenommen werden mussten.
Der Gründungsausschuss der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau trat bis zur Konstituierenden Sitzung der 1. Vertreterversammlung am 27. November 1991 sechs Mal zusammen. Zum Vorstand der Kammer wurden auf der Vertreterversammlung gewählt: Karl Kling (Präsident), Rolf Sennewald (1. Vizepräsident), Josef Poxleitner (2. Vizepräsident), Otto Greiner, Walter Hillmeister, Jörg Kessler, Herbert Kupfer, Joachim Müller und Atte Rieger.
Zu den größten Leistungen, die die Gründungsmitglieder gemeinsam mit anderen Verantwortlichen erreicht haben, gehören nach den Worten von Innenminister Herrmann „sicherlich das Versorgungswerk, das die Kammermitglieder absichert, und die Ingenieurakademie, die allen im Bauwesen tätigen Ingenieuren ein vielfältiges Weiterbildungsangebot unterbreitet“.
Die Bayerische Ingenieurekammer-Bau ist also eine Körperschaft des Öffentlichen Rechts. Zu den wesentlichen Aufgaben der Kammer gehören die Beratung der Mitglieder, der Schutz ihrer beruflichen Belange, die Überwachung der Erfüllung beruflicher Pflichten, die Förderung der Baukultur, Wissenschaft und Technik sowie die Stärkung der Eigenverantwortung, Unabhängigkeit und Fachkompetenz, wie es in Artikel 13 Absatz 1 Baukammergesetz heißt.
Seit der Gründung ist die Anzahl der Mitglieder kontinuierlich gestiegen, von 1166 im Jahr 1991 auf inzwischen 5792 (Stand 31. Mai 2010). Ihren Sitz hat die Ingenieurekammer-Bau derzeit in der Nymphenburger Straße in München.  (Friedrich H. Hettler)

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